Mit Kunst und Klos die Welt verändern – Latrinen für Uganda

In Moroto fehlt vielen Menschen der Zugang zu einer Toilette. Wir bauen Latrinen - und klären auf mit Musik und Theater.
In Moroto fehlt vielen Menschen der Zugang zu einer Toilette. Wir bauen Latrinen - und klären auf mit Musik und Theater.

Der Bass dröhnt durch die Straßen von Moroto. Schauspieler machen Aufwärmübungen. Wir, die Welthungerhilfe, wollen gleich ordentlich Lärm machen. Thema der Show: Latrinen. Klingt uncool, ist dafür aber extrem wichtig und genau deshalb wird das Ganze auch von Viva con Agua finanziert.

40 Prozent der Menschen in Moroto haben kein Klo

Stell dir vor, du hättest kein Klo. Jedes Mal wenn du musst: raus aus dem Haus und alle deine Nachbarn sehen dir dabei zu. Ja, genau, sie sehen dich, laufen vielleicht sogar an dir vorbei. Nicht schön das Ganze. So ist es für etwa 40% der Bevölkerung in Moroto, einer kleinen Stadt in Karamoja, Uganda.

Kein Klo, keine Latrine, nur der Straßenrand oder ein Flussbett, um wenigstens ein bisschen Privatsphäre zu haben. Nachts macht man vielleicht mal in eine Plastiktüte.

Latrinenplatten selbstgemacht

Wir wollen diese unschöne Situation verändern. Mit praktischer Hilfe und mit Kunst. Wir bilden Jugendliche darin aus, Latrinenplatten herzustellen. Das sind einfache Betonplatten mit Eisenverstärkung und einem Loch in der Mitte. Wer eine solche Platte haben möchte buddelt einfach ein passendes Loch von etwa 90 mal 90 Zentimetern Größe und einer Tiefe von zwei Metern. Insgesamt werden in einer Pilotphase 200 Latrinenplatten hergestellt.

Für einen durchschnittlichen Haushalt von sechs Personen reicht eine solche einfache Latrine etwa ein Jahr. Dann könnte das Loch eigentlich ausgepumpt und weiterverwendet werden, doch es gibt keinen Ort, an dem man den ausgepumpten Schlamm entsorgen kann. Deshalb haben unsere Latrinenplatten Griffe. Wenn die Latrine voll ist, kann die Platte entfernt und umplatziert werden. Der Sand, der bei dem Ausheben des neuen Lochs übrig bleibt, kann zum Auffüllen und Abdecken des alten Lochs verwendet werden. Eine runde Sache also.

„Mit Kunst kann man die Welt verändern“

In drei Gebieten von Moroto haben wir bereits 75 Latrinenplatten hergestellt, weitere werden folgen. Nun wollen wir das Ganze feiern und dabei andere dazu ermutigen, ebenfalls für ihre Latrine zu buddeln. Heute sind wir in Katanga und Kakoliye. Vier Musiker und eine Theatergruppe stehen in den Startlöchern. Mitmach-Theater, Musik zum Thema WASH und einfach nur zum Spaß haben. Die Stimmung ist super. Es wird gelacht, getanzt und gelernt: Wie bekomme ich mein Wasser sauber, wie verhindere ich Krankheiten… Wir klären auf und das ganz im Style von Viva con Agua, denn langweilig machen andere.

„Normalerweise bekommen wir von NGOs nur einen Vortrag darüber, wie alles auszusehen hat. Musik und Theater ist aber viel besser, da hört man mehr zu und es macht richtig Spaß“, sagt Margret, Besitzerin einer neuen Latrine mit Latrinenplatte. G-Wills, einer der Musiker, nickt zustimmend:

„Mit Kunst kann man die Welt verändern. Ich denke, wir sind in Moroto auf einem guten Weg, dass bald jeder Zugang zu einem Klo hat.“

Und damit wäre dann auch die größte Kontaminierungsgefahr für Bohrbrunnen und andere Wasserquellen beseitigt – denn kein Klo bedeutet oft auch kein sauberes Wasser. Also her mit den Latrinen, ganz nach dem Motto: „Sauberes Wasser und Latrinen für alle!“

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