Pakistan: Mehl, Wasser und Bohnen für dankbare Flutopfer in Nowshera

Im August 2010 zerstörte eine Flut Leben, Hab und Gut in Pakistan. Jürgen Mika ist als Nothelfer vor Ort. © Grossmann

Liebe Leserinnen und Leser,
gerade bin ich nach einem anstrengenden aber auch erfolgreichen Tag ins Büro zurückgekehrt. Am frühen Nachmittag haben wir endlich das „go ahead“ der pakistanischen Sicherheitskräfte erhalten. Endlich konnten wir uns auf den Weg nach Nowshera machen. Dort haben meine Alliance2015-Kollegen von CESVI und ich dringend benötigtes Mehl, Trinkwasser, Bohnen, Linsen, Speiseöl und Salz an Flutopfer verteilt. Die Fahrt über verschlammte Straßen und geflutete Brücken war jedoch abenteuerlich: Erst ist der LKW mit den Hilfsgütern im Schlamm stecken geblieben und wir mussten ihn vollständig entladen. Dann ist bei einem unserer Fahrzeuge auch noch der Kühler übergekocht. Das war ärgerlich, denn wieder mussten wir anhalten und warten, bis der Wagen abgekühlt war. So kamen wir erst viel später an als geplant. Aber abgesehen davon sind wir alle sehr zufrieden mit der Verteilung.

In Nowshera hat sich das Wasser zwar zurückgezogen, aber die Spuren der Flut sieht man noch immer überall ganz deutlich. Die Straßen sind schlammig und die Fußböden in den Häusern sind mit braunem Matsch und Unrat bedeckt. In der Innenstadt hat die Flut einige alte Gebäude einfach weggespült oder stark beschädigt. Auf den Böden der noch stehenden Wohnhäuser türmen sich Hausrat und zerbrochene Möbel. Viele Menschen sind obdachlos und es fehlt ihnen das Nötigste zum Überleben. Obwohl die meisten Stadtbewohner  bei Beginn der Flut genug Zeit hatten sich in Sicherheit zu bringen, sind 78 Menschen ums Leben gekommen. Die Überlebenden müssen nun mit den Folgen der Flut kämpfen, dem Mangel  an Lebensmitteln und vor allem an sauberem Trinkwasser. Das stehende Wasser bedeutet eine große Seuchengefahr für die Bewohner der Stadt, das habe ich heute auch schon dem Tagesspiegel im Interview gesagt.

Die Hilfe von pakistanischen und internationalen Organisationen kommt nur langsam an. Zu viele Zugangsstraßen und Brücken sind zerstört. Überall wo ich hinkomme, spüre ich die Frustration der Bevölkerung. Deshalb ist es umso wichtiger, dass die Menschen in Europa und anderen reichen Ländern spenden, damit die Betroffenen hier in Pakistan nicht das Gefühl haben alleine gelassen zu werden. Das hat sich auch in Nowshera gezeigt: Die Dankbarkeit der Menschen war groß, als unsere 15-köpfige Truppe mit den Hilfsgütern in Nowshera ankam. Die Männer, die die Säcke mit Hilfsgütern entladen haben, lachten und freuten sich, dass endlich Hilfe kommt.  Wir konnten heute immerhin rund 700 Personen mit den nötigsten Nahrungsmitteln versorgen. Die Verteilung wurde von einem pakistanischen Polizisten geschützt. Er hat für Ruhe und Ordnung gesorgt, damit die Hilfe auch wirklich bei den Bedürftigen ankommt. Und so ist tatsächlich alles reibungslos abgelaufen.

Morgen fahre ich mit Giacomo Agosti, dem Nothilfe-Koordinator von Cesvi und zwei pakistanischen Mitarbeitern in den Norden des Landes nach Shangla, um den Hilfsbedarf der Menschen dort besser einschätzen und die nächsten Maßnahmen planen zu können.

Herzliche Grüße
Ihr
Jürgen Mika

P.S.: Bitte unterstützen Sie unsere Nothilfe mit einer Spende, die Betroffen sind auf unsere Hilfe angewiesen.

Bewerten Sie diesen Artikel: 1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Bisher keine Bewertungen)
Loading...

