Logistik in der Entwicklungszusammenarbeit: Alles andere als öde!

Einfach ist der Transport in die Projektgebiet nicht immer. Aber ankommen tut am Ende doch (fast) alles.
Einfach ist der Transport in die Projektgebiet nicht immer. Aber ankommen tut am Ende doch (fast) alles.

Unser Lieferant hat gerade bestätigt, dass der LKW bereits mit einem Kranarm ausgestattet ist. Fehlt nur noch der Kipper. Das freut mich sehr! Auch die Lackierung in Weiß ist kein Problem, das hatten sich die Projektmitarbeiter in der Zentralafrikanischen Republik so gewünscht. Diese scheinbar unwichtigen Dinge sind eben manchmal doch wichtig. Denn eine gute Zusammenarbeit mit den Kollegen vor Ort ist das Herzstück meiner Arbeit als Logistiker. Sie benötigen etwas, um ihre Arbeit durchzuführen, und ich besorge es ihnen: Fahrzeuge, Baumaschinen, Baumaterial, Ersatzteile, Zelte und so weiter. Die größte Herausforderung ist, den Überblick über die vielen unterschiedlichen Richtlinien der Geldgeber zu behalten. Es geht zwar immer darum, gute Qualität effizient und zum besten Kurs anzuschaffen – aber wie das sichergestellt wird, das ist bei jedem Geber anders. Immer gleich ist der Anspruch auf optimale Ausnutzung der Ressourcen: Einen Container zu verschiffen ist teuer, also wird sprichwörtlich jeder Zentimeter ausgenutzt. Unsere Luftfracht geben wir ohne Paletten auf, denn ihr Gewicht von rund zehn Kilogramm wird uns ja ebenfalls angerechnet.

Richtig rechnen: Es geht um Preis, Zeit und Haltbarkeit

Auch immer gleich ist die Maxime: Was vor Ort gekauft werden kann, wird auch vor Ort gekauft. Das ist Teil unserer nachhaltigen Entwicklungsstrategie. Und das ist auch richtig so. Aber manchmal stimmt die Qualität nicht oder die Lieferzeit ist zu lang oder der Transport zu teuer. Dann suchen wir international nach Alternativen. Es geht dabei nicht nur um den Preis, sondern auch um Haltbarkeit und die Verfügbarkeit von Ersatzteilen. Die Welt der Logistik ist in unserem Bereich eigentlich sehr klein. Ich weiß genau, wen ich anrufen muss, wenn ich mal nicht weiter weiß. So war ich zum Beispiel lange sehr unzufrieden mit den Angeboten für die Satellitenkommunikation. Doch dann habe ich von einem alten Logistik-Kollegen den entscheidenden Tipp bekommen und nun läuft alles super. Das System ist günstiger, bringt einen besseren Service mit und ist auch noch einfacher zu bedienen.

Balance zwischen Sicherheit und Öffentlichkeit

Mehr darf ich davon leider nicht erzählen, denn solche Dinge sind sicherheitsrelevant für unsere Kollegen. Überhaupt geschieht unsere Arbeit ja eher im Stillen. Anders war das im Oktober 2014, als die Bundeswehr Krankenhaus-Bauteile für Ebola-Patienten nach Liberia transportierte. Ich glaube nicht, dass es so einen Transport bei der Welthungerhilfe schon einmal gab. Wir hatten eine Gelegenheit und haben sie genutzt. Und dann stand da der Bundeswehrflieger und packte unsere Projektgüter ein. Das war schon toll!
Wir brauchten auch noch rund 250 Krankenhausbetten für die Ebola-Patienten. Lieferanten vor Ort benötigten aber einfach zu lange. In Deutschland waren 240 Betten sofort verfügbar. Sie wurden innerhalb von wenigen Tagen über das LogCluster kostenlos abtransportiert. Am Ende zählt die Gesamtrechnung: Was kann wo in der richtigen Zeit zum besten Kurs beschafft und transportiert werden. Bei den Betten für Ebola-Patienten war die Zeit ein wichtiger Faktor, wir durften keine verlieren.

Auf die Entwicklungszusammenarbeit warten weitere Management-Aufgaben

Andere Faktoren werden zukünftig an Bedeutung gewinnen. Etwa die Müllentsorgung. Eine nachhaltige Beschaffungskette und grüne Logistik sind Themen, die wir in der Entwicklungszusammenarbeit zukünftig noch stärker diskutieren müssen. Es gibt da noch keine Standards – aber das ist eine Frage der Zeit. Auf der anderen Seite erschwert jede zusätzliche Regel die Beschaffung. In Krisen- und Notsituationen kann das bittere Folgen haben. Ein Teil der Lösung sind sicherlich bessere Schulungen von Logistikern in den Projektländern. Wenn vor Ort entsprechende Kompetenzen vorhanden sind – beispielsweise dann auch die für das Müllmanagement oder die Verteilungsplanung – können solche Herausforderungen auch besser gemeistert werden. Auch wir geben solche Schulungen vor Ort. Derzeit arbeite ich zudem an einem Modul „Humanitäre Logistik“ für den Bachelor-Studiengang „Internationale Not- und Katastrophenhilfe“ an der Akkon Hochschule in Berlin. Denn eines ist klar: Die Entwicklungszusammenarbeit und insbesondere die Nothilfe braucht gut ausgebildete Logistiker.

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