Neue Mitstreiter, neue Pläne – unsere Arbeit in Haiti geht weiter

Stück für Stück werden die zerstörten Häuser, Straßen und Strukturen neu aufgebaut © Coulanges
Stück für Stück werden die zerstörten Häuser, Straßen und Strukturen neu aufgebaut © Coulanges

Am letzten Wochenende gab es so etwas wie einen Schichtwechsel hier in Port-au-Prince. Die Medien-Leute verkleinerten ihre Teams. Manche reisten ganz ab. Helfer-Gruppen wurden ausgetauscht, Bergungstrupps flogen zurück. Was bleibt, sind die Menschen, die hier alles verloren haben. Deshalb bleiben auch wir. Nach vielem Hin und Her habe ich mich entschlossen, einige Tage Haiti zu verlassen, um kurz durchzuatmen und neue Kräfte zu sammeln. Ein erfahrener Kollege aus Deutschland kommt und wird meine Aufgaben solange weiterführen. Das hat schließlich den Ausschlag für meine Entscheidung gegeben. Aber den Gedanken, hier ganz wegzugehen, nicht weiter zu machen, den kann man ja gar nicht zulassen.

Aus unserem Team sind jetzt gerade zwei abgereist, meine Kollegin Regina Tauschek aus dem Büro in Port-au-Prince und die Pressesprecherin Simone Pott aus Bonn. Regina Tauschek hatte bei dem Erdbeben alles verloren und trotzdem unermüdlich weiter gearbeitet. Jetzt muss sie aber erst mal nach Hause. Und Simone Pott hat uns die ganze Presse-Arbeit abgenommen. Das war eine unglaublich große Unterstützung. Wir wollen ja, dass die Welt erfährt, was hier los ist. Dass die Menschen, die uns ihr Geld geben, wissen, was wir damit machen. Deshalb haben wir auch gerne Rede und Antwort gestanden. Aber ehrlich gesagt, war ich schon froh, dass Simone hier war. Für ein paar Tage kommt jetzt ein anderer Kollege aus Bonn hierher, der ihren Job weitermacht. Mal sehen, wie lange das Medien-Interesse noch anhält. Hoffentlich gerät Haiti nicht zu schnell auf die hinterste Seite der Zeitungen. Wir freuen uns jedenfalls auf unseren Kollegen.

Wir hoffen, dass wir in dieser Woche mit unseren Verteilungen von Nahrungsmitteln und auch Haushaltsdingen weitermachen können. Am vergangenen Donnerstag mussten wir ja vorzeitig abbrechen, weil wir zu wenige Sicherheitskräfte zugeteilt bekommen hatten. Das war sehr enttäuschend – nicht nur für die Menschen, die leer ausgingen sondern auch für uns. Wir haben zwar fast alles verteilt, aber weggehen gefällt mir grundsätzlich nicht. Doch die Situation war zu unübersichtlich geworden. Und das, obwohl die Haitianer mit einer unglaublichen Disziplin die Verteilung schon im Vorfeld selbst organisiert hatten. Da standen drei geordnete Schlangen vor unseren Lastwagen. Jeder Wartende trug ein Bändchen am Arm, damit wir sehen konnten, wer schon etwas bekommen hatte und wer nicht. Alles war wirklich erstaunlich gut vorbereitet. Aber Störungen gibt es eben immer, wenn Not groß ist. Das ist zwar frustrierend, wenn wir dann nicht zu Ende führen können, was so gut begonnen hat. Aber wir wissen ja, dass es weitergeht. Und mit mehr Sicherheit ist allen geholfen.
So, viel mehr kann ich heute nicht schreiben. Wir sitzen schon an den Projektplänen für den Wiederaufbau. Wir wollen in den Gebieten, in den wir vorher schon aktiv waren, unsere Arbeit wieder aufnehmen. Auch da hoffen wir, dass wir zügig beginnen können. Es gibt so viel zu tun. Manchmal möchte man dem Tag gern mehr Stunden geben und den Schlaf intensiver nutzen.

Bleiben Sie uns treu!

Ihr Michael Kühn

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2 Kommentare

  • Thomas Reinecke sagt:

    Ahoi Michael. Ruh dich aus. Chapeau! Wenn ich wieder nach Haiti komme helfe ich dir gerne. Gruß Thomas

  • Joerg Rosenow sagt:

    Moin Kühnus,

    es sind mehr als 30 Jahre ins Land gezogen, daß Du ein Kühnus von mir gehört hast. Ich verfolge aber ein ganz klein wenig Deinen Weg. Deine Mutter hält mich in recht groben Zügen auf dem Laufenden. Die schrecklichen Ereignisse des vergangenen Monats haben mich sehr aufgewühlt. In der Sendung von Anne Will habe ich mit großem Interesse Deinen Beitrag vernommen. Präzise und sehr informativ, herzlichen Dank für Deine Arbeit. Ich drücke Dir, Deiner Tochter und Deinen Kollegen für Eure und Haitis Zukunft die Daumen.

    Liebe Grüße

    Jörg Rosenow
    aus dem schneebedeckten Lütjensee/ Stormarn

    PS: Du siehst Deinem Vater, aus meiner Erinnerung heraus, zum Verwechseln ähnlich aus.

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