Landgrabbing und Umsiedelungen in Kambodscha

In der Siedlung von Oudong, Kambodscha. Hierhin wurden 140 Familie zwangsumgesiedelt, nachdem ihnen ihr Land weggenommen wurde.
In der Siedlung von Oudong, Kambodscha. Hierhin wurden 140 Familie zwangsumgesiedelt, nachdem ihnen ihr Land weggenommen wurde.

Für den Launch des diesjährigen Welthungerindexes reiste ich im Oktober nach Kambodscha. Die Veröffentlichung war ein großer Erfolg: Mit über 200 Gästen und großer Berichterstattung in den kambodschanischen Medien übertraf die Veranstaltung unsere Erwartungen. Das Thema des Index 2014 „Hidden Hunger“ wurde prominent vorgestellt. Der verborgene Hunger führt häufig zu nicht sichtbaren physischen und mentalen Folgen von chronischer Mangel- und Fehlernährung. Auch der im kambodschanischen Kontext sensible Zusammenhang zwischen Unterernährung und Landgrabbing wurde offen angesprochen. 

Besuch bei zwangsumgesiedelten Familien

Nach der Veranstaltung hatte ich noch Gelegenheit zu einem sogenannten Resettlement (einer umgesiedelte Gemeinde) nach Oudong 50 Km nördlich der Hauptstadt zu fahren. An diesen Ort wurden im Jahr 2012 140 Familien zwangsumgesiedelt, nachdem ihnen ihr Land in der Hauptstadt Phnom Penh von der Firma Phanimex weggenommen wurde. Eines Tages kamen Lastwagen der Firma, luden die Familien auf und fuhren sie nach Oudong, um sie dort auf einer firmeneigenen leeren Fläche sich selbst zu überlassen.

Nach und nach kamen verschiedene Hilfsorganisationen, um den Familien zu helfen, wobei es bis heute für kaum mehr als zum bloßen Überleben reicht. Die Häuser sind behelfsmäßig zusammengezimmert, die Wasserversorgung ist nicht gesichert, es gibt kaum Arbeit, weil die dafür notwendigen Papiere auch nach zwei Jahren von den Behörden nicht ausgestellt worden sind.

Es gibt viele Probleme. Und zudem haben sich missionarische Organisationen daran gemacht, mit ihren eigenen Methoden diesen Menschen zu helfen. Es wurde eine Schule gebaut, die mit missionarisch-religiös motivierten Schulbüchern ausgestattet ist. In einer Gegend, in der die Bevölkerung zum überwiegenden Teil buddhistischen Lehren folgt, mehr als befremdlich. Der Ortsvorsteher teilte mir mit, dass ca. 40% der Bewohner mittlerweile eine neue Religion – die der Hilfsorganisationen – angenommen haben. Ich vermute, dass diese Konvertierung aus der reinen Not heraus erfolgt ist.

Die Welthungerhilfe versucht zusammen mit einer kambodschanischen Nichtregierungsorganisation, die Gesundheitsversorgung der Menschen zu verbessern. Langfristig bleibt den Menschen nichts anderes übrig, als in Oudong eine Arbeit zu finden und sich ein neues Leben aufzubauen.

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