Rohingya kämpfen in Bangladesch ums Überleben

Kinder warten im Flüchtlingslager Cox's Bazar auf die Nothilfe (Foto: © Disha Uppal/Welthungerhilfe)

Das, was gerade in Cox’s Bazar in Bangladesch geschieht, ist beispiellos und unvorstellbar. Tag für Tag erreichen mehr und mehr Rohingya das Auffanglanger in Bangladesch. Seite Ende August suchen hier über 615.000 Menschen Schutz und täglich steigt die Zahl der Neuankommenden.

„Vor einigen Tagen besuchte ich dieses Camp und da gab es in dieser Gegend noch nicht so viele Zelte,“ berichtet Mohammad Jakariya, der für den lokalen Partner der Welthungerhilfe Anando arbeitet. Während er mich durch das Innere des Bhalu Khali Camps führt, sagt er,

„Hier links konnte man bis vor kurzem noch Bäume sehen. Ich bin erstaunt darüber, wie schnell dieses Gebiet in eine Siedlung verwandelt wurde und die Zelte sprießen.“

Verteilt in vielen Camps hausen im Unterdistrikt Ukhia tausende verzweifelter Familien in provisorischen Unterkünften aus brüchigen schwarzen Plastiklaken. Familien, die schon vor einigen Jahren kamen, leben in der Nähe der Hauptstraße. Die gerade angekommenen Rohingya haben keine andere Wahl, als im Inneren des Camps oder auf den Hügeln zu siedeln. Der Weg von dort zur Hauptstraße ist weit und bei Regen sumpfig und rutschig. Es ist extrem schwierig, die Menschen in diesen überfüllten Gebieten zu erreichen. Zahllose enge und schlammige Passagen machen die Verteilung von Hilfsgütern und medizinischer Hilfe kaum möglich.

Eine Rohingya-Familie baut ein Zelt auf (Foto: © Disha Uppal/Welthungerhilfe)

Armee und humanitäre Hilfsorganisationen geben ihr Bestes, um die Hilfsmittelverteilung zu organisieren. Sie werden unterstützt von den sogenannten Majhi, den im Camp gewählten Vertretern der Geflüchteten. Jeder Majhi spricht für etwa einhundert Familien, in manchen Fällen sind es jedoch weit über 170. Er verteilt in seinem Verantwortungsgebiet die Wertmarken, mit denen sich die Familien ihre Rationen abholen können. Der jeweilige Majhi ist auch die Verbindungsstelle zu den Hilfsorganisationen und der Armee. Wird dringend etwas gebraucht, gibt er Bescheid, denn in der Versorgung der Campbewohner gibt es offensichtlich noch viele Schwachstellen. „Ich habe 173 Familien zu betreuen. Wir haben bis jetzt 25 kg Reis bekommen, aber keine Linsen oder Gemüse,“ sagt Azizul Haq, ein Majhi aus dem Gondum Camp, der mit seiner Familie aus der Maungdaw Region gekommen ist.

 

Der Majhi Azizul Haq ist für über 170 Familien im Gondum Camp verantwortlich (Foto: © Disha Uppal/Welthungerhilfe)

Sechs Rohrbrunnen wurden in dem Gebiet installiert, doch nur vier davon funktionieren. Es gibt keine Waschräume und die vorhandenen Toiletten reichen nicht aus. „Wir haben sechs Toiletten für 173 Familien. Stellen Sie sich das vor! Wir haben auch keine separaten Toiletten für Frauen. Alle, die hier her kommen um uns zu helfen, bitten wir, mehr Toiletten zu bauen.“ sagt Azizul Haq.

 

Die provisorischen Toiletten (Foto: © Disha Uppal/Welthungerhilfe)

Zu wenig sanitäre Anlagen und ein besorgniserregender Mangel an Hygiene – die Bedrohung durch Epidemien wie Durchfall, Cholera und andere, durch Wasser übertragene Krankheiten ist immens hoch. Das Camp in Cox’s Bazar benötigt dringend Unterstützung. Sowohl Lebensmittel, Trinkwasser und Unterkünfte als auch Gesundheits-, Hygiene-, Sanitäre Versorgung und Endbindungshilfe sind gefragt. Die Vereinten Nationen vermutet, dass noch bis zu 1,2 Millionen Geflüchtete das Camp erreichen werden. Um diese riesige Zahl von Menschen versorgen zu können, werden lt. UN mindestens 430 Millionen US-Dollar benötigt werden. Davon sind, wie im Umfeld der internationalen Geberkonferenz am 23.Oktober monieret wurde, erst ein Viertel gedeckt.

Über ihre langjährige, einheimische Partnerorganisation Anando versorgt die Welthungerhilfe im Distrikt Cox’s Bazar 2.600 Familien mit Nahrungsmitteln. Ein Experte des Nothilfe-Teams der Welthungerhilfe unterstützt die Partner, um die Aufstockung der Hilfe zu organisieren.

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