„Gebt die Hoffnung für den Südsudan nicht auf!“

Dramatische Situation im Südsudan: Kleinbauern können von der schlechten Ernte nicht überleben. Für viele ist der letzte Ausweg aus dem Hunger die Flucht. © JustFilms
Dramatische Situation im Südsudan: Kleinbauern können von der schlechten Ernte nicht überleben. Für viele ist der letzte Ausweg aus dem Hunger die Flucht. © JustFilms

Mir wurde gesagt, dass viele Menschen in Deutschland glauben, der Südsudan sei ein hoffnungsloser Fall. Und es ist wahr: die Situation könnte kaum schlechter sein, vor allem für die unschuldigen und hungernden Menschen, die auf der Suche nach Frieden und Sicherheit in den Flüchtlingscamps unserer Nachbarländer gestrandet sind. Der gewaltsame Kampf zwischen der Armee von Präsident Salva Kiir und den Streitkräften seines früheren Vizepräsidenten Dr. Riek Machar, der 2013 in der Hauptstadt Juba ausbrach, breitete sich schnell im ganzen Land aus. Heute kämpfen etwa sechs bis acht Rebellengruppen gegeneinander aus Gründen, die niemand mehr kennt.

„Es ist weder mein Wunsch, noch der meiner Mitbürger, sondern der Machthunger einiger weniger Individuen.“

Deutschland hat unsere junge Nation vom ersten Tag ihrer Unabhängigkeit bis in die heutige Zeit des Bürgerkrieges auf vielfältige Weise unterstützt. Bei allen, die sich für uns einsetzen, möchte ich mich bedanken und gleichzeitig appellieren: Gebt die Hoffnung für den Südsudan nicht auf! Das ist mein Plädoyer, denn alles, was aktuell im Südsudan passiert, ist weder mein Wunsch oder meine Verantwortung noch die meiner verhungernden Mitbürger. Es ist der Machthunger einiger weniger Individuen.

Ein egoistischer Machtkampf mit katastrophalen Folgen

Trotz der Friedensgespräche, die erst kürzlich stattgefunden haben, sieht es nicht so aus, als hätte der Konflikt im Südsudan bald ein Ende. All die regionalen Gremien, die die Hauptrollen im Friedensprozess spielen, verfolgen ihre eigenen Interessen. Eines der größten Probleme ist zweifelsohne, dass die Anführer in ihrem egoistischen Kampf um die Macht es billigend in Kauf nehmen, dass ihre Bevölkerung stirbt – an Hunger, aber auch an Menschenrechtsverletzungen, die weit verbreitet sind und gleichermaßen von der Regierung wie von den oppositionellen Mächten begangen werden.

Kein unterschriebener Vertrag wurde eingehalten. Keine Partei respektiert den Friedensvertrag. Tatsächlich ist alles im Südsudan so fragil, weil die Implementierung ein riesiges Problem ist. Was uns innerlich zerstört, sind Tribalismus, Ignoranz, schlechte Führung und Ungerechtigkeit. Arbeitslosigkeit und Korruption könnten wir selbst in den Griff bekommen, wenn wir eine Regierung hätten, die sich dem Wohlergehen der Menschen und der Nation verpflichtet fühlen würde. Das ist es, was wir brauchen: Eine politische Führung mit dem Geist, unser Land weiter entwickeln zu wollen.

Investiert in sichtbare Projekte!

Ich weiß, dass wir durch die anhaltenden Kämpfe seit Jahren von ausländischer Unterstützung abhängig sind und die benötigen wir auch für weitere Schritte nach vorne. Ihr als wohlhabende Industrienation seid aufgerufen: Investiert in sichtbare Projekte, wie den Bau von Training-Centern, Grundschulen, Universitäten für Lehrer und Gesundheitszentren. Dies würde viele Menschen davon abhalten, das Land auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen zu verlassen. Auch der Ausbau von Infrastruktur ist ein Weg, dem jungen Südsudan zu helfen.

Mit Ihrer Spende helfen Sie vom Hunger bedrohten Menschen in Afrika:

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Hintergrund: Journalisten aus 11 afrikanischen Ländern in Deutschland

Das Thema „Partnerschaft mit Afrika“ war Schwerpunkt der deutschen G20-Präsidentschaft.  Die taz Panter Stiftung nahm das zum Anlass für ein neues Projekt ihrer Workshop-Reihe „Für unabhängigen Journalismus – nicht nur bei uns“. Während eines einwöchigen Workshops vom 22.6. bis 28.6. organisierte die taz Panter Stiftung Begegnungen afrikanischer JournalistInnen mit deutschen Regierungsvertretern, Wissenschaftlern und Vertretern der Zivilgesellschaft. Die Konferenzen betreffen die afrikanischen Gesellschaften direkt, aber für afrikanische Medien sind die Verhandlungen zwischen ihren Regierungen und der Europäischen Union (EU) oft kaum nachvollziehbar. Die wenigsten afrikanischen Medien können sich Korrespondentinnen in Europa leisten. Die Regierungen vieler afrikanischer EU-Partnerstaaten handeln nicht transparent, Auskunftsrechte für die Presse sind oft nicht existent. Die Welthungerhilfe unterstützte den Workshop, indem sie die Flugkosten für Nashion Joseph Nicolas Modir aus dem Südsudan übernahm.

Interview

„Geht man zu weit, droht Folter“ – Ein Interview über die zerstörte Presselandschaft im Südsudan mit Nashion Joseph Nicolas Modir in der Welternährung 02/2017 (Seite 3).


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