G20-Afrika-Partnerschaft auf Augenhöhe – auch für arme Länder!

Kleinbauern produzieren den Großteil der Nahrung in Malawi.
Kleinbauern produzieren den Großteil der Nahrung in Malawi und sind gleichzeitig am stärksten von Ausgrenzung, Hunger und Armut betroffen. © Rosenthal

Am 7. und 8. Juli blickte die Welt nach Hamburg. Nachdem die G7 ihrem Versprechen zur Agenda2030 nicht nähergekommen sind, gewann der G20-Gipfel noch mehr an entwicklungspolitischer Bedeutung. Im Rahmen der deutschen G20-Präsidentschaft hat die Bundesregierung das Thema Partnerschaft mit Afrika als einen ihrer Schwerpunkte gewählt. Das war ggut so. Diese Partnerschaft muss aber auf Augenhöhe sein, gemeinsam mit den Afrikanern mitverhandelt werden und die Afrika-Politik muss stärker an die Bedürfnisse der einzelnen Länder angepasst werden.

G20-Schwerpunkt: für Malawi weit entfernt

Zugegeben, für Malawi als eines der ärmsten Länder Afrikas, sind die Themen der G20-Afrika-Partnerschaft sehr weit weg. Der G20-Schwerpunkt liegt auf der Verbesserung der Rahmenbedingungen für Privatinvestitionen. Das ist zweifellos ein nützlicher Ansatz, allerdings wird es für Malawi sehr schwierig sein, im Wettbewerb um private Investitionen mit wirtschaftlich stärkeren Ländern Afrikas, wie zum Beispiel Senegal oder Ghana, zu bestehen. Außerdem fehlt es in Malawi schlicht an den Grundlagen, auf denen Investitionsprogramme ansetzen könnten. Deshalb ist es jetzt umso wichtiger, dass dieses Land nicht den Anschluss verliert.

In der Schulküche

Kinder in der All Angels Schule in Salima, Malawi, erhalten im Rahmen eines Welthungerhilfe Projekts einmal täglich eine warme Mahlzeit. © Rosenthal

Um dies zu verhindern, braucht Malawi zuallererst Hilfe: um den Hunger im Land zu überwinden, um seine landwirtschaftliche Produktivität zu steigern und um sein Bildungs- und Gesundheitssystem und die ländliche Infrastruktur auszubauen. Wichtig ist auch, dass die Rechte der Kleinbauern gestärkt und Einkommensmöglichkeiten im ländlichen Raum geschaffen werden. Die Kleinbauern produzieren hierzulande die meisten Lebensmittel und sind gleichzeitig am stärksten von Ausgrenzung, Hunger und Armut betroffen. Die Förderung umweltfreundlicher Anbaumethoden für Ernährungssicherheit ist ebenfalls zentral.

Klimawandel führt zu Hunger

Hinzu kommt, dass der Klimawandel auch in Zukunft für extreme Wetterverhältnisse sorgen wird. Positive Entwicklungen werden leider oft durch Naturkatastrophen zurückgeworfen. So hat El Niño 2015/2016 in Malawi eine schwere Hungerkrise verursacht und die wirtschaftliche Entwicklung eingeschränkt. Viele Krisen sind vorhersehbar und ihre Auswirkungen können gemildert werden, wenn das Risiko frühzeitig erkannt und darauf reagiert wird. Dafür benötigt es aber Finanzierungsmaßnahmen, die schon vor dem Ausbruch einer Krise Mittel zur Verfügung stellen.

Trotzdem hat Malawi durchaus das Potenzial, den Anschluss zu schaffen. Es ist ein friedliches Land mit einer demokratisch gewählten Regierung und es gibt eine organisierte Zivilgesellschaft. Dies eröffnet uns viele Chancen, gerade im Bereich der ländlichen Entwicklung Selbsthilfekräfte zu wecken, um die Menschen aus dem Hunger zu holen. Die Rolle der Zivilgesellschaft als Entwicklungsakteur sollte im Rahmen einer Partnerschaft mit Afrika deshalb gewürdigt und gestärkt werden.

Für eine Partnerschaft auf Augenhöhe

Gerade mit Blick auf die politische Stabilität und den offenen Zugang für Hilfsorganisationen sind die Rahmenbedingungen für eine Partnerschaft mit Malawi gut. Grundvoraussetzungen für eine Partnerschaft auf Augenhöhe sind aber immer Respekt und ein genaues Verständnis für die Kultur und Lebensumstände der Menschen, denen wir helfen wollen. Die Menschen in Malawi haben aber zum Beispiel nicht den gleichen Drang zur Optimierung, Innovation und Individualisierung wie die Menschen im Westen.

Entwicklung ist ein Weg der Veränderung, auf dem wir unsere Partner begleiten und unterstützen können. Laufen müssen sie jedoch selber, und sie müssen sich selbst das Entwicklungsziel setzen. Unsere Unterstützung darf nicht blind und bedingungslos sein. Malawi hat ein großes Korruptionsproblem, daher sind Rechenschaftspflicht und Transparenz sehr wichtig für uns. Im Bereich der Planung ist es zentral, mit den Partnern ein realistisches Entwicklungsziel zu finden. Die Entwicklungszusammenarbeit muss Ambitionen mit dem realistisch Möglichen in Balance bringen. Damit sich Länder wie Malawi weiterentwickeln können und nicht zurückgelassen werden.

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