Historisches Klimaschutzabkommen in Paris verabschiedet

Abschlusszeremonie auf der Klimakonferenz in Paris mit Christiana Figueres, Ban Ki-moon, Laurent Fabius und François Hollande. Credit: UN Photo/ Mark Garten
Abschlusszeremonie auf der Klimakonferenz in Paris mit Christiana Figueres, Ban Ki-moon, Laurent Fabius und François Hollande. Credit: UN Photo/ Mark Garten

Das Ziel ist ambitioniert.

Auf weniger als zwei Grad Celsius soll die Erderwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts begrenzt werden. Doch der Weg dahin ist nicht wirklich klar. Und ob die Armen davon profitieren, wird erst die Umsetzung dieses Abkommen zeigen. Markiert Paris den Anfang einer guten Entwicklung?

Tatsächlich war es am Ende sehr emotional. Tränen flossen, die Anspannung bei Delegierten und Beobachtern wich sichtlich großer Erleichterung. Mit diesem durchaus überraschenden Ergebnis haben dann viele eher nicht gerechnet.

Denn ob in Kyoto, Bali, Cancún oder Durban, oft sah es überhaupt nicht danach aus, als ob diese Staatengruppe sich jemals wird einigen können. Nach dem 1992 auf der Nachhaltigkeitskonferenz in Rio die UN-Klimarahmenkonvention ins Leben gerufen wurde, verhandelten die mittlerweile 196 Mitgliedstaaten 23 Jahre lang um dieses Abkommen.

Damals sah die Welt noch anders aus, es gab die Verhandlungsgruppen der Entwicklungs- und Industrieländer, von erneuerbaren Energien redete kaum jemand. Inzwischen hat sich zu den Gruppen der Länder noch die der Schwellenländer dazugesellt, vor allem China und Indien verdanken ihr Wirtschaftswachstum dem übermäßigen Verbrauch von Kohle. Und auch die Erneuerbaren sind gegenüber fossilen Energieträgern oder der Atomkraft längst konkurrenzfähig geworden.

Die aus der Nutzung fossiler Energien erfolgte Erderwärmung von bereits einem Grad Celsius und die hemmungslose Nutzung natürlicher Ressourcen haben unserem Planeten arg zugesetzt.

Vor allem die Armen und marginalisierten Bevölkerungsgruppen leiden am meisten unter dem Klimawandel, und das konnte man in Paris hautnah erleben. Es waren dort:

  • Indigene Vertreter aus Brasilien, deren Lebensraum Wald einfach weggeholzt wird,
  • Eskimos aus dem Norden Alaskas, denen der Boden wegschmilzt und die Jagdgründe abhandenkommen,
  • Insel- und Küstenbewohner, die sich umsiedeln lassen müssen, weil sie vom Anstieg des Meeresspiegels bedroht sind,
  • Peruaner, die nach dem Abschmelzen der Andengletscher nicht mehr wissen, woher das Wasser für Energie und Landwirtschaft herkommen soll.

Klimakonferenz in Paris: Es war mehr als nur eine Konfrontation mit der Wirklichkeit, es war ein Aufschrei

Es war mehr als nur eine Konfrontation mit der Wirklichkeit, es war ein Aufschrei, eine Aufforderung an die Verursacher, an die großen Treibhausgasemittenten, endlich umzusteuern und die Welt auf einen anderen Entwicklungspfad zu bringen.

Die Gruppe der kleinen Inselstaaten aus Südsee und Karibik hat es geschafft, die Wut und Verzweiflung in politisches Kapital zu verwandeln.

Tony de Brum, der Außenminister der Marshall-Inseln, die bereits schon jetzt vom Anstieg des Meeresspiegel betroffen sind, sprach von „fossil fuels“ und „fossil fools“ und meinte damit die Blockierer in Paris, die fast ausschließlich vom Ölexport leben.

Er war es, der die Koalition der ambitionierten Staaten auf den Weg brachte.

Koalition der ambitionierten Staaten hat für enormen Druck gesorgt

Neben den Entwicklungsländern stießen die USA, die EU aber auch Kanada, Brasilien und andere ehemalige Hardliner zu dieser Koalition dazu. Dieser Initiative ist es zu verdanken, dass in dem Vertrag nicht mehr von zwei, sondern 1,5 Grad Celsius Erderwärmung die Rede ist – für die Inselstaaten eine Überlebensfrage.

 

Die Frage ist nur, wie dieses Ziel erreicht werden soll.

Der Begriff Dekarbonisierung, also eine vollständige Abkehr von Kohle, Öl und Gas, kommt in dem Vertrag nicht vor.

Stattdessen einigte man sich darauf, dass ab 2050 nicht mehr Treibhausgase ausgestoßen werden dürfen als von der Natur absorbiert werden können. Damit konnten denn auch China, Indien und Saudi Arabien leben.

Treffend sprach Laurance Tubiana, französische Verhandlungsleiterin aus: „Climate change is about ecosystems. Climate change negotiations are about ego-systems.“

Paris steht durchaus – nicht zuletzt wegen des diplomatischen Fingerspitzengefühls des französischen Außenministers Laurent Fabius – für ein historisches Abkommen.

Aber die eigentliche Arbeit fängt jetzt erst an.

wird die Umsetzung zeigen.

Die Zivilgesellschaft weltweit, die konstruktiv und kritisch den Prozess begleitet hat, wird sich nicht von dem Erfolg in Paris blenden lassen, sondern ab sofort auf seine Umsetzung pochen.

Für Deutschland heißt das: Ausstieg aus der Kohle und zwar sofort.

Zur Pressemitteilung der Welthungerhilfe (13.12.2015): Klimaabkommen von Paris ist historischer Schritt – Die vom Klimawandel betroffenen Länder brauchen Hilfe

Bewerten Sie diesen Artikel: 1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne 6 Bewertungen, durchschnittlich: 4,33 von 5
Loading...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.



Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir Ihren Kommentar erst prüfen, bevor dieser auf der Webseite erscheint. Weitere Informationen finden Sie in unserer Blog-Netiquette.