G7: Jetzt handeln, nicht später!

Die Dürre in Äthiopien verlangt nach langfristigen Lösungen.
Die Dürre in Äthiopien verlangt nach langfristigen Lösungen.

Aufforderung an die G7-Staaten, in langfristige Lösungen zu investieren, um Hunger und Mangelernährung zu bekämpfen

Direkter Presse-Kontakt zu Welthungerhilfe-Kolleginnen auf dem G7-Gipfel
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In Teilen von Nigeria, Äthiopien, Jemen, Somalia und des Südsudan sind aktuell 20 Millionen Menschen vom Hungertod bedroht. Weltweit leiden zwei Milliarden Menschen unter Mangelernährung in all ihren Formen und 800 Millionen Menschen unter Ernährungsunsicherheit. Um das Ziel „Null Hunger bis 2030“ zu erreichen, müssen die Industrieländer jetzt handeln! Der G7-Gipfel in Taormina in Sizilien ist für diese Länder die richtige Plattform, um voranzugehen und eine Führungsrolle zu übernehmen.

Bei dem Gipfel 2015 in Elmau in Deutschland haben sich die sieben führenden Wirtschaftsnationen der Welt (Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, UK, die USA und mit Beobachterstatus: die Europäische Union) verpflichtet, 500 Millionen Menschen bis 2030 von Hunger und Mangelernährung zu befreien. Diese sieben Staaten erwirtschaften zusammen über die Hälfte der globalen Wertschöpfung. Aufgrund ihrer außerordentlichen Macht und Einflussmöglichkeiten tragen sie die größte Verantwortung für das Erreichen der 2015 festgelegten UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung. Die G7 ist ein Dialogforum auf höchster Ebene, bei dem Staats- und Regierungschefs wichtige internationale Fragen diskutieren.

In diesem Jahr wird der Gipfel von der italienischen Regierung ausgerichtet. Wie sie bereits im Vorfeld angekündigt hat, soll dem Thema Ernährungssicherheit höchste Priorität eingeräumt werden. Ziel ist es, die Einhaltung der Versprechen voranzubringen, die vor zwei Jahren in Elmau gegeben wurden.

The 17 UN Sustainable Development Goals set in 2015.

Die 17 UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung, die 2015 festgelegt wurden.

Kurzfristige Lösungen kosten Menschenleben

Niemand bestreitet, dass Fortschritte gemacht wurden, jedoch ist offensichtlich, dass noch deutlich mehr getan werden muss: Laut dem Welthungerindex 2016 ist das Ausmaß des Hungers in sieben Ländern sehr ernst. Aufgrund der ungenügenden Datenlage konnte für 13 Länder kein WHI 2016 ermittelt werden. Es lässt sich aber mit Sicherheit sagen, dass die Situation in mindestens zehn dieser Länder Anlass zu größter Sorge gibt.

Die schockierenden Bilder und Berichte, die uns in den vergangenen Monaten aus Afrika erreicht haben, offenbaren eine noch nie dagewesene Krise, die dringend nach einem neuen Ansatz verlangt. Das Fehlen von strategischen langfristigen Investitionen in Ernährungssicherheit und Ernährung hat zu einer permanenten Krise geführt.  Die Menschen können sich kaum von einer Krise erholen, ehe sie von der nächsten getroffen werden. Auf diese Weise entsteht ein Teufelskreis, aus dem kein Entkommen möglich scheint. Es ist ein moralischer  Imperativ, dass nachhaltige Lösungen den kurzfristigen Nothilfemaßnahmen vorzuziehen sind, oder anders gesagt: Jetzt ist der Zeitpunkt für eine umfassende Lösung. Es braucht Investitionen in langfristige Lösungen zur Bekämpfung der Ursachen von Nahrungskrisen, damit diese sich nicht zu Katastrophen entwickeln. Dadurch wird auch der Bedarf an kostspieligen humanitären Einsätzen reduziert.

Infografik Hunger

Hunger weltweit: Experten unterscheiden zwischen akutem und chronischem Hunger

Die G7-Staaten haben schon lange vor Elmau die Verbesserung der Ernährungssituation von Kleinbauern und -bäuerinnen im ländlichen Raum und der Ärmsten der Armen zu einer ihrer Prioritäten erklärt. Es ist höchste Zeit, aus einem formalen Bekenntnis eine politische Verpflichtung zu machen und zu konkreten Taten zu schreiten. Wenn wir Millionen von Kindern helfen wollen zu überleben und ihr Potenzial voll zu entfalten, gibt es nur einen Weg: Neue Mittel in die Ernährungssicherung zu investieren und umfassendere Anstrengungen zu unternehmen, um die Widerstandsfähigkeit zu erhöhen. Klar ist, dass hierbei die größte Verantwortung bei den Regierungen der betroffenen Länder liegt. Diese Tatsache und die schwierige aktuelle geopolitische Lage dürfen der G7 jedoch nicht als Vorwand dienen, keine Verpflichtungen einzugehen, um diese akuten und anhaltenden Notsituationen zu bewältigen.

Untätigkeit können wir uns nicht leisten

Seit Monaten wird über den Start der Taormina-Initiative diskutiert. Die Taormina-Initiative soll ein Instrument für die Staaten sein, um Mittel für die Erreichung des 2015 in Elmau festgelegten Ziels offiziell zu binden. Sie soll außerdem als Werkzeug dienen, einen wesentlichen Beitrag zur Verwirklichung der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG) bis 2030 zu leisten. Im Fokus steht hier insbesondere das SDG-Ziel Nummer 2: Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen und daher nachhaltige Landwirtschaft fördern. Es ist unklar, ob die Taormina-Initiative gestartet wird, doch Untätigkeit können wir uns nicht leisten. Millionen Menschen weltweit sind in einer Lage, die es nicht erlaubt, ihnen ein weiteres Mal zu sagen, es werde etwas geschehen, es werde sich etwas ändern, jemand werde ihnen helfen.

Wir, als Mitglieder einer Gruppe engagierter internationaler zivilgesellschaftlicher Organisationen, die in den Bereichen Entwicklung, Nachhaltigkeit und Menschenrechte arbeiten, fordern die G7-Staaten nachdrücklich auf, ihre Versprechen zu halten und ihren Worten Taten folgen zu lassen. Legen Sie eindeutige Schritte fest, wie das Ziel von Elmau erreicht werden soll und wie die aktuellen öffentlichen Entwicklungsgelder für Ernährungssicherung, Rechte von Kleinbauern und -bäuerinnen, Einkommensmöglichkeiten im ländlichen Raum und integrierte nachhaltige Landwirtschaftssysteme erhöht werden können.

Versprechen jetzt einhalten

Wir fordern Sie auf, ihren Beitrag zur Entwicklung nachhaltiger politischer Lösungen für die Ursachen von Hunger zu leisten – dazu zählen wir Konflikte, schlechte Regierungsführung, Ungleichheiten und Vulnerabilität gegenüber dem Klimawandel. Investieren Sie in längerfristige Lösungen zur Verbesserung der Widerstandsfähigkeit, der Ernährungssicherheit und der Ernährung. In diesem Jahr müssen Sie in Taormina endlich das Budget bereitstellen, um die Versprechen einzulösen, die Sie bei den letzten beiden G7-Gipfeln gemacht haben.

800 Millionen Menschen gehen jeden Abend hungrig zu Bett. Zwei Milliarden leiden unter Mangelernährung – diese Menschen sind davon abhängig, dass Sie jetzt handeln, nicht später. Nehmen Sie die Herausforderung an und beweisen Sie dem Rest der Welt am 26. und 27. Mai in Taormina, dass die G7 die Macht hat und gewillt ist, bis 2030 eine Welt ohne Hunger zu schaffen. Es ist noch immer möglich.

Mitverfasserinnen dieses Textes:

Simone Welte

Simone Welte

Francesca Schraffl

Francesca Schraffl

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