Reise auf die Philippinen: „Nicht nur ein Haus, sondern ein Zuhause“

Fast fertig: Es fehlt nur noch die Fassade.
Fast fertig: Es fehlt nur noch die Fassade.

Am 8. November 2013 fegte der wohl bisher stärkste Taifun aller Zeiten über die Philippinen hinweg. Yolanda, wie er in den Philippinen genannt wird, zerstörte unzählige Häuser, tötete 4.000 Menschen und machte Hunderttausende obdachlos.

Nach einer ersten Phase der Nothilfe machte sich die Welthungerhilfe in der Folge daran, Häuser wieder aufzubauen bzw. Häuser für Menschen zu bauen, die bisher gar keine Häuser besaßen, sondern nur einfachste Hütten oder Unterstände. Das taten auch viele andere Hilfsorganisationen, da dies dem dringendsten Bedarf der Menschen entsprach. Aber in welcher Weise sollten Häuser gebaut werden? Auf jeden Fall sollten die Häuser zukünftigen Stürmen besser standhalten, also nach dem Motto „building back better“.

Die Welthungerhilfe und die beiden Partner PRRM und CapizNED sind dabei, 1.750 Häuser für Menschen zu bauen, die zu den Ärmsten der Armen gehören. Gebaut wird auf der Insel Panay, wo die Welthungerhilfe direkt nach der Katastrophe erste Nothilfe geleistet hatte. An den drei Standorten Pilar, Aklan und Roxas werden Häuser gebaut, die einem einheitlichen Design folgen. Sie sind aus Kokospalmenholz gefertigt, stehen auf schweren Betonfüssen mit Verankerungen, sind verschraubt und an den Verbindungsstellen verstärkt und sind mit weitgehend lokalen Materialien gebaut. Der Projektleiter Jürgen Hofmeister: “Wir haben darauf geachtet, die Empfehlungen des sogenannten Shelter Cluster zu befolgen, das heißt an den entscheidenden Stellen die herkömmliche Bauweise zu verändern “. Das Shelter Cluster der Vereinten Nationen setzt die Standards für den Wiederaufbau von Häusern, wobei es jeder Hilfsorganisation überlassen ist, welches genaue Design die Häuser erhalten.

Alle packen mit an

Ich schaue mir ca. 30 Häuser in unterschiedlichem Baufortschritt an. Die Häuser werden soweit es geht in einer Art Bausatz an die Baustelle geliefert. Die zukünftigen Besitzer und die Nachbarschaft helfen mit, die schweren Fundamente und Kokoshölzer zu transportieren, teilweise hunderte Meter weit. Dann geht es schnell, innerhalb von zwei Tagen steht der Rohbau. Danach geht es an die Wände, die zumeist aus Bambus gefertigt werden.

Ich erfahre eine unglaublich große Dankbarkeit der Menschen, betone immer wieder, dass das Geld für den Hausbau von Spenderinnen und Spendern aus Deutschland kommt. Die Welthungerhilfe garantiert, dass das Geld vernünftig ausgegeben wird.

Endlich ein Zuhause

Unsere kleine Delegation geht einen steilen Hang hinauf, ein Armenviertel von Roxas. Der steile Hang ist sehr dicht besiedelt, die Häuser berühren sich fast, so eng stehen sie beieinander. Alle haben hier wenig bis nichts. „Ich habe mit meinen Kindern nicht nur ein Haus, sondern endlich ein Zuhause“, sagt die alleinerziehende Mutter von drei Kindern. Sie zeigt mir den Unterschlupf, in dem sie vorher gewohnt hat, für mich unvorstellbar. „Endlich können die kleinen Kinder auf dem Bambusboden krabbeln, der Unterschlupf hatte ja nur einen Boden aus Erde“, sagt sie sichtlich stolz.

Auf dem Land schauen wir uns weitere Häuser an, sprechen mit den Familien und fragen, was sie am Tag verdienen. Oft sind es zwischen 2 und 4 Euro am Tag. Das ist selbst auf den Philippinen sehr wenig, aber auch nicht ungewöhnlich.

Neue Perspektiven öffnen

Die Häuser der Welthungerhilfe haben einen Materialwert von 670 Euro, sie sind einfach, für die neuen Besitzer jedoch von allergrößtem Wert. Schwierig sind die Eigentumsverhältnisse. Auf den Philippinen ist Großgrundbesitz weit verbreitet. Wenige Menschen besitzen große Teile des Landes. Gerade diejenigen, die wir erreichen wollen, besitzen in der Regel kein Land. Das bedeutet, dass der Eigentümer einwilligen muss, dass das Haus auf seinem Grund gebaut werden kann. Eine Frau zeigt mir ein Zertifikat, ausgestellt von der Gemeindeverwaltung. Es bescheinigt, dass sie das Haus nun besitzt und den Grund nutzen darf. Ich habe am Ende den Eindruck, dass unsere Partnerorganisationen, unsere Kolleginnen und Kollegen hier einen wirklich guten Job machen und den Menschen eine neue Perspektive geben. Die Bürgermeister unterstützen, wo es geht.

Meine Reise wird von den Nachrichten um den Sturm Niklas in Deutschland und einen herannahenden Taifun mit dem Namen „Chedong“ begleitet. Ein bedrückendes Gefühl zu wissen, dass Yolanda wahrscheinlich nicht der letzte Taifun war, und wie schlimm es sein muss, in einer Hütte auszuharren oder die Hütte mit den wenigen Habseligkeiten davon wehen zu sehen. Immerhin haben viele Familien dank der internationalen und nationalen Unterstützung nun ein sichereres Zuhause.

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