Im Nothilfe-Einsatz in Pakistan: Ankunft in Islamabad und Vorbereitung der Hilfslieferungen

Im August 2010 zerstört eine Flut Leben, Hab und Gut in Pakistan. © Grossmann

Liebe Leserinnen und Leser,

vor drei Tagen bin  ich am frühen Morgen in Pakistans Hauptstadt Islamabad angekommen. Als Mitarbeiter des Nothilfe-Teams der Welthungerhilfe werde ich hier in den kommenden Wochen die Nothilfe für die Flutopfer unterstützen. Seit meiner Ankunft bin ich ununterbrochen beschäftigt. Mein Arbeitstag beginnt um sieben Uhr morgens und endet erst gegen Mitternacht. Obwohl ich völlig erschlagen ins Bett falle, kann ich nur schwer einschlafen. In  Gedanken verarbeite ich den vergangen Tag, die Eindrücke und Erlebnisse. Seit vielen Jahren fahre ich für die Welthungerhilfe in Katastrophengebiete. Mit der Zeit gewöhnt man sich an den Anblick von Leid, man schafft sich einen inneren Schutz gegen das Elend, damit man nicht verzweifelt. Doch das Schicksal einzelner Menschen und die Verzweiflung der Betroffenen berühren einen doch immer wieder von Neuem.

Aber für Gefühle bleibt wenig Zeit, denn es gibt viel zu tun. Wir organisieren die Verteilungen der Hilfsgüter, in erster Linie Nahrungsmittel, und müssen dabei zahlreiche logistische Probleme lösen. Planungsgespräche und das Beschaffen von aktuellen Informationen nehmen viel Zeit in Anspruch. Und auch die Medien, die mittlerweile zahlreich vor Ort sind, wollen über den Erfolg der Nothilfe informiert werden. So muss ich nachts mit drei oder vier Stunden Schlaf auskommen. Die Welthungerhilfe hat zwar in Pakistan kein eigenes Büro und Personal mehr, aber durch die enge Zusammenarbeit mit unseren europäischen und pakistanischen Partnern wie CESVI und Concern können wir den Flutopfern trotzdem helfen. Unsere langjährige Kooperation zahlt sich aus: Wir können aktiv werden und dabei Kosten und unnötigen Aufwand vermeiden.

Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung nimmt zu, seit Tagen gibt es in weiten Teilen des Flutgebietes keinen Strom. Über 722.000 Häuser sind zerstört worden und manche Dörfer stehen immer noch unter Wasser. Die Zahlen der Toten, Verletzten und Erkrankten steigen täglich. Nur schleppend erreicht die Bedürftigen Hilfe , da es weiterhin regnet und Brücken und Straßen beschädigt oder komplett zerstört sind. In unserem Einsatzgebiet im Norden kommen auch noch Erdrutsche hinzu die zum Teil kilometerweit die Straßen zu entlegenen Regionen blockieren.

Da es an Helikoptern mangelt und wir sonst keine Möglichkeit haben, Hilfsgüter in die stark betroffenen Regionen Shangla und Batagram zu transportieren, müssen wir erste einmal  Räumgeräte organisieren. So können wir zumindest einen befahrbaren Korridor für Hilfslieferungen schaffen. Wegen dem anhaltenden Regen ist allerdings mit weiteren Erdrutschen zu rechnen. Das heißt,  dass es ein einmaliger Räumeinsatz nicht ausreichen wird um die Bevölkerung im abgeschnittenen Norden zu erreichen.

Für heute haben wir eine Nahrungsmittelverteilung in Nowshera etwa zweieinhalb westlich von Islamabad geplant. Leider warten wir noch auf das „go ahead“ der Polizei, die uns zu unserer Sicherheit und aus organisatorischen Gründen Sicherheitskräfte bereitstellt. Das ist wichtig, denn bei  größeren Ansammlungen von Menschen kann es eben leicht zu Massenpanik oder einem Ansturm auf die Hilfsgüter kommen. Und was dann passieren kann haben wir Deutschen ja jüngst bei der Love Parade erfahren können.

Gerade kam die Nachricht, dass es jetzt  losgehen kann. Ich melde mich bald und berichte Ihnen, wie die Nahrungsmittelverteilungen verlaufen sind.

Viele Grüße
Ihr Jürgen Mika

P.S.: Wenn Sie unsere Nothilfe in Pakistan unterstützen möchten, freuen wir uns sehr. Die Menschen werden es Ihnen danken. Klicken Sie einfach auf das Spendenformular.

Bewerten Sie diesen Artikel: 1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Bisher keine Bewertungen)
Loading...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.



Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir Ihren Kommentar erst prüfen, bevor dieser auf der Webseite erscheint. Weitere Informationen finden Sie in unserer Blog-Netiquette.