Kompass 2030: Reden ist Silber – Handeln ist Gold

Mit dem klaren und unmissverständlichen Aufruf WALK THE TALK! wenden sich terre des hommes und Welthungerhilfe im neu erschienenen „Kompass 2030“ an die frisch gewählten Abgeordneten, Sondierer und Verhandler aus der Politik. „Nicht nur reden, sondern auch handeln“ ist die Aufforderung. Denn Papier scheint heute geduldiger denn je.

Mehr für die ärmsten Länder wollte man in der letzten Legislaturperiode bereitstellen – das Gegenteil ist passiert: mit 0,08 Prozent des Bruttonationaleinkommens hat man sich gegenüber dem Vorjahr sogar noch weiter von der international vereinbarten Zielmarke 0,15-0,2 Prozent entfernt. Das mag wie akademische Besserwisserei klingen, aber sollten nicht gerade die ärmsten und verwundbarsten unterstützt werden? Real ist, dass die ärmsten Länder (LDC) gerade mal ein Siebtel der Mittel der deutschen Entwicklungszusammenarbeit erhalten. Welches die Top-10-Empfängerländer sind? Die Antwort mag überraschen:

Agenda 2030 ist wichtig und richtig? Ja, sagt auch das BMZ. Und unterstützt die Umsetzung in vielen Ländern. Finden wir gut! Besser wäre natürlich, wenn wir Änderungen nicht nur bei anderen einfordern, sondern selbst auch angehen. Aber z.B. setzt sich Deutschland in der Klimapolitik zwar hehre Ziele, schafft aber die Umsetzung, z.B. bei Verkehr oder Kohle, nicht wirklich. Auch bei uns muss vieles anders werden, wenn wir den Kollaps des Planeten vermeiden wollen. WALK THE TALK!

Die Agenda 2030 gemeinsam umsetzen

Oder die Zivilgesellschaft: Wirklich eine tragende Säule der Entwicklungszusammenarbeit! Und hat so viele komparative Vorteile! Sagt nicht etwa der Verband der entwicklungspolitischen NRO, sondern das BMZ selbst. Ergebnis? Deutschland landet auf Platz 24 von 30 DAC-Staaten, was die Förderung der Entwicklungszusammenarbeit durch zivilgesellschaftliche Organisationen betrifft und kassiert schon zum zweiten Mal die OECD-Empfehlung, die Kooperation mit der Zivilgesellschaft strategischer zu gestalten. Fanden wir gut und haben deshalb im Kompass einen konkreten Vorschlag gemacht: einen neuen Haushaltstitel zur Förderung von Programmen zur Umsetzung der Agenda 2030 durch zivilgesellschaftliche Organisationen. Wir dürfen gespannt sein.

Mit der Hungerbekämpfung hingegen kann es in der nächsten Legislaturperiode nur bergauf gehen. 727 Kandidaten für den Bundestag haben auf unsere Anfrage geantwortet, viele von ihnen wurden gewählt. 89 Prozent von ihnen messen Hunger- und Armutsbekämpfung eine hohe Bedeutung zu, 91% würden die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit erhöhen. WALK THE TALK! möchte man ihnen ermunternd zurufen. Klar, im nächsten Kompass schauen wir ihnen dazu erneut in die Karten.

Über den Kompass 2030

Der „Kompass 2030“ ist die Weiterentwicklung des jährlichen Berichts zur „Wirklichkeit der Entwicklungspolitik“, den terre des hommes und Welthungerhilfe seit 1993 herausgeben. Er unterzieht weiterhin die deutsche Entwicklungspolitik einer kritischen Analyse, berücksichtigt dabei aber insbesondere die Anforderungen der 2015 beschlossenen UN-Nachhaltigkeitsagenda an die deutsche Politik.

Mehr zum Thema

Bewerten Sie diesen Artikel: 1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Bisher keine Bewertungen)
Loading...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.



Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir Ihren Kommentar erst prüfen, bevor dieser auf der Webseite erscheint. Weitere Informationen finden Sie in unserer Blog-Netiquette.