Peru – Eindrücke meiner ersten Projektreise Von stolzen Menschen und spontaner Hilfsbereitschaft

Mitten im Amazonas-Dschungel – die gute Maisernte weckt Hoffnung auf Hühnerzucht.
Mitten im Amazonas-Dschungel – die gute Maisernte weckt Hoffnung auf Hühnerzucht.

Ein Ergebnis vorweg: das, was ich von den Menschen in den Projekten, von unseren lokalen Partnern und von unseren Mitarbeitern vor Ort gesehen und gehört habe, hat mir noch einmal eindrucksvoll bestätigt, was für eine wichtige Bedeutung unsere Arbeit hat – und dass ich genau bei der richtigen Organisation gelandet bin. Ich hatte die Kollegen aus dem Programmbereich gebeten, mich dorthin zu schicken, wo ich den besten Mehrwert liefern könnte – und die erste Wahl fiel auf: Peru.

Einem Land, dass zwar erhebliche Fortschritte im Welthungerindex zu verzeichnen hat, in dem die Menschen aber nach wie vor gegen starke Unterernährung (insbesondere bei Kindern)und soziale Ungleichheit kämpfen. Nach etwas über 4 Monaten bei der Welthungerhilfe war dies für mich in doppelter Hinsicht interessant:meine erste Berührung mit unserer Projektarbeit vor Ort – und (obwohl ich ja Lateinamerikaner bin) mein erstes Mal in Peru.

Besucht haben wir zusammen mit Eberhard Seiler, Regionalkoordinator für Lateinamerika und die Karibik, und Richard Haep, Regionalkoordinator Bolivien, Ecuador, Peru, eine ganze Reihe verschiedener Projekte in den Hochanden in der Region Cuzco und ein Projekt mit einer indigenen Gemeinschaft im Amazonasurwald in einer Pufferzone des Nationalparks Manu. Ernährungssicherung, Katastrophenvorsorge, Bewältigung der Folgen des Klimawandels und Stärkung der Zivilgesellschaft waren die wesentlichen Themen.

Ich war beeindruckt von der Professionalität unserer Partner, der Effektivität der Maßnahmen und dem einfühlsamen Vorgehen, dass die Menschen ernst nimmt und sie sichtbar empowered. Aber ich merke, dass es vor allem die kleinen Dinge sind, die unerwarteten Bilder – jenseits der technischen Fakten, die wir typischerweise evaluieren – die in mir haften bleiben: das prall gefüllte Bücherregal in einer mit Wellpappe tapezierten 1-Raum-Wohnung in einem Elendsviertel; die Leiste mit Zahnputzbechern und –bürsten an der Wand des Bildungszentrums unserer Partnerorganisation Puririsun im gleichen Elendsviertel; eine 11-jährige Schülerin, die äußerst konzentriert ihre Physikhausaufgaben macht; die Bäuerin, die als einzige in ihrem Dorf – neben den von uns geförderten Feldern und Gemüsegärten – einfach um ihr Haus herum Blumen angepflanzt hat (was für ein Zeichen der Zuversicht und Lebensfreude!); die Solar-Warmwasserdusche aus schwarz bemalten Plastikflaschen; die monatlichen Arbeitspläne auf Packpapier, die mir die Bauern auf Quechua stolz erläutern. Und als roter Faden: Menschen, die stolz und selbstbewusst – Frauen wie Männer – über das berichten, was sie mit unserer Unterstützung für sich und ihre Kinder erreicht haben und dabei einen ansteckenden Lebensmut ausstrahlen.

Dazwischen: Sonntag, andere Leute gehen ins Kino, um etwas Spannendes zu erleben, uns wird das Abenteuer frei Haus geliefert: müssen wieder über den Fluss Carbón, durch Regenfälle über Nacht stark angeschwollen, aber die einzige Verbindung zurück. Keine Brücke, keine Fähre, müssen also mitten durch. Bleiben stecken, zuerst im Schlamm, dann mitten im Fluss. Spontane Hilfsbereitschaft, die nichts im Gegenzug erwartet, hilft uns in beiden Fällen raus und rettet unseren Kleinlaster. Hilfe zur Selbsthilfe im besten Sinne – diesmal mit uns auf der empfangenden Seite.

In den Gesprächen mit lokalen Regierungsvertretern merke ich, welche Wirkung wir über die konkreten Projekte hinaus entfalten. Nicht nur, dass unsere Partnerorganisationen es geschafft haben, insbesondere auf Kommunalebene in einen intensiven Dialog mit den Behörden zu treten, der sich auch in neuen Prioritäten und Budgets niederschlägt – sie tragen auch dazu bei, dass unterschiedliche Regierungsstellen miteinander reden, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

 

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8 Kommentare

  • tinaton sagt:

    es ist bestimmt schrecklich die menschen dort so leiden zu sehen !!!!
    dennoch ziehe ich vor jedem den hut, der sich mit den problem dieser fernostländer auseinandersetzt und trotz dieser leere, helfen will.

    liebe grüße

    tina

  • Claus sagt:

    Peru ist ein unglaublich tolles Land, welches viele aus Europa einfach zu selten zu besuchen. Obwohl die Menschen dort doch sehr arm sind, haben die eine unglaubliche Lebensfreude und wir ( die meckergeneration ) können von diesen Menschen eigentlich noch sehr viel lernen.

  • Claus sagt:

    Es ist ein sehr schönes Land mit tollen Menschen. Man müßte den Tourismus eigentlich deutlich mehr fördern, dann würden dort viel mehr Menschen hinfliegen und sich das Land einmal anschauen.

  • Pilar sagt:

    Ich bin Peruanerin und ich danke Ihnen fuer das tolle Projekt und die Arbeit in meiner Heimat :)

  • Sebastian sagt:

    Sehr schöner Artikel zu Ihrem Projekt in Peru. Trotzdem schade, dass der letzte Beitrag hier schon fast ein Jahr alt ist.

  • Thomas Neumaier sagt:

    Bei allen Organisationen, die sich mit der internationalen Zusammenarbeit befassen, lese ich seit Jahrzehnten, dass ihre Projekte erfolgreich verlaufen, ihre Mitarbeiter überaus motiviert und engagiert arbeiten, die eingesetzten Finanzmittel zielführend wirken und es nirgendwo an erfreulichen Ergebnissen mangelt. Doch diesen erfreulichen und oft von versierten PR-Leuten verfassten Berichte stehen Länder-Analysen gegenüber, die dem Beobachter Schrecken, Hoffnungslosigkeit und Frustration vermitteln. Wenn ich mich in den über 80 Entwicklungsländern etwas genauer umsehe, in denen ich bisher dienstlich zu tun hatte, dann treffe ich dort fast immer auf miserable Rahmenbedingungen. Schade, dass auch die Organisationen, die sich redlich um nachhaltige Erfolge in den Partnerländern bemühen, nicht kritischer in ihrer Berichterstattung und Aufklärung vorgehen. Ich wünsche mir, dass der Finger häufiger in die “Wunden” der Korruption durch die politisch Verantwortlichen der Staaten des Südens und ihrer Klans gelegt werden. Stolze Menschen sollten auch von ihren Regierungen die menschenwürdig behandelt werden.

    • katharina sagt:

      Hallo Herr Neumaier,
      vielen Dank für Ihren Kommentar. Es ist absolut richtig, dass in vielen Entwicklungsländern die Rahmenbedingungen schwierig sind. Deshalb bringt sich die Welthungerhilfe ja auch ein. Wir wollen die Menschen in den Projektländern dabei unterstützen, ihre Chance auf ein selbstbestimmtes Leben in Würde und Gerechtigkeit wahrnehmen zu können. Für uns gehört es auch dazu, über Probleme und Schwierigkeiten in unserer Arbeit zu berichten. Auch in dem obigen Artikel über Peru wird nicht nur alles positiv dargestellt. Doch die Kooperation mit unseren peruanischen Partnern und den Menschen in den Projektgebieten ist wirklich erfolgreich, und das möchten wir auch gern mitteilen. Und darauf sind die Menschen in dem Land auch stolz. Es ist für uns sehr motivierend zu sehen, dass unsere Unterstützung greift und Erfolge erkennbar sind. In diesem Beispiel ist die Bevölkerung inzwischen in einen direkten Dialog mit Regierungsstellen getreten, um ihre Rechte einzufordern und die Umsetzung zu sichern. Das ist eine gute Entwicklung, finden wir. Die Welthungerhilfe berichtet durchaus auch kritisch und bemüht sich um Aufklärung. Dies können Sie z.B. an unserem Bericht zum Welthunger-Index ablesen. Alle Infos dazu finden Sie hier: http://www.welthungerhilfe.de/welthungerindex.html
      Herzliche Grüße
      Ihr Welthungerhilfe-Team

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