„Hier gibt es nichts mehr“: Hilfe für die Krisenregion Karamoja

Im Dorf Narisae in der ugandischen Region Karamoja bestimmen Hunger und Armut den Alltag. Die Welthungerhilfe unterstützt die Menschen vor Ort – nach dem Prinzip Hilfe zur Selbsthilfe.
Im Dorf Narisae in der ugandischen Region Karamoja bestimmen Hunger und Armut den Alltag. Die Welthungerhilfe unterstützt die Menschen vor Ort – nach dem Prinzip Hilfe zur Selbsthilfe.

Eigentlich sollte es regnen. El Niño hat im November vielversprechend angefangen, doch nun bleibt der Regen aus. Starker, warmer Wind treibt Unmengen Sand vor sich her. Die erhoffte Ernte ist zerstört. Bereits 2014 und 2015 kam es in weiten Teilen der halbtrockenen Region Karamoja in Uganda zu kompletten Ernteausfällen. Bis zur nächsten Ernte im September/Oktober 2016 ist es noch lang, und ob es etwas zum Ernten geben wird, ist ungewiss. Die Situation ist vergleichbar mit der in Ländern wie Äthiopien und Simbabwe.

„Hier gibt es keine Hoffnung mehr“

Im kleinen Dorf Narisae in Karamoja treffe ich Maria. Sie lebt zusammen mit ihrem Mann und sechs Kindern in einer kleinen Hütte mitten im Nirgendwo. Wasser bekommen sie hauptsächlich aus einem Brunnen aus der Kolonialzeit, der nur für eine Stunde am Tag Wasser hat, und aus Löchern, die sie in der Nähe einer unterirdischen Quelle graben. Kaum ein Tier ist zu sehen. Nirgends ein Feld bestellt. Als ich beginne, ihr einige Fragen zu stellen, fließt es in einem Schwall aus ihrem versteinerten Gesicht heraus.

„Hier gibt es nichts mehr. Kein Wasser, keine Nahrung, keine Tiere. Mit Feuerholz kann ich manchmal 2.000 Ugandische Shilling (0,54 Cent) am Tag verdienen. Damit kann ich etwas Maismehl kaufen. Mit ein wenig Wasser koche ich es, bis es schnittfest wird. Dann essen wir noch ‚greens‘.“ Sie deutet auf einen Baum. „Einer von uns klettert rauf und pflückt die Blätter.“

Ich bemühe mich wirklich, meine Kinder zu ernähren, aber ohne Ernte und ohne Vieh…“ Sie schüttelt den Kopf. Ich frage sie, welche Hoffnungen sie hat. Maria ist für eine Weile still, dann sagt mit abgewandtem Gesicht: „Hier gibt es keine Hoffnung mehr.

Wasserquelle in Narisae, Karamoja.

Wasser bekommt Marias Familie hauptsächlich aus einem Brunnen aus der Kolonialzeit, der nur für eine Stunde am Tag Wasser spendet, und aus Löchern, die sie in der Nähe einer unterirdischen Quelle graben.

Konflikte haben großen Hunger nach Uganda gebracht

Die Bevölkerung Karamojas – Halbnomaden – überlebt in dieser schwierigen Umgebung normalerweise durch Vieh- und Subsistenzlandwirtschaft. Doch Karamoja befindet sich in einer post-konflikt Situation. Durch die jahrzehntelangen bewaffneten Auseinandersetzungen hat der Viehbestand stark abgenommen. Der Klimawandel und die daraus resultierenden geringen Niederschläge haben katastrophale Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Keine Tiere, keine Ernte – der Hunger ist groß.

Bereits im letzten Jahr wurden 25% aller Kleinkinder in fünf Gebieten von Zentral- und Südkaramoja als mangelernährt eingestuft. Die Lage ist ernst, beinahe kritisch.

Mit Ziegen Armut und Hunger bekämpfen

Wir, die Welthungerhilfe, beschließen in Narisae auf Grund der prekären Lage die Notfallmaßnahme „Ziege gegen Arbeit“ zu beginnen. Für 16 Tage arbeiten 20 Frauen im Team zusammen. Insgesamt werden 16 Gruppen arbeiten. Es gibt einen Koch und eine Person, die auf die Kinder von bis zu fünf Jahren aufpasst, denn nicht nur die Frauen bekommen während der 16 Tage etwas zu essen, sondern auch ihre Kinder.

Ackerland wird erschlossen, damit zukünftig wieder selbst angebaut werden kann. Wenn die Arbeit beendet ist, erhält jede Frau zusätzlich noch eine Ziege. Bereits 2014 hat sich gezeigt, dass schon Tagelohnmaßnahmen von drei Wochen zu einer Linderung der Notlage führen. Kurzzeitbeschäftigung erlaubt zudem, eine maximale Zahl von Personen teilhaben zu lassen.

Maria ist mit zwei mangelernährten Kindern natürlich Teil unseres Programms. Ich treffe sie einige Tage vor Beginn der Maßnahme im Vorhof einer Klinik, etwa zehn Kilometer vom Dorf Narisae entfernt. Sie strahlt. Maria hat uns mit den Mitgliedern ihrer Gemeinschaft in Kontakt gebracht und aktiv Vorschläge gemacht, was von den Frauen im Dorf geleistet werden kann und was den Bewohnern in Narisae am meisten nutzen wird. „Ich bin nur zur Klinik gelaufen, um Nahrung für meine beiden Kinder zu bekommen. Am Montag fange ich mit der Arbeit an.“

Sie will meine Hand gar nicht mehr loslassen. „Ich freu‘ mich so“, sagt sie strahlend. Auch ich freue mich und strahle mit Maria um die Wette.

Bewerten Sie diesen Artikel: 1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne 1 Bewertungen, durchschnittlich: 5,00 von 5
Loading...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.



Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir Ihren Kommentar erst prüfen, bevor dieser auf der Webseite erscheint. Weitere Informationen finden Sie in unserer Blog-Netiquette.