Im Norden Sri Lankas ertrinkt die Hoffnung im Regen

Wieder müssen viele Menschen im Norden Sri Lankas ihre Häuser und Felder verlassen und Schutz suchen.
Wieder müssen viele Menschen im Norden Sri Lankas ihre Häuser und Felder verlassen und Schutz suchen.

Liebe Leserinnen und Leser,

Das Schicksal meint es nicht gut mit den Menschen im Norden Sri Lankas. Nach 26 Jahren Bürgerkrieg und Flucht konnten die Überlebenden im letzten Jahr endlich in ihre Dörfer zurückkehren. Viel Mut brauchte es dazu und einen starken Willen, wieder aufzubauen, was zerstört wurde. Sie haben zusammen gehalten, gemeinsam neue Häuser errichtet, alte Brunnen repariert, Schulen und Straßen gebaut und auf den Feldern, die viele Jahre brach lagen, neu ausgesät. Jetzt sollte die Arbeit Früchte tragen, zum ersten Mal sollte wieder geerntet werden. Doch die Felder sind überschwemmt, die Erträge sind in vielen Gegenden durch den starken Regen zerstört, der seit Dezember Dörfer, Straßen und Äcker unter Wasser setzt.

Gestern bin ich wieder zurück nach Vavuniya, in den Nordwesten des Landes, gefahren. Ich habe Familien südlich von Vavuniya besucht, die wir gemeinsam mit unserer srilankischen Partnerorganisation Sewalanka seit vielen Jahren unterstützen. Die Sandwege sind schlammig und mit Schlaglöchern übersät. Die Felder, die jetzt eigentlich grün und gelb leuchten sollten, liegen brach. In diesem Jahr wird es für viele Familien keine Ernte geben – und damit haben die Menschen nicht nur ihre Einkommensquelle verloren. Die meisten leben auch selbst von dem Reis und dem Gemüse, das sie hier anbauen.

In den Dörfern treffe ich auf völlig verzweifelte und resignierte Menschen. Viele hat der Mut verlassen und sie wissen nicht mehr, wie es weitergehen soll. Ihre Lehmhäuser sind zusammengebrochen oder sie stehen unter Wasser, weil die Dächer dem Regen nicht standhalten konnten. Die Bewohner müssen in höher gelegene Schulen, Hospitäler oder Gemeindezentren mit festem Betonboden fliehen. Wieder einmal müssen sie alles, was sie nicht tragen können, zurücklassen.

Selbst wenn das Wasser aus den Häusern abgeflossen ist, können sie auf den nassen Böden nicht ihre Schlafmatten ausbreiten, mit dem nassen Feuerholz kein Essen zubereiten oder Wasser abkochen. Die Brunnen sind verunreinigt und die Gefahr von Krankheiten wächst. Auch die Nahrung wird knapp: Durch die Missernte sind Lebensmittel jetzt schon deutlich teurer geworden. Und die Nahrungsmittelhilfe der Regierung erreicht die Betroffenen nicht immer.

Unser Partner Sewalanka berichtet, dass sich immer mehr Menschen in ihrer Verzweiflung direkt an sie wenden und sie um Hilfe bitten. Keiner hat mit einer Katastrophe von solchem Ausmaß gerechnet. Dementsprechend ist auch die Hilfsbereitschaft hier sehr groß. Die Glücklichen, die noch in trockenen Häusern leben, nehmen ihre Nachbarn auf. Und viele Menschen spenden privat, damit die Katastrophenopfer mit dem Nötigsten versorgt werden.

Auch wir werden die Familien, die wir schon seit langem unterstützen, in ihrer Not nicht im Stich lassen. Wir werden sie mit Nahrung, Planen und Hygieneartikeln versorgen. Das ist das Nötigste, damit sie essen und im Trockenen schlafen können und vor Krankheiten geschützt sind.

Bitte helfen auch Sie uns, die Menschen in Vavuniya und Mannar zu unterstützen. Sie können ein bisschen Glück gebrauchen.

Aus dem Norden Sri Lankas grüßt sie herzlich
Andrea D.

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1 Kommentar

  • David Loony sagt:

    Welch traurige Geschichte. Und die Grube zwischen arm und reich wird immer größer.die Politiker sollten viel mehr unternehmen.

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