Geflohen aus Syrien: Kinder malen Krieg

Malen hilft ihnen, sich mit dem erlebten Schrecken auseinanderzusetzen.
Malen hilft ihnen, sich mit dem erlebten Schrecken auseinanderzusetzen.

Der Krieg in Syrien tobt mittlerweile seit mehr als fünf Jahren. Millionen Syrerinnen und Syrer sind ins Ausland geflüchtet. Die meisten von ihnen fanden Zuflucht in den Nachbarstaaten Türkei, Libanon, Jordanien oder Irak. Die große Anzahl von Flüchtlingen hat eine beträchtliche Wirkung auf die Gesellschaften in den Aufnahmeländern, weil sich dadurch die verfügbaren Ressourcen und ökonomischen Möglichkeiten weiter verknappt haben.

Nur 5 Kilometer bis zur syrischen Grenze

In der Türkei nimmt die Zahl syrischer Flüchtlinge, die in Flüchtlingslagern leben, stetig ab, da immer mehr von ihnen in die Städte ziehen. Nur acht Prozent der syrischen Vertriebenen in der Türkei leben noch in Lagern, denn nach Jahren der Vertreibung ist das Leben in einem Flüchtlingscamp für viele von ihnen unerträglich geworden. Schließlich sind auch die am besten ausgestatteten Camps lediglich für einen vorübergehenden Aufenthalt gedacht. Im Laufe der Jahre haben sich auch die Bedürfnisse der Flüchtlinge geändert. Psychosoziale Hilfe, Rechtsberatung und Aktivitäten, die zum friedlichen Miteinander zwischen syrischen Flüchtlingen und der türkischen Aufnahmegesellschaft beitragen, sind immer wichtiger geworden. In dem Bestreben, diese Dienstleistungen bereitzustellen, unterstützt die Welthungerhilfe mit Mitteln der GIZ Gemeinschaftszentren sowohl in Istanbul, wo geschätzte 500.000 syrische Flüchtlinge leben, als auch in der Provinz Mardin, im Südosten der Türkei.

In den türkischen Provinzen nahe der syrischen Grenze, wie etwa in Mardin, leben nach wie vor Flüchtlinge in Lagern. Eines dieser Flüchtlingslager befindet sich in der Provinz Şanlıurfa, im Landkreis Akçakale, nur fünf Kilometer von der syrischen Grenze entfernt. Ich besuchte dieses Lager am letzen Morgen einer Konferenz über internationales Migrationsmanagement, an der ich kürzlich teilnahm. Das Erste, was ich sah, als ich das Camp betrat, waren Kinder, die mich mit einem Lächeln im Gesicht begrüßten – trotz des Elends, das sie in ihren kurzen Leben bereits durchmachen mussten.

Ein Lächeln im Gesicht, Wut und Traurigkeit im Herzen

In Akçakale tritt der Unterschied zwischen dem Leben im Flüchtlingscamp und jenem in der Stadt deutlich zutage. Nur wenige Kilometer von der türkisch-syrischen Grenze entfernt ist der Krieg ganz nahe. Während die Camp-Bewohner zwar Schutz, grundlegende Unterstützung sowie gewisse Möglichkeiten zur Bildung und Existenzsicherung erhalten, geht der Krieg in den Köpfen der Menschen weiter. Der Konflikt in Syrien bleibt ein ständiger Begleiter, auch wenn die Flüchtlinge in relativer Sicherheit auf der anderen Seite der Grenze leben. Besonders Kinder und Jugendlichen leiden darunter. Dies zeigt sich anhand der Bilder, die von Mädchen und Jungen gemalt wurden und deren Traumata und Ängste reflektieren. Als Teil der Bildungsmaßnahmen dient das Malen den Kindern als eine Möglichkeit, ihre Gefühle auszudrücken.

Das Ergebnis ist wenig überraschend: Die Bilder enthalten Kampfszenen, Waffen und Blut. Sie offenbaren Wut und Traurigkeit und machen deutlich, wer am meisten für den Krieg bezahlen muss.

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Weiter entfernt, in Städten wie Istanbul oder Ankara, ist die Distanz zwischen dem Alltag der Flüchtlinge und ihrer Heimat größer als in den türkischen Flüchtlingslagern entlang der Grenze – zumindest geografisch. Syrerinnen und Syrer, die in den türkischen Städten leben, sind oft genug damit beschäftigt, mit ihrem neuen Leben zurechtzukommen und ausreichend Geld zu verdienen, um zu überleben. In den Städten ist die soziale Eingliederung besonders wichtig, um Spannungen zwischen Flüchtlingen und der Aufnahmegesellschaft zu vermeiden.

Gemalte, unbeschwerte Kindheit

In einem Gemeinschaftszentrum im Istanbuler Stadtteil Sultanbeyli, das auch von der Welthungerhilfe unterstützt wird, schaute ich mir vor Kurzem ein Theaterstück für türkische und syrische Kinder an. Das Zentrum am Stadtrand der Bosporusmetropole wird von unserer Partnerorganisation MÜLECİLER (etwa: Verein für Flüchtlinge und Asylsuchende – Unterstützung und Solidarität) geführt, die sich auch in einem temporären Bildungszentrum engagiert, das von der Stadtverwaltung Sultanbeyli betrieben wird. Die Mehrheit der syrischen Kinder, die das Bühnenstück gesehen haben, musste den Verlust von Familienmitgliedern ertragen wie auch Armut, Gewalt oder Diskriminierung. Bei der Theateraufführung hingegen können sie lachen und all das Elend vergessen, das sie erleiden mussten.

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Bei einem Rundgang durch das Bildungszentrum entdecke ich Bilder, die von Kindern im Gemeinschaftszentrum gemalt wurden und mit denen die Klassenräume dekoriert sind. Sie unterscheiden sich enorm von denjenigen, die ich im Flüchtlingslager nahe der syrischen Grenze gesehen habe, denn auf ihnen sind Blumen, Häuser, Familien und Kinder zu sehen, die zur Schule gehen. Bilder, die man auch von Kindern erwarten würde, die eine unbeschwerte Kindheit verbringen. ​

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