Von der Daunenjacke in Tadschikistan… ab nach Kambodscha in die Flip Flops

Die Flipflops bleiben draußen - und zeigen, wie viele Personen in ein Haus passen.
Die Flipflops bleiben draußen - und zeigen, wie viele Personen in ein Haus passen.

Lange ist es nicht her, dass wir noch im Schnee im Millenniumsdorf Veshab in Tadschikistan saßen und schon wieder heißt es Koffer packen und „on the road again“. Diesmal wieder ins Warme, noch weiter gen Osten, nach Südostasien, ins Millenniumsdorf Kanat Toch in Kambodscha.

Ich bin über dreizehn Stunden auf den Beinen, als mich schließlich die Hitze und Schwüle Phnom Penhs empfängt und uns der rege Verkehr nicht am Guesthouse ankommen lassen will. Scheinbar Millimeter um Millimeter, im Schritttempo, geht es voran. Und das an einem Samstag! Wie muss es dann erst unter der Woche, an einem normalen Arbeitstag zugehen?! Wild schlängeln sich die Mopeds und Tuk-Tuks durch die Automengen hindurch. Ampeln zählen die Sekunden herunter, bis sie endlich auf grün schalten und es durch nur im Schritttempo weitergeht.

Völlig erschöpft liege ich irgendwann auf dem Hotelbett und schlafe direkt ein. Ich erwache erst, als mein Handy klingelt, um mich daran zu erinnern, dass es mitten am Tag ist – und nicht wie in Deutschland Nacht – und wir uns bald für die Vorbereitung des Abschlussworkshops im Büro treffen. Nach einem langen Vorbereitungstag und einem schönem Abendessen mit Kollegen am Mekong, geht es am nächsten Morgen weiter nach Ratanakiri, der Distrikt in dem Kanat Toch liegt. Eine achtstündige Autofahrt gen Nord-Osten, nahe der Grenze zu Vietnam. Mit einer kleinen Fähre überqueren wir mit dem Auto die Flusskreuzung, an der vier Flüsse zusammenfließen, der Mekong, Tonle Sap und die zwei Bassak Flüsse. Weiter gen Norden ziehen bunte Obststände, wunderschöne Holzhäuser auf Stelzen, leuchtend grüne Reisfelder während der Fahrt an uns vorbei, dann wieder mit Körben und anderen Flechtwaren voll beladene kleine LKWs und Gruppen von buddhistischen Mönchen, die in ihren orangenen Gewändern bereits von weitem erkennbar sind.

Nach rund dreizehn Stunden Flug, rund zehn Stunden Autofahrt auf Teerstraßen und staubigen Buckelpisten sowie einer Autofähre sind wir zwar nicht im Millenniusmdorf selbst, aber immerhin dort angekommen, wo letztlich der Workshop stattfinden wird und wir die nächsten drei Tage verbringen werden. Wir fahren in unser lokales Büro, das wir mit unserer Partnerorganisation CEDAC teilen. Ein Stelzenhaus mitten im Ort. Dort werden wir gemeinsam mit den Dorfbewohnern bzw. Workshop-Teilnehmenden, die aus rund 15 km Entfernung anreisen, auch übernachten. Ein Teil der Gruppe wird auf Bastmatten oben im Haus schlafen, eine andere unten in Hängematten. Zum Glück hängen an den Stelzen des Hauses bereits ein paar Hängematten, die man direkt für eine Siesta in derschwülen Mittagshitze nutzen kann. Kaum liege ich in einer solchen Matte, bin ich auch schon eingenickt und erwache erst, als es zur Vorbereitung weiter zur District Hall, dem Veranstaltungsort, geht. Dort muss erst mal aufgeräumt, gefegt, Stühle arrangiert und Plakate vorbereitet werden.

Zurück im Office sind die meisten Familien, die am Workshop teilnehmen, bereits anwesend. Schlafmatten wurden ausgelegt und aufgehängt. Wir bekommen eine Hängematte draußen unterm Stelzendach. Und natürlich will auch die Schlafordnung organisiert sein, denn die dreckigen Füße des Mattennachbarn sollten nicht dem im Buddhismus als heilig geltenden Kopf des anderen entgegengestreckt werden. Wir sind rund zehn Menschen unten in den Hängematten und über 20 Personen oben im Office. Ohrenbetäubende Musik einer Hochzeit schallt zu uns herüber. Erst um Mitternacht wird es langsam ruhiger. Kurz darauf beginnt dann das Schnarchkonzert und, man mag es kaum glauben, ich bekomme des nächtlichen Temperatursturzes wegen kalte Füße.

Die nächsten zwei Tage sind geprägt durch Diskussionen im Workshop, offizielle Reden des Gouverneurs und unseres Landeskoordinators sowie Präsentation der Ergebnisse während der offiziellen Abschlussfeier, dann Tanz und wohl verdienter Spaß bei der Abschlussparty. Denn es gibt einen Grund zu feiern – nach fast acht Jahren wurde im Millenniumsdorf Kanat Toch viel erreicht:

  • Brunnen wurden gebaut und
  • das Trinkwasser verbessert,
  • Gemüsegärten und Reisfelder für eine ausgewogene Ernährung angelegt,
  • eine neue und gestärkte Diskussionskultur mitgestaltet und vieles mehr.

Leider gibt es gleichzeitig auch Rückschläge, denn aufgrund des Landraubs werden ganze Wälder zugunsten von Kautschukplantagen umgewalzt und die Menschen, die vom Wald leben und mit denen wir jahrelang zusammengearbeitet haben, ihrer Lebensgrundlagen beraubt. Umso wichtiger ist daher, den Mut nicht zu verlieren und die Herausforderungen auch weiterhin anzunehmen.

Und keine fünf Tage nach meiner Ankunft in Phnom Penh geht es auch schon wieder zurück ins kalte Deutschland: eine Stunde Autofahrt über staubige Buckelpiste zurück nach Banlung, neun Stunden Autofahrt mit einem plattem Reifen, dann eine Autofähre und schließlich noch der dreizehnstündige Rückflug.


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