11 Kommentare

  • Spender sagt:

    Hallo Jürgen Mika,
    ganz vielen Dank, dass Sie trotz Ihres 17-Stunden Arbeitstages und den 3 Stunden Schlaf, die Ihnen bleiben, noch die Arbeit und Mühe auf sich nehmen und die Kraft und Konzentration aufbringen, uns solche ausführlichen und informativen Berichte zu schreiben.
    Es ist eine große Hilfe als Spender zu wissen, was mit dem vielen Geld vor Ort genau geschieht, da man es sich schwer vorstellen kann, dass so viele Millionen Euro, die z.B. von vielen Regierungen gespendet wurden, angesichts der Katastrophe nur sehr wenig sind.
    Sie schreiben, Sie haben heute 700 Personen mit Lebensmitteln versorgt. War die Versorgung jetzt nur für 1 Tag oder reicht die für einen längeren Zeitraum?
    Sind Sie eigentlich der einzige Mitarbeiter der Welthungerhilfe in Pakistan oder gibt es noch mehr?
    Die 500.000,00€, die die DWHH für Pakistan bereitstellt, übergeben sie die Ihren Partnerorganisationen, die vor Ort sind, oder wie läuft das?
    Bitte berichten Sie auch weiterhin!

  • Tanja Kunz sagt:

    Hallo erstmal!
    Ich habe selber nicht viel Geld möchte aber gerne Spenden zum beispiel habe ich 6 dünne Decken und Kinder kleidung ab größe 76 wohin Spende ich materielle Dinge?

  • Monika Mair sagt:

    Liebes Team, gern würde ich auch wieder mithelfen mit einer Geldspende – wie bereits getan bei z.B. Brot für die Welt oder Welthungerhilfe. Aber diesmal ist auch hier im „angeblich reichen Deutschland“ Wirtschaftskrise, die uns Rentner und Schwerbehinderte auch hart trifft.
    Daher appelliere ich an alle Reichen + Wohlhabenden weltweit, die armen Leute in der Flut mit ihren überschüssigen Mitteln reichlich + schnellstens zu versorgen. Herzlichen Dank, Monika Mair.

  • Martina Witten sagt:

    Was ist mit den Frauen? Auf keinem Foto sind Frauen zu sehen. Frauen essen traditionell als letzte in islamischen Kulturen. Wer sorgt für sie? Bilder von Evakuierungen zeigen riesige lange Schlangen voller Männer. Was passiert da?

    So lange nicht klar wird, dass konkrete und direkte Hilfe für Frauen geleistet wird, werden viele Frauen (und Männer?) zögern, für diese armen Menschen zu spenden.

  • Es ist schlimm, dass die betroffenen Menschen in Pakistan ihrer eigenen Regierung nicht trauen, wenn es um Hilfsleistungen geht. Was sollen dann die Spender glauben? Wird ihr Geld wirklich die Betroffenen erreichen? Wenn ausländische Hilfsorganisationen die Spenden in die betroffenen Orte bringen können, dann ist das sicherlich eine gute Lösung, zumindest für den Moment. Hilfe wird aber für einen längeren Zeitraum notwendig sein.

  • Jürgen Mika sagt:

    Liebe Tanja Kunz,

    ich finde es grossartig dass Sie darüber nachdenken, Sachspenden wie Decken und Kinderkleidung zu machen. Das Problem dabei ist allerdings der Transport. Um Sachspenden aus Deutschland nach Pakistan zu schaffen, kämen nur zwei Möglichkeiten in Betracht: per Luftfracht oder auf dem See-oder Landweg. Luftfracht ist im Verhältnis zum Wert der Waren zu teuer und die andere Alternative über Land oder See dauert viel zu lange. Hier vor Ort sind sämtliche Hilfsgüter vorhanden: Ich kann also die Geldspenden viel nützlicher für lokal beschaffte Hilfsgüter einsetzen, bei verhältnismäßig geringen Transportkosten und natürlich ganz wichtig………sehr schnell.
    Viele Grüsse
    Jürgen Mika

  • Simone Pott sagt:

