Sechs Monate nach dem Beben in Haiti: Versprechen gibt man, um sie einzuhalten!

Auch stabil gebaute Gebäude, wie dieses fünfstöckige Haus, sind beim starken Beben in Haiti eingestürzt. © REUTERS / Joel Trimble www.alertnet.org
Auch stabil gebaute Gebäude, wie dieses fünfstöckige Haus, sind beim starken Beben in Haiti eingestürzt. © REUTERS / Joel Trimble www.alertnet.org

Ich erinnere mich noch gut an den frühen Morgen nach dem Erdbeben in Haiti. Das Notfallhandy klingelte, die Kollegin aus Bonn gab mir Zahlen und Fakten durch. „Komm’ am besten sofort ins Büro und bring Deinen Pass gleich mit“, sagte sie noch.
Die wenigen ersten Nachrichten von der Insel genügten, um zu wissen, dass hier eine der schlimmsten Naturkatastrophen der letzten Jahrzehnte stattgefunden hatte. Zusammen mit meinen Kollegen aus dem Nothilfeteam verließen wir noch am selben Abend ein kaltes, verschneites Deutschland und erreichten am übernächsten Tag Haitis Hauptstadt Port-au-Prince: heiß, stickig – und völlig zerstört!

Wir blieben ein paar Wochen, um die ersten Nothilfemaßnahmen auf den Weg zu bringen: Verteilung von Trinkwasser und Nahrungsmittel und dann Planen und Kochgeschirr. Die Nothelfer der ersten Stunde haben die Insel inzwischen wieder verlassen. Ob wir wiederkommen und dann länger bleiben würden, haben uns viele Menschen gefragt. „Das werden wir!“, haben wir fest zugesagt. Die Welthungerhilfe hat von Anfang an bekräftigt, dass das Engagement nach dem Erdbeben mindestens fünf Jahre dauern wird. So wie wir das Land schon vorher in den Jahren der politischen Unruhen unterstützt haben, so werden wir es auch jetzt  nicht allein lassen. Und wir haben unser Wort gehalten!

In den letzten Wochen sind neue Kollegen als Fachkräfte nach Haiti ausgereist. Ihr Job ist es nun, die langfristigen Aufbaumaßnahmen umzusetzen, die den Menschen eine neue Chance auf Einkommen und Ernährung geben. Mit „Cash for work“-Maßnahmen, also Arbeiten gegen einen Stundenlohn, erhalten Tausende ein tägliches Einkommen. Sie helfen mit, den Schutt aus den Städten abzutragen.

Doch auch der Norden und Osten des Landes brauchten Hilfe bei der Bewältigung der Folgen des Erdbebens. 500.000 Menschen waren nach der Katastrophe aus der Stadt geflüchtet. Die Nahrungsmittel reichten nicht mehr aus, um die wachsende Bevölkerung zu ernähren. Deshalb wird in den Dörfern Saatgut verteilt. Die Bewässerungskanäle für die Landwirtschaft werden ausgebessert und andere Infrastrukturprojekte umgesetzt.

Leider haben aber nicht alle ihre Versprechen bis jetzt erfüllt. Die internationale Staatengemeinschaft hatte auf der großen Geberkonferenz im März knapp zehn Milliarden Dollar bereitgestellt. Eine große Summe für ein kleines Land. Bisher ist allerdings nur ein Bruchteil der Gelder wirklich gezahlt worden. Die Menschen in Haiti sind nun doppelt gestraft. Weil ihre Regierung als unzuverlässig und korrupt gilt, zögern viele Geldgeber. Und die Regierung selbst erweist sich in der Stunde der Not als entscheidungs- und handlungsunfähig. Noch immer sind keine Plätze für Notunterkünfte am Rande von Port-au-Prince ausgewiesen worden. Wegen der unklaren Besitzverhältnisse wissen tausende Menschen nicht, wo sie ihre Übergangshütten errichten sollen. So können auch die Hilfsorganisationen nicht so schnell den Aufbau unterstützen, wie es notwendig wäre.

Es wird Jahre dauern, bis die Schäden des Erdbebens beseitigt sind. Es wird auch noch lange dauern, bis die Menschen wieder ein sicheres Dach über dem Kopf und ein kleines Einkommen haben. Aber wir haben den Menschen in der Not ein Versprechen gegeben. Und wir werden es auch weiterhin einhalten und sie mit dieser Katastrophe nicht allein lassen!

Wie sehen Sie das? Schreiben Sie uns Ihre Meinung.

Herzliche Grüße
Ihre Simone Pott

 

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2 Kommentare

  • Fritz Möller sagt:

    Ich habe heute eine Spende für Haiti online abgeschickt. Diese Spende soll eigentlich die Flutopfer in Pakistan unterstützen. Ich hatte die alte Vorlage nicht vollständig geändert. Wenn möglich, so helfen Sie den Leuten in Pakistan, