Irak: Wiederaufbau macht der Bevölkerung Mut

In der Nähe von Dohuk wird eine Schule wieder aufgebaut.
In der Nähe von Dohuk wird eine Schule wieder aufgebaut.

Es vergeht kein Tag an dem die Medien nicht von den Gräueltaten des sogenannten Islamischen Staates berichten. Gerade im Irak sind nach wie vor einige Landesteile sowie die zweitgrößte Stadt des Landes, Mossul, vom IS besetzt. Eine Allianz verschiedener Kampfverbände versucht seit knapp einem halbem Jahr, die Stadt zurück zu erobern. Keiner kann zurzeit abschätzen, wie lange die Kämpfe noch andauern werden und wann Mossul endlich befreit sein wird. 

Im Gouvernerat Ninewa nordwestlich von Mossul gelegen ist dies 2015 gelungen. Nach den schrecklichen Ereignissen im Jahr 2014 im Sinjargebirge – tausende verzweifelte Menschen der Volksgruppe der Jesiden waren hierher geflohen – ist dieses Gebiet bekannt geworden.  Viele Menschen sind bei den Kämpfen ums Leben gekommen. Viele wurden vertrieben, sind heute traumatisiert und leben in Lagern in und um die Großstadt Dohuk im Norden des Kurdischen Autonomiegebietes des Iraks. Einige wenige sind zurückgekehrt. Meine Reise führt mich von Dohuk über Rabiaa nach Sinuni.

Dringend benötigte soziale und ökonomische Impulse

Wir werden immer wieder von den Soldaten der kurdischen Peschmerga an den zahllosen Checkpoints angehalten. Reisegenehmigungen und Pässe werden kontrolliert. Die Sicherheitslage ist in diesem Gebiet auch nach der Befreiung angespannt. Die Frontlinie zu den von der IS gehaltenen Gebieten ist nur wenige Kilometer entfernt, die syrische Grenze in Sichtweite. In Rabiaa werden wir vom Bürgermeister und einer Abordnung lokaler Würdenträger begrüßt. Die Freude ist groß, denn durch ein kürzlich gestartetes Projekt können junge Menschen eine zeitweilige Beschäftigung finden, indem zerstörte kommunale Infrastruktur wieder hergerichtet wird.

Ein Ort, wo Kinder wieder spielen können: die Stadt Sinuni wird nach der Besatzung durch den IS wieder aufgebaut.

Ein Ort, wo Kinder wieder spielen können: die Stadt Sinuni wird nach der Besatzung durch den IS wieder aufgebaut.

In einer Region, die derart vom Krieg gezeichnet ist, braucht es dringend diese sozialen und ökonomischen Impulse. Konkret heißt das: die Gemeinde macht Vorschläge welche Bau- und Aufräumprojekte angegangen werden sollen und wer diese Arbeiten durchführt. Kleinere Bautrupps setzen so Straßen instand, Parks, Schulen und andere Einrichtungen werden wieder hergerichtet und nutzbar gemacht. Die Mitarbeiter der Welthungerhilfe sind vor Ort und beurteilen gemeinsam mit der Verwaltung die Machbarkeit der Vorschläge und begleiten mit technischer Expertise deren Durchführung. 

Parks als Orte der Begegung

Es sind kleine Projekte, die jedoch für einige Monate ein kleines Einkommen garantieren. In dieser Region ist das so verdiente Geld von unschätzbarem Wert, um die eigene Existenz wieder aufzubauen. Der desolate Zustand der Städte und Dörfer verbessert sich dadurch zusehends. Wir fragen den Bürgermeister, warum gerade die Parks so wichtig sind, und ob es nicht andere Prioritäten gäbe. Es gibt viele Prioritäten und natürlich müssen vor allem die privaten Häuser, Schulen und Krankenhäuser wieder aufgebaut werden. Trotzdem bieten die wiederhergestellten Grünflächen einen öffentlichen Raum, in dem Begegnung stattfindet, in dem Kinder spielen können und Familien wieder zueinander finden. Die Bevölkerung ist jedenfalls sehr stolz auf die Parks mit den bunten Bänken und Spielgeräten. Natürlich wird der Aufbau noch viel Zeit in Anspruch nehmen, ein Anfang ist aber gemacht. Die lange Projektliste des Bürgermeisters von Rabiaa zeigt ein großes Engagement für diesen Ort und ist deutliches Zeichen eines Neuanfangs.

We want international forces - mit Grafftis ruft die Bevölkerung im Irak um Hilfe.

We want international forces – mit Grafftis ruft die Bevölkerung im Irak um Hilfe.

Die Welthungerhilfe wird diese Art von Aufbauarbeit mit Beschäftigungseffekt in zahlreichen Dörfern und kleinen Städten nördlich des Sinjargebirges durchführen. Der Wiederaufbau von Schulen oder der Wasserversorgung wird zusammen mit Firmen angegangen, wobei auch hier versucht wird, die lokale Bevölkerung einzubeziehen und für die Arbeiten zu entlohnen. Insgesamt sollen damit die Wirtschaftskreisläufe in diesem Gebiet angekurbelt werden. In der Theorie klingt das sehr gut, in der Praxis sind dabei viele Hindernisse zu nehmen. Auf Grund der schwierigen Sicherheitssituation muss das Baumaterial von weit entfernt angeliefert werden und dabei zahlreiche Genehmigungsprozesse durchlaufen. Das verlangsamt und erschwert die Durchführung des Projektes ganz erheblich.

In Sinuni herrscht rund ein Jahr nach der Befreiung wieder emsiges Leben in der Stadt. Auch wenn nur ein kleiner Teil der ursprünglichen Bevölkerung wieder zurückgekehrt ist und nach wie vor viele Häuser leer stehen, haben wieder zahlreiche Geschäfte und Marktstände geöffnet und bieten ihre Waren an. Es wird allerdings noch einige Zeit brauchen, bis sich die vielen vertrieben Menschen wieder zurück in ihre Heimat aufmachen. Die momentane Ruhe in der Region ist recht brüchig und das Vertrauen in sie nicht groß.

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