Jörg Pilawa: „Die Menschen in Haiti haben meinen Respekt und Unterstützung verdient“

Seit dem Erdbeben ist hier schon viel passiert: nach der dringenden Soforthilfe wird jetzt der Hausbau und die Wiederherstellung der Landwirtschaft angegangen.
Seit dem Erdbeben ist hier schon viel passiert: nach der dringenden Soforthilfe wird jetzt der Hausbau und die Wiederherstellung der Landwirtschaft angegangen.

Ich komme mit dem Flieger zurück nach Deutschland und weiß, dass ich in eines der ärmsten Länder dieser Erde besucht habe: Haiti. Das Land war schon vor dem Erdbeben im Januar 2010 das ärmste Land der westlichen Hemisphäre: 80 Prozent der Bevölkerung leben unter dem Existenzminimum von einem US-Dollar am Tag, 60 Prozent sind Analphabeten und 7,2 Prozent der Kinder Haitis unter fünf Jahren erleben nicht ihren fünften Geburtstag. Doch obwohl ich all das vorher wusste, bin ich erschüttert. So hätte ich es mir nicht vorgestellt.

Und dann noch das ungute Gefühl bei dem Gedanken an die Cholera, der inzwischen schon hunderte Haitianer zum Opfer gefallen sind. Aber für mich war beruhigend, dass Michael Kühn von der Welthungerhilfe mich während meiner Reise dort begleitete. Zehn Jahre hat er auf Haiti gelebt und alles dort gesehen – auch das Erdbeben.

Auf der Fahrt durch Port au Prince erlebte ich meinen ersten Schock: Auch neun Monate nach dem katastrophalen Beben sieht die Stadt noch immer wie nach einem Bürgerkrieg aus. Über eine Million Menschen müssen in Zelten unter Plastikplanen leben. Insgesamt gibt es 1300 Lager mit Notunterkünften auf der Insel. Wenn ich diese Not sehe, frage ich mich, was kann ein Mensch noch alles ertragen? Wenn der nächste Hurrikan kommt, wird hier alles weggefegt und trotzdem versuchen diese Leute ihr Leben so gut es eben geht zu organisieren. Ich bin von diesen Menschen beeindruckt, vor allem diejenigen, die ihre Verwandten verloren haben und dennoch weitermachen. Sie alle haben meinen großen Respekt verdient.

Auf dem Weg zwischen Port au Prince und Petit Goave sehen wir Menschen, die auf dem Mittelstreifen in kleinen Zelten vegetieren. Sie besitzen noch nicht einmal Matratzen, sie liegen auf dem nackten Boden. Das macht mich zutiefst betroffen. Dennoch: die Welthungerhilfe hat in den vergangenen Monaten unheimlich viel geleistet. Zwar leben noch viele der Menschen, die durch das Erdbeben ihre Häuser verloren haben, in Zelten. Doch in einigen Orten, Papatam ist einer davon, werden sie bald in Häuser ziehen können, die ihnen die Welthungerhilfe errichtet hat. Die konkreten Kosten für eines dieser Häuser belaufen sich auf 2.000 Euro inklusive Material und Arbeitslohn. Jede der Familien, die ein solches Haus erhält, beteiligt sich am Hausbau. So sind die Menschen eingebunden, können ihre Verbesserungswünsche einbringen und werden nicht fremdbestimmt.

Ich habe Haiti in den letzten Tagen kennen gelernt. Seit dem Erdbeben ist hier schon viel passiert: nach der dringenden Soforthilfe wird jetzt der Hausbau und die Wiederherstellung der Landwirtschaft angegangen. Der Fünfjahresplan der Welthungerhilfe ist der richtige Weg. Für den Neuanfang brauchen die Haitianer jeden Euro. Wenn es nicht wieder eine Naturkatastrophe gibt, dann haben die Menschen hier eine gute Chance. Die Hilfe der Welthungerhilfe geht in die richtige Richtung. Bitte spenden Sie – die Menschen hier in Haiti haben jede Form von Hilfe verdient.

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4 Kommentare

  • Lena sagt:

    Ich finde es ganz großartig, dass sich Prominente wie Jörg Pilawa ihre Bekanntheit dafür nutzen, um auf so schreckliche Missstände wie etwa in Haiti aufmerksam zu machen. Ich werde dem Spendenaufruf auf jeden Fall folgen, auch wenn meine Mittel begrenzt sind.

  • Andreas sagt:

    Ich begrüße es auch sehr, dass sich Jörg Pilawa dafür einsetzt. Leider folgen diesem Beispiel nur wenige deutsche Prominente. Den Großteil wird man nach wie vor auf dem roten Teppich sehen und nicht bei der Unterstützung der Ärmsten.

  • Matthias sagt:

    Selbstverständlich ist es zu begrüßen, wenn sich Menschen engagieren. Davon müsste es noch viel mehr geben. Doch in diesem Fall ist der Einsatz wohl mehr als heuchlerisch. Ich frage mich, wie man, wenn einem das Thema Welthunger wirklich am Herzen liegt, dann noch Werbung für einen großen Wursthersteller machen kann, wo doch die massenhafte Fleisch- und Wurstproduktion in der westlichen Welt eine der wesentlichen Gründe für den Welthunger darstellt und die reinste Nahrungsmittelverschwendung ist. Knapp die Hälfte der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche auf unserem Planeten wird nur dafür benötigt, Futtermittel für unser Schlachtvieh zu produzieren. Je nach Tier muss man 8-16 pflanzliche Kalorien investieren, um nur eine tierische herauszuholen. Diese Ressourcenverschwendung nennt man dann noch „Veredelung“. Es heißt, würde man Fleisch von der Speisekarte nehmen, würde man auch heute schon 10 Mill. Menschen ausreichend ernähren können, stattdessen futtern wir den Ärmsten lieber den Teller leer, für einen kurzen Genuß.
    In Thailand zum Beispiel, wo seit 1979 bis auf 10% der gesamten Landfläche der Regenwald niedergemacht worden ist um Ackerland zu gewinnen, wird nicht etwa Getreide und andere Kost für die einheimische Bevölkerung angebaut, sondern hauptsächlich Maniok für die europäischen Schweine. Doch welchen Wurstesser interessiert es hierzulande schon, dass im Anbaugebiet des Maniok die Hälfte der Kleinkinder unterernährt sind, 1/10 Mangelerscheinungen haben und jedes Jahr 60 000 Kinder allein in Thailand an Hunger sterben? Natürlich ist dieser Missstand jetzt nicht der einzige Grund für den Hunger, aber doch einer, an dem man nicht vorbeikommt und angehen muss.
    Schämen Sie sich, für diese Heuchelei! Und sollten Ihnen diese Zusammenhänge jetzt neu und nicht bewusst gewesen sein, dann ziehen Sie doch bitteschön wenigstens die Konsequenzen aus dieser Erkenntnis und kündigen den Werbevertrag mit … na Sie werden schon wissen, welche Firma ich meine.

  • Jakob Herz sagt:

    @Matthias:
    Danke für diesen Beitrag. Wollte auch sofort das gleiche schreiben als ich ihn hier als Autor gesehen habe… Er sollte meiner Meinung nach von der Seite hier gestrichen werden, falls er nicht aus dem Werbevertrag aussteigt und keine klar Erklärung gegen den Fleischkonsum abgibt.

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