Kenia: 20 Kilometer bis zum nächsten Wasserloch bei staubiger Trockenheit und Hitze

Der Regen kommt und kommt nicht. Und die Frauen müssen immer weiter gehen, um Wasser zu finden.
Der Regen kommt und kommt nicht. Und die Frauen müssen immer weiter gehen, um Wasser zu finden.

Hallo liebe Leserinnen und Leser,

ich bin wieder in Kenia. In Nairobi ist es grau und recht kühl, doch in unserem Projektgebiet im Südosten schon seit Monaten warm und sonnig – und regenlos. Die Lage hat sich seit Februar deutlich verschlechtert, denn der erhoffte Regen im April/Mai ist, bis auf ein paar wenige Tropfen, gänzlich ausgefallen. Nun komme ich ja nun schon seit 12 Jahren mehr oder weniger regelmäßig nach Kenia. Aber so trocken, wie es jetzt ist, das habe ich noch nicht erlebt.

Die Frauen müssen immer weiter laufen, bis sie an Wasser kommen. Oft müssen sie sogar unterwegs übernachten, da der Weg an einem Tag nicht zu schaffen ist. An den verbliebenen Wasserstellen bilden sich lange Schlangen, so dass die Frauen dort oft stundenlang warten müssen, um ihre Wasserkanister zu füllen. Umso wichtiger sind die Esel geworden, die dann mehrere Kanister transportieren, da solch weite Wege – zum Teil sind es 20 Kilometer – nicht jeden Tag zurückgelegt werden können.


Wir, meine kenianischen Kollegen und ich, sind nun dabei, gemeinsam mit der Bevölkerung weitere, einfache Wasservorrichtungen zu schaffen, mit denen jedes noch so kleine Regentröpfchen aufgefangen werden kann. Für ihre Arbeit bekommt die Bevölkerung Nahrungsmittel als Bezahlung.

Als ich letzte Woche in der Region unterwegs war, um die Gegend nach geeigneten Plätzen für das Projekt zu untersuchen, bin ich an ein paar unserer früheren Hilfsleistungen der Welthungerhilfe vorbei gekommen. Eines davon war eine Schule. Dort hatten wir mithilfe der Eltern einen Wassertank gebaut und diesen über Regenrinnen an das Schuldach angeschlossen. Und man glaubt es kaum: Der wenige Regen hat ausgereicht, um den Tank zu füllen! Und es war sogar immer noch Wasser vorhanden. So ist zumindest sichergestellt, dass die Schulkinder während der Schulstunden etwas zu trinken hatten.

An anderer Stelle hatten wir an einem großen, unbewachsenen Felsen einfach kleine Dämme gebaut. Das abfließende Wasser wurde zuerst in ein Becken und anschließend in geschlossene Tanks geleitet. Auch hier fand ich in zwei Tanks noch Wasser. Die daran beteiligte Dorfbevölkerung erzählte uns ganz stolz, wie sie auf ihr Wasser aufpassen und es so rationieren, dass es sie bis zur nächsten Regenzeit im November bringt.

Ich muss gestehen, die Freude der Menschen berührt mich zutiefst. Und es ist schön zu sehen, dass sich die Lebensbedingungen der Menschen in dieser harten Gegend verbessern konnten.

Wer mir schreiben möchte, ist herzlich willkommen. Ich freue mich über Kommentare.

Bis bald, Gruß aus Kenia,

Eure Birgit

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5 Kommentare

  • Jörg Heinrich sagt:

    Liebe Birgit,

    deinen Bericht habe ich mit großem Interesse gelesen. Auch ich war vor ein paar Monaten in Kenia. Damals war schon abzusehen, dass der Regen, der viel zu spät eingesetzt hatte, nicht ausreichen würde Die Saat war viel zu spät aufgegangen und der Mais würde es mit den verbleibenden Regentagen kaum bis zur Reife schaffen. Und aus deinem Bericht schließe ich, dass er tatsächlich zu wenig ergiebig war, um den Menschen eine ausreichende Ernte zu ermöglichen. Die Tanks der Welthungerhilfe sind da wirklich eine sehr gute Lösung, da sie wenigstens die Wasserversorgung sichern, auch wenn nur wenig Regen gefallen ist. Und dass ihr euch für „Food for Work“ entschieden habt finde ich auch gut, denn im Moment sind die Vorratsspeicher ja schon bei vielen Menschen leer und um zu vermeiden, dass das als Saatgut für die nächste Anbauperiode zurück gelegte Getreide aufgegessen wird, ist das die beste Lösung. So wird die geleistete Arbeit gezielt in die nachhaltige Entwicklung investiert und die menschen werden satt. Hoffen wir trotzdem, dass ihr nicht zu lange mit Nahrungsmitteln aushelfen müsst und dass mit der nächsten Regenzeit genügend Wasser kommt, um nicht nur die Tanks erneut zu füllen, sondern auch die Felder für eine gute Ernte zu versorgen.

    Jörg Heinrich

  • Danne sagt:

    Hallo , ich bin schockiert, wie es Mensch und Tier in Afrika geht.
    Ich schaue nun jeden TAg in den Wetterbericht und bete das es regnen möge.
    Meine Frage: Ist denn inzwischen wenigstens etwas Regen vom Himmel gefallen???

    Für Öl und Gas werden tausende Meter Pipelines verlegt, warum kann man das denn nicht auch in Afrika für die Wasserversorgung tun. Es gibt soviel Wasser auf der Welt. Die Pole schmelzen und Afrika vertrocknet. Es ist alle so unlogisch.
    Die ganze Welt.
    Immer geht es nur ums Geld, dabei könnte man soviel aus Afrika machen.
    Laut Klimawandelprognose soll die Küste Amerika irgendwann unter Wasser stehen, keiner denkt weiter . Aufhalten kann man das kaum, aber die Menschen könnte man nach Afrika umsiedeln ,wenn es Wasser gäbe.
    Ich habe große Angst vor der Zukunft, die Menschen und Tiere in Afrika tun mir wahnsinnig leid.
    T. Danne

  • Reinhi sagt:

    Liebe Kenia-Freunde,
    ich habe einen Urlaub für das nächste Frühjahr nach Kenia/Südküste geplant. Es ist nicht mein erster, aber es fällt mir schwer, daran zu denken fast 1000 Euro nur für den Flug zu zahlen, wenn das Land vor Trockenheit verkrustet und die Men-schen und Tiere entsetzlichen Hunger- u.Durstattacken ausgesetzt sind.
    2007 bin ich mit der Bahn von Mombasa bis Nairobi gefahren und von dort in die Maasai Mara. Damals schon war mir klar, beim Anblick der Slums vor der Hauptstadt, das ich etwas Hilfe leisten muß.
    Ich spende monatlich einen kleinen Betrag für das SOS-Kinderdorf in Mombasa, werde dieses besuchen und weiter fördern wenn ich im März fliegen sollte. Vielleicht ist das nicht viel, aber ein Tropfen auf den heißen Stein ist besser als ein trockenes Gestein. Wenn alle Menschen so denken würden gäbe es kein Leid, keinen Hunger und keinen Durst auf unserem schönen Planeten.
    Sollte sich diese Dürre-Periode zu einer Katastrophe entwickeln, was es wahrscheinlich vor Ort schon ist, verzichte ich auf meinen Urlaub und helfe mit dem Geld lieber von hier aus.

    ICH GEHE DORTHIN WOHER ICH KAM
    EMPFINDE REUE UNENDLICH SCHAM
    ICH GEB ZURÜCK WAS ICH VORHER NAHM
    MEIN GEWISSEN VERURSACHT MIR GRAM
    DENN KEINER KÄMPFT JEDER IST ZAHM
    EIN DORF VOLLER ELEND EIN LAND LIEGT LAHM
    AFRIKA ICH VERSUCH ES NOCHMAL
    Reinhild Prüsmann

  • Melanie Gatzke sagt:

    Was für ein schöner und gleichzeitig nachdenklicher Satz.

    Zitat:Danne
    Für Öl und Gas werden tausende Meter Pipelines verlegt, warum kann man das denn nicht auch in Afrika für die Wasserversorgung tun. Es gibt soviel Wasser auf der Welt. Die Pole schmelzen und Afrika vertrocknet. Es ist alle so unlogisch.
    Die ganze Welt.
    Immer geht es nur ums Geld, dabei könnte man soviel aus Afrika machen.
    —————
    Der Westen wird gezwungen werden, das zu begreifen,
    Die Afrikaner selber sind gerade dabei , es zu begreifen. Ich habe in TV-sendungen energische Menschen aus Afrika – besonders Frauen– gehört, wie sie dahinter kommen, wie es weitergehen muß.—-
    Ums Geld geht es immer noch- auch den Konzernen.
    Doch auch hier gilt: Wer zuspät kommt , den bestraft das leben.( v.Gorbi)
    Wer zuspät begreift, was die Musik der Zukunft spielt, der hat das Nachsehen.
    In ca 10 -20 Jahren denke ich mal, wird Afrika nicht mehr das sein, was es heute ist.
    Sie werden ihren Wert, ihre Bodenschätze, ihre Möglichkeiten erkennen, sie werden sie nutzen. Das ist gut so. Es stehen viele gebildete Afrikaner auf und klären ihre Landsleute auf, viele haben es -„begriffen“.
    Sie werden die anderen mitreißen und überzeugen..
    Wohlstand bringt auch Frieden.

  • dirk sagt:

    Eine sehr interessante Disskusion, die hier entbrannt ist. Meine Frau war jüngts in Kenia als Psycholgin tätig und berichtete ähnliche Ding zu diesem Thema. Ich denke, dass Zeiten sich bald zum positiven entwickeln werden und sich dem Problem annehmen, es gitb auch keine ander Lösung nebenbei bemerkt.
    gruß dirk

    http://www.stepmap.de/karte/kenia-karte-18436

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