„Hunger wird bewusst als Waffe eingesetzt“

Im Jemen sind 20,7 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. © ACTED
Im Jemen sind 20,7 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. © ACTED

Was sich zurzeit im Jemen abspielt, ist beispiellos. Seit Jahren ist das Land Schauplatz eines brutalen Stellvertreterkrieges zwischen dem Nachbarland Saudi-Arabien und dem Iran. Die Menschen leiden unter den katastrophalen Folgen des bewaffneten Konflikts, der einen Großteil der Infrastruktur im Land zerstört und die Grundversorgung an den Rand des Zusammenbruchs gebracht hat. 20,7 Millionen Menschen sind auf Hilfe angewiesen, sieben Millionen Menschen sind von einer Hungersnot bedroht. Eine dreiwöchige Blockade im November 2017 von Flughafen und Häfen hat die dramatische Lage der Menschen noch verschlimmert, weil keine Hilfe ins Land gelangte.

Preise für Benzin und Nahrungsmittel explodieren

Schon vor der Blockade drohte in Jemen die größte Hungersnot der Welt. Seitdem hat sich die Situation verschärft, denn: Seit Beginn des Krieges müssen ca. 90% der Nahrungsmittel per Schiff über die Häfen importiert werden. „Die meisten der 22 Regionen Jemens sind in den kommenden Tagen von Hungersnöten bedroht, es gibt fast keine Ausnahmen“, sagt Liny Suharlim, Mitarbeiterin unserer Partnerorganisation ACTED.

Auch Treibstoffvorräte gehen zur Neige, was die Preise für Benzin und Diesel explosionsartig in die Höhe steigen lässt. Fehlender Treibstoff behindert wiederum den Transport von Trinkwasser und lässt Preise der knappen Nahrungsmittel in die Höhe schießen. Gesundheitseinrichtungen können ihre Generatoren nicht mehr betreiben, die benötigt werden um wichtige Medikamente zu kühlen und Kliniken mit Strom zu versorgen.

Die für die Menschen lebensnotwendigen hilfsgüter konnten sie drei Wochen lang nicht erreichen. © ACTED

Die für die Menschen lebensnotwendigen hilfsgüter konnten sie drei Wochen lang nicht erreichen. © ACTED

Die dringend benötigte humanitäre Hilfe konnte drei Wochen lang bei den Menschen nicht ankommen. Vor allem Kinder leiden unter der Unterernährung.

„Hunger wird von den Bürgerkriegsparteien bewusst als Waffe eingesetzt. 150.000 Kinder drohen zu sterben, wenn die Blockade nicht umgehend aufgehoben wird“,

sagt Welthungerhilfe-Präsidentin Bärbel Dieckmann.

Kein Geld, um Hungersnot abzuwenden

Inzwischen sind einige Häfen und Flughafen zumindest für internationale Hilfsgüter wieder geöffnet, erste Nahrungsmittel und Medikamente haben die Menschen erreicht. Weil die Reserven erschöpft sind und kommerzielle Importe noch nicht erlaubt werden, sind die Menschen daher abhängig von der Nahrung, die die UN und Hilfsorganisationen bereitstellen.

Aber auch deren Reserven schwinden: Bisher steht erst die Hälfte der Summe bereit, die für das Abwenden einer Hungersnot nötig sind. Es muss dringend mehr Hilfe ankommen, sonst droht den Menschen im Jemen die größte Hungersnot, die die Welt seit Jahrzehnten erlebt hat.

Die Welthungerhilfe unterstützt gemeinsam mit dem Alliance2015-Bündnispartner ACTED die Betroffenen mit Bargeld im Rahmen eines Cash Transfer-Programms. Bargeldleistungen wirken häufig effektiver und nachhaltiger als die Vergabe von Sachmitteln: Sie lassen sich schnell und flexibel bereitstellen und die Betroffenen können ihre Grundbedürfnisse individuell decken. So wird ihnen auch in Notsituationen Flexibilität und Entscheidungsfreiheit gewährleistet.

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