Making of: Unser Wald – Unsere Zukunft

Kein Tag wie jeder andere – mit einem Filmteam und Kameradrohne unterwegs im Nordosten Kambodschas. Ein gemeinsamer Bericht von Julia Thienhaus und Hannah Doettling

Unterwegs mit einem Filmteam

5.30 Uhr morgens, geschäftiges Treiben herrscht bereits im Dorf MondulYorn. Die Hähne krähen schon eine Weile, Töpfe klappern bei der Essenszubereitung. In Kambodscha leben die Menschen nach dem Tageslicht, uns hingegen fällt dies etwas schwer. Müde liegen wir auf unseren Bastmatten und drehen uns lieber noch einmal um. Leider wird unser Schlaf von einem sehr laut brummenden Insekt gestört – Moment, welches Tier macht denn solche Geräusche? Im selben Moment fällt es uns wieder ein: Die Drohne!

Die Drohne – der Star im kambodschanischen Regenwald

Wir, das sind Hannah und Julia, sind gerade mit Dirk, dem Landesdirektor der Welthungerhilfe, und dem Kölner Filmteam kigali-films im Nordosten des Landes unterwegs. Zusammen wollen wir einen Film über die Arbeit unserer Partnerorganisation „Save Cambodia’s Wildlife“ drehen, die für die Erhaltung des Regenwaldes kämpft.

70 Prozent des natürlichen kambodschanischen Baumbestandes wurde bereits abgeholzt. Anstatt artenreiche Vielfalt findet man dafür oft nur noch Plantagen großer internationaler Lebensmittelkonzerne.

Hinzu kommt: Illegale Rodung ist weit verbreitet, weswegen „Save Cambodia’s Wildlife“ mit dem Ökotourismus-Projekt ‚Community-based Ecotourism‘ alternative Einkommensquellen für Indigene schafft.

Es ist nun schon der vierte Tag, den wir im Dschungeldickicht verbringen und die Drohne ist bereits eine gute Bekannte geworden. Sie erhascht bei den Dorfbewohnern sehr viel Aufmerksamkeit, genau wie die beiden Filmemacher Ralph und Julian. Um die beiden im Blätterwirrwarr des Dschungels zu finden, muss man nur der Drohne folgen. Dort stehen sie, umgeben von interessierten Zuschauern und fangen gerade das morgendliche Schauspiel des Sonnenaufgangs ein.

Das rheinländische Filmteam dreht hauptsächlich Filme für NGOs und reist von Köln in die entlegensten Ecken der Welt. Von Somaliland über Guatemala bis auf die Philippinen – kein Land ist vor ihnen sicher! Dem Jetlag-Leben folgt das ein oder andere Mal Verwirrung, wo sie sich gerade befinden.

Und Schnitt! Kleine Anekdoten aus dem Filmalltag

In einem Film mitzuspielen, ist für die Dorfbewohner die Sensation des Jahres: ALLE wollen vor die Kameralinse und geben sich dabei reichlich Mühe. So schleichen sich des Öfteren engagierte Zuschauer ins Bild, die dort jedoch nichts zu suchen haben. Manche Darsteller können ihre Aufregung nicht im Zaum halten und fotografieren das Kamerateam während sie gerade gefilmt werden. Am schwierigsten gestaltet sich jedoch die Anweisung, während den Dreharbeiten nicht der umherschwirrenden Drohne hinterherzuschauen – auch für uns.

Einmal hinter die Kulissen eines Filmdrehs zu blicken, hat uns gezeigt, wie viel Arbeit hinter einem zehnminütigen Film steckt. Und das tropische Klima erleichtert die Arbeit nicht unbedingt: Den ganzen Tag bei sengender Hitze zu arbeiten, erfordert körperliche Höchstleistungen und so sind dauerverschwitzte T-Shirts die Normalität.

Von Ralphs und Julians Tropentauglichkeit sind wir mehr als beeindruckt. Bei 30 Grad im Schatten Filme zu drehen ist für sie der harte Alltag. Deswegen freuen wir uns abends alle auf ein erfrischendes Bad im Fluss und stillen unseren Durst mit selbstgebrautem kambodschanischem Reiswein.

Kanu fahren macht Spaß – nicht nur den Touristen

Nach einer erholsamen Nacht in der Hängematte steht ein weiteres großes Abenteuer an: Die neueste Errungenschaft des Ökotourismus-Projekts sind fünf Kanus, die das Angebot für Touristen vielfältiger machen sollen. Heute werden sie eingeweiht und wie sich herausstellt, profitieren sogar die Dorfbewohner davon: Kinder stürmen auf die Kanus zu, paddeln gekonnt die Stromschnellen herunter und es macht uns glücklich zu sehen, wie sich auch die Dorfbewohner über sie freuen! Unsere Delegation macht es ihnen nach. Gepackt von der guten Laune, überschätzt jedoch der ein oder andere sein Talent und freut sich über eine nicht beabsichtigte Rolle mit dem Kanu.

Am nächsten Morgen bewegen wir uns nach vier erfolgreichen Tagen im Dschungel wieder zurück in die Zivilisation. Positiv gestimmt holpern wir durch das dunkle Grün des Waldes, der sich nach und nach verändert. Die bunte Vielfalt des ursprünglichen Regenwaldes weicht symmetrisch angeordneten Monokulturen. In Reih und Glied stehen sie da, kilometerlange neu angepflanzte Plantagen eintöniger Kautschukbäume. Der vorhin im Auto herrschenden guten Laune folgt betrübtes Schweigen.

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