Schlussrunde in Durban: Nur noch zwei Tage und eine lange Nacht

Viel zu tun in Durban: Deligierte auf der Klimakonferenz
Viel zu tun in Durban: Deligierte auf der Klimakonferenz © AFP/Getty Images

Es sind nur noch zwei Tage und vermutlich eine lange Nacht bis zum Ende der Konferenz hier in Durban. Mir fällt es immer schwerer einzuschätzen, wie gut am Ende das Ergebnis sein wird.

Inzwischen sind zumindest alle Minister angereist, die letzte Phase der Verhandlungen hat also begonnen. Die Delegationsbüros befinden sich im Erdgeschoss des Kongresszentrums, der umgebauten Tiefgarage. Ein Zeichen dafür, dass hier wirklich ernsthaft gearbeitet wird, versicherte die Generalsekretärin der Klimarahmenkonvention. Denn luxuriös ist das in der Tat nicht. Beim Briefing in diesen Katakomben mussten wir Kopfhörer tragen, weil die Akustik so mies war – gegen die unerträgliche Hitze halfen sie nicht.
Heute haben wir die Rede der indischen Umweltministerin gehört. Jayanthi Natarajan ist eine beeindruckende Frau, die das Dilemma vieler armer Länder sehr gut auf den Punkt gebracht hat. Ihre Worte fanden vor allem bei den afrikanischen Vertretern viel Zustimmung.  Indien, so die Ministerin, werde einem global verbindlichen Vertrag nur zustimmen, wenn darin eine gerechte Verteilung der Lasten und Pflichten festgehalten sei.

Die Industrieländer müssten zunächst ihre historische Schuld begleichen, und dazu gehöre unabdingbar eine zweite Verpflichtung Emissionen zu reduzieren. Starke Worte fand sie, als sie auf die Bedeutung des Klimaschutzabkommens für Indien zu sprechen kam: Anders als in den Industrieländern, in denen die Erhaltung des Lebensstandards im Vordergrund stehe, ginge es in Indien für die meisten Menschen um das schlichte Überleben. Indien selbst werde sich auch ohne Abkommen an die Selbstverpflichtungen halten: Bis 2020 will das Land mit eigenen finanziellen Mitteln seine Emissionen um 25 Prozent senken.

Aus Sicht der EU geht es genau anders herum. Einer zweiten Verpflichtungsperiode zur Reduzierung der Emissionen will sie nur zustimmen, wenn Indien, China und die USA sich zumindest auf ein Mandat für ein global verbindliches Abkommen einigen.

Umweltminister Röttgen, der inzwischen auch in Durban eingetroffen ist, wies darauf hin, dass es ohne Mandat eigentlich keine zweite Verpflichtungsperiode geben dürfe. Die EU sei schließlich nur noch für 15 Prozent der gesamten Emissionen verantwortlich. Nach dem Motto: Besser keine zweite Verpflichtungsperiode als eine absolut ungenügende. Er betonte eine „Allianz der Willigen“ erhöhe den Druck auf die USA, Russland, Japan und Kanada. Tatsächlich hatten die Chinesen gestern  angedeutet, dass sie einem globalen Abkommen zustimmen könnten. Geliefert haben sie noch nicht – Andeutungen eben.

Röttgens Konstrukt ist sehr theoretisch. Wenn überhaupt, wird es erst nach 2020 etwas umgesetzt, viel zu spät für die meisten Entwicklungsländer. Und was konkret nach 2012 passiert ist noch völlig offen.

Immerhin bot der deutsche Umweltminister in seiner viel beachteten Rede vor dem Plenum hier in Durban an, dass der „Green Climate Fund“ in Deutschland seinen Sitz haben könnte, und legte nach: Deutschland zahlt schon mal 40 Millionen Euro in den Fonds ein. Dafür erntete er Extraapplaus.

Licht am Ende des Tunnels? Nein! Es bewegt sich einfach viel zu wenig in Durban. Aber noch laufen die Verhandlungen ja.

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4 Kommentare

  • Simone sagt:

    Solange die USA, China und Indien keine festen und effektiven Zusagen machen. Aktuell ist kein wirkliches Interesse der Länder zu erkennen. Der Klimaschutz der anderen Länder ist doch auch für alle Länder …

  • helmut.reisich sagt:

    stimmt

  • Leoprecht sagt:

    Zu wenig Bewegung, zu viel Bürokratie und Geschäftemacherei. Ich glaube nicht das diese Konferenz unseren Planeten retten kann.

  • Bierett, Ralph sagt:

    Es ist vor dem Hintergrund des Klimawandels, der für Deutschland vielleicht sogar gut ist, aber für viele ärmeren Völker eine Katastrophe, ein Skandal, dass der Vizepräsident der Welthungerhilfe, Herr Töpfer, in Briefen an Spender und auf der website der Welthungerhilfe Propaganda für den deutschen Atomausstieg macht.

    Wir sind sowieso schon einer der schlimmsten Umweltsünder in Europa (50% mehr CO2 Ausstoß pro Kopf als in Frankreich), weil wir über 50% unseres Stroms aus CO2 Schleudern wie Kohle- und Gaskraftwerken produzieren. Das wird jetzt noch schlimmer durch die Abschaltung der CO2 neutralen Kernkraftwerke. Die Abfälle der Kohle- und Gaskraftwerke, CO2, endlagern wir in der Atmosphäre und verschieben damit unsere Probleme zu den Ärmsten dieser Welt, deren Länder regelrecht absaufen und verdorren werden.

    Es ist ein Skandal, dass dies von der Welthungerhilfe auch noch per Propaganda für den Ausstieg aus einer klimaneutralen Energieform unterstützt wird.

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