    Lieber Herr Seifert,
    da Jürgen Mika vor Ort sehr beschäftigt ist, möchte ich als Pressesprecherin der Welthungerhilfe Ihre Frage beantworten. Sie möchten wissen, ob Ihr Geld wirklich die Betroffenen erreichen wird. Ich kann Ihnen versichern, dass das der Fall ist. Die Welthungerhilfe kann auf die Erfahrung von fast 50 Jahren erfolgreicher Entwicklungszusammenarbeit zurückblicken. Nach einer Katastrophe versorgen wir im ersten Schritt die Opfer mit dem, was am dringendsten benötigt wird: Nahrungsmittel, Trinkwasser, Zelte und Seife. Diese Hilfsgüter werden vor Ort oder in der Region gekauft und gemeinsam mit unseren langjährigen europäischen und einheimischen Partner an Menschen verteilt, die auf Hilfe angewiesen sind. Wir arbeiten also ohne die pakistanische Regierung und geben keine Hilfsgüter oder Gelder an staatliche Stellen. Aber wir tun mehr, als den Menschen nur kurzfristig nach einer Katastrophe zu helfen. Unser Leitbild ist „Hilfe zur Selbsthilfe“. Wenn die akute Not nach einer Katastrophe gelindert wurde, konzentrieren wir uns auf Maßnahmen, die dazu dienen, dass sich die Menschen langfristig wieder selbst versorgen können. Das bedeutet zum Beispiel, dass wir beim Wiederaufbau von Straßen, Brücken und Schulen genauso helfen wie dabei, die zerstörten Felder wieder fruchtbar zu machen. Das können Sie am Beispiel unserer Aktivitäten in Haiti sehen.

    Herzliche Grüße
    Ihre Simone Pott, Pressesprecherin der Welthungerhilfe

  • Simone Pott sagt:

    Liebe Frau Witten,
    Sie sorgen sich, dass Frauen keine Hilfe erhalten, weil sie auf den Bildern nicht zu sehen sind. Wir können Ihnen versichern, dass unsere Hilfspakete bei den weiblichen Flutopfern ankommen, auch wenn sie nicht auf den Bildern zu sehen sind. Ganz allgemein achtet die Welthungerhilfe bei allen Maßnahmen darauf, dass Frauen besonders berücksichtigt werden. Auf den Bildern sieht man keine Frauen, da diese sich zum einen in Pakistan vorwiegend im Haus aufhalten. Verteilungen sind „Männersache“ sagte uns die 20-jährige Sidra aus dem Dorf Kalam. Zum anderen gibt es ganz praktische Gründe: Die Menschen müssen häufig ein bis zwei Tagesmärsche mit den 20 bis 30 Kilogramm schweren Säcken mit Hilfsgütern zurücklegen. Frauen können sich in der Regel nicht so lange von zu Hause entfernen, da sie für die Kinder verantwortlich sind. Dennoch sind wir sicher, dass sie versorgt werden, da die Menschen in Pakistan traditionell in enge Familienstrukturen eingebunden sind und das Verantwortungsgefühl füreinander sehr stark ausgeprägt ist.

    Herzliche Grüße
    Ihre Simone Pott, Pressesprecherin der Welthungerhilfe

  • Sandra Heuberger sagt:

    Frauen haben es nirgendwo auf der Welt leicht. Wie weniger gebildet eine Gesellschaft ist, desdo mehr werden die Frauen unterdrückt.

    Dass dann in einer solchen Notsituation, die Pakistanischen Männer ihr Leben über das ihrer Frauen stellen wundert mich daher nicht.

  • S. Thoms sagt:

    Sehr geehrte Frau Pott,

    in der heutigen Sendung im ZDF hat mich ein Junge sehr beeindruckt, welcher für die notleidenen Kinder Kuscheltiere gesammelt hat. Sein Gedanke den Kindern einen Begleiter an die Seite zu stellen, wo sie Trost finden, hat mich sehr berührt.

    Ich selber würde auch gerne eine Sachspende in Angriff nehmen. Kleidung, Spielzeug, etc.. Wo könnte man diese Spende hinschicken? Macht dies überhaupt Sinn?

    Über eine kurze Info wäre ich Ihnen sehr dankbar.

    Herzliche Grüße
    S. Thoms

  • Simone Pott sagt:

    Sehr geehrte S. Thoms,
    ich freue mich sehr, dass Sie sich für die Flutopfer in Pakistan engagieren wollen.
    Wie mein Kollege Jürgen Mika oben schon geschrieben hat, ist es sehr teuer, Sachspenden nach Pakistan zu bringen. Die Welthungerhilfe hat es sich zur Leitlinie gemacht, Hilfsgüter im jeweiligen Land oder in der Region zu kaufen. Dies ist nicht nur kostengünstiger, sondern bindet auch die einheimische Wirtschaft mit ein. Wenn Sie die Menschen unterstützen wollen, spenden Sie für unser Nothilfe in Pakistan.
    Herzliche Grüße
    Simone Pott

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.



Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir Ihren Kommentar erst prüfen, bevor dieser auf der Webseite erscheint. Weitere Informationen finden Sie in unserer Blog-Netiquette.