Kann man als normaler Bürger Einfluss nehmen? 2. Themenblock der Fachtagung „MOVE!“

Augustine Ogwal, Farmer in Uganda © Lux
Augustine Ogwal, Farmer in Uganda © Lux
Von André Leslie. Er ist Volontär der Deutschen Welle. Als Konferenzreporter besuchte er die Fachtagung der Welthungerhilfe „MOVE! United for Sustainable Development“, vom 24. bis 25. April in Bonn.

Die Experten sind sich einig: internationale Regierungen müssen mehr Geld in die Agrarwirtschaft investieren, wenn sie wirklich Ernährungssicherheit für ihre Bevölkerung erreichen wollen. Aber kann man die Situation als normaler Bürger überhaupt beeinflussen?

Alex Ruhunda hat gut lachen. Einer der Gastredner auf der Fachtagung der Welthungerhilfe „MOVE! United for Sustainable Development“ in Bonn, kann stolz sagen, er hat tatsächlich mit seinem eigenen Bemühen die Ernährungssicherheit in seinem Land verbessert. „In Uganda gibt es 12 Millionen Menschen die momentan unter Nahrungsmittelunsicherheit leiden. Im Jahr 2002 waren es 17 Millionen“, sagte der lokale Abgeordnete aus dem Südwesten des Landes.

Um die Situation in seinem Land zu verbessern, sprach Ruhunda einfach direkt mit der Regierung. „Wir haben gesagt, dass die Ausgaben für das Militär gesenkt werden müssen.” Immerhin wurde der Etat für Agrarwirtschaft in Uganda angehoben. Aber nicht jeder kann einfach direkt mit der Regierung sprechen. Im Fall von Arjun Kaki, dem Präsident vom „Rural Reconstruction Nepal„, war es notwendig eine große Gruppe von Experten aus der Zivilgesellschaft zusammen zu bringen, bevor einen Termin mit dem zuständigen Minister möglich wurde. „Der wusste gar nicht, dass die staatlichen Ausgaben für Agrar in Nepal so niedrig waren“, berichtet der Experte.

Mehr Engagement nötig

Selina Juul aus Dänemark glaubt einen anderen Weg gefunden zu haben. Die 32 Jährige hat vor vier Jahren das „Stop Wasting Food Movement” gegründet. Eine Bürgerinitiative, die sich für die effizientere Nutzung von Essen einsetzt. „In 2030 werden wir voraussichtlich zwei Planeten brauchen, um alle Menschen mit Lebensmittel zu versorgen“, sagt Juul. „Deswegen müssen wir alle – auch in Dänemark – komplett umdenken.” Seit Gründung der Organisation, hat die dänische Regierung ihre Umweltpolitik geändert. Mittlerweile sei das Thema Ernährungssicherheit mindestens einmal pro Woche in den dänischen Medien zu sehen. Ob das auf das „Stop Wasting Food Movement” zurück zu führen ist? „Ich weiß nur, dass jeder so eine Kampagne starten kann. Es ist ganz einfach,” sagt Juul.

Bauern vor Ort besser involvieren

Joseph Rahall, von der Organisation „Green Scenery” aus Sierra Leone, glaubt, dass der Verkauf von Grundstücken von traditionellen Bauern an große Firmen, ein großer Teil des Problems ist. „Land Grabbing ist ganz klar ein Grund warum Bauern in Entwicklungsländern nicht ordentlich produzieren können“, sagt Rahall. Wenn normale Bauern mehr von ihren Produkten hätten, würden Probleme wie hohe Lebensmittelpreise und das internationale Handeln mit Lebensmittelpreisen eine kleinere Rolle spielen. Dann würden die Bauern für sich und für die unmittelbare Region produzieren“, meint Rahall.

„Vielleicht die beste Lösung”, schlägt Martine Billanou vor. Ein Recht auf Nahrung soll es in jedem Land geben, meint die Französin. In Afrika, wo die Hungersnot noch am akutesten ist, gibt es schon erste Schritte: In 2010 wurde in Kenya das „Recht auf Nahrung” in der Verfassung per Referendum festgelegt.

André Leslie
Deutsche Welle

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6 Kommentare

  • Diddi sagt:

    Das große Problem sehe ich darin, das wir Bürger in der westlichen Welt garnicht wissen, was dort genau passiert. Die Firmen können in Afrika günstig Land für ihre Produktion kaufen..

  • Ingrid sagt:

    Das beste wäre, wenn man vor Ort Hilfe leistet und in dem Dorf oder in der Stadt konsumiert und aufklärt. Es gibt verschiedene Programme, bei denen man mitmachen kann.

  • Markus sagt:

    Ingrid, das sehe ich ganz genau so wie du!

  • Mogi1 sagt:

    Selbst wenn man eine Zeit vor Ort aktive ist, jeder der nicht dort ist, bekommt davon nichts mit, da über die Thematik nur berichtet wird, wenn irgendjemand daraus Gewinn schlagen will. Da hilft nur, wenn es weiter unabhängige Berichte gibt, die aufklären.

  • Fachkraft sagt:

    Nach allem was ich weiss und gesehen habe ist zuviel Einmischung auch schädlich. Oftmals verstehen weder eder normale Bürger noch die „Fachkräfte“ was man tun kann oder tun muss und gehen mit falschen Erwartungen an die Hilfsprojekte heran.

  • Blogo sagt:

    @Ingrid
    Check. Ich möchte auch das unterschreiben was Du sagst.

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