Gemüsegärten und solarbetriebene Bohrlöcher – mit der Welthungerhilfe durch Kenia

Journalist Philipp Brandstädter hat ein Team der Welthungerhilfe nach Kenia begleitet.
Journalist Philipp Brandstädter hat ein Team der Welthungerhilfe nach Kenia begleitet.

Es geht direkt los. Montag abends stehe ich noch am Flughafen in Nairobi und hoffe, dass der kenianische Zollbeamte nichts an meinem ausufernden Elektronik-Equipment auszusetzen hat (hat er nicht), Dienstagmittag stehe ich mit meiner Kamera schon tief im ländlichen Kajiado County. Eine Grundschule soll einen Gemüsegarten bekommen und heute wird der vertrocknete Boden von einem gespendeten Traktor umgepflügt.

Es hat sich rumgesprochen: Ein deutscher Journalist kommt mit dem örtlichen Team der Welthungerhilfe. Da will jeder ein Wörtchen mitreden.

Neben dem Schulleiter sind auch Eltern, Lehrer, der Chief der Gegend sowie ein Geistlicher aus der Region gekommen. Hände werden geschüttelt, Reden gehalten – und schon bin ich mittendrin.

Erdrückende Hitze und Wassermangel in Kenia

Sieben Wochen besuche ich in Kenia Projekte und berichte darüber für die Welthungerhilfe. Was bringen die Projekte? Wer profitiert? Läuft alles wie geplant? Wer hat eine Geschichte zu erzählen? Es ist auch für mich eine spannende und neue Aufgabe, fernab des deutschen Redaktionsalltags. Und schon in den ersten Projekten wird klar: Geschichten gibt es hier genug – sie müssen nur gefunden werden.

Im Laufe der ersten Woche fahren wir immer tiefer in die abgelegenen Gebiete Kajiados, einer Gegend im Südosten der Hauptstadt Nairobi. Das Land wird immer trockener, die Hitze ist erdrückend. Das führt bei mir nach zwei Tagen zu massivem Sonnenbrand, das ist ärgerlich, aber für die hier lebenden Massai bedeutet es ständigen Wassermangel. Natürlich habe ich mich informiert und weiß von den langen Wegen zur nächsten Wasserstelle – aber erst, als ich die erste Frau treffe, die mit ihren Eseln über Stunden zum nächsten Bohrloch wandert, fast ohne Schutz vor der Sonne, beginne ich wirklich zu verstehen, was knappes Wasser hier bedeutet.

Der Weg zum nächsten Bohrloch für Wasser ist lang. Diese Frau und ihr Esel haben einen stundenlangen Weg vor sich.

Der Weg zum nächsten Bohrloch für Wasser ist lang. Diese Frau und ihr Esel haben einen stundenlangen Weg vor sich.

Solarbetriebene Bohrlöcher für Massai

Es ist nicht immer einfach, sich neben den vielen neuen Eindrücken auf das Wesentliche zu konzentrieren: Die Projekte der Welthungerhilfe und ihren Einfluss auf das Leben der Menschen hier. Schon die ersten Tage draußen in den Projekten hinterlassen einen tollen Eindruck. Ich bin richtig erleichtert. Ich habe Politik studiert, war ein Jahr in Ghana und habe viele Projekte gesehen, die zielsicher an den Bedürfnissen vor Ort vorbeizielen oder ohne größere Wirkung verpuffen. Das ist hier anders. Das kenianische Team der Welthungerhilfe wirkt sehr kompetent und fokussiert. Sie arbeiten in den Projekten eng mit den Menschen vor Ort zusammen. Die Wirkung ist meistens unmittelbar zu sehen, wie bei den solarbetriebenen Bohrlöchern: Die Wege zum Wasser haben sich für die Massai deutlich verringert und im Gegensatz zu Handpumpen wird Kraft und Zeit gespart.

Von dem Welthungerhilfe-Büro in Kajiado geht es direkt weiter nach Makindu. Dort ist das größte regionale Büro in Kenia. Die Projekte in zwei Countys (vergleichbar mit unseren Bundesländern) werden von hier gesteuert. Shadrack Mutiso ist der Leiter – ein beeindruckender Charakter mit viel Erfahrung. Er hat zuvor schon für Worldvision gearbeitet und war für die Welthungerhilfe unter anderem im Südsudan im Einsatz. Am ersten Tag fährt fast das gesamte Team mit zum Projekt. Mich wundert das etwas, denn so viele Menschen stören bei meiner Arbeit eher.

Zusammen lachen, tanzen – und alle packen mit an!

Auf der Fahrt im Geländewagen wird viel gelacht, erzählt, telefoniert – egal, ob Trainee, Praktikant oder Field Officer, hier scheint jeder mit jedem gut zu können. Ich verstehe nicht alles, weil immer wieder zu Swahili gewechselt wird, aber die gute Stimmung bekomme ich auch so mit. Beim Projekt wird dann erstmal getanzt. Die Frauen der Gemeinschaft begrüßen uns mit einem traditionellen Tanz, danach gibt es wieder Reden. Und dann wird mir klar, warum fast das ganze Team mitgekommen ist. Hier müssen noch Gräben für Wasserleitungen ausgehoben werden und nach wenigen Minuten stehen alle Welthungerhilfe-Mitarbeiter mit den Dorfbewohnern im Feld und graben.

Wassergräben müssen ausgehoben werden - bald schon stehen die Welthungerhilfe-Mitarbeiter im Feld und graben.

Wassergräben müssen ausgehoben werden – bald schon stehen die Welthungerhilfe-Mitarbeiter im Feld und graben.

Das ist natürlich nicht immer so – normalerweise betreuen einzelne Mitarbeiter die Projekte, besuchen sie Woche für Woche, geben Tipps und kontrollieren, dass alles so vorangeht wie geplant. Es verdeutlicht aber die Einstellung, die ich in Makindu durchgehend erlebt habe.

Es ist nicht nur jeder ein Experte auf seinem Gebiet, es wird auch sehr eng und mit viel Elan zusammengearbeitet. Das spiegeln auch die Projekte hier wider.

Am Ende der Woche gibt es zum Abschied ein großes Barbecue im Büro in Makindu. Als Gast kommt mir die Ehre zu, die dafür vorgesehene Ziege zu schlachten. Gar nicht so einfach. Und das Ausnehmen überlasse ich dann doch lieber geübteren Händen. In dieser, wie in vielen anderen ungewohnten Situationen, springt mir hier dann immer Eugene zur Seite. Er arbeitet im Büro in Nairobi und ist verantwortlich für die PR in Kenia. Er begleitet mich während meiner Zeit in Kenia. Und die hat gerade erst begonnen.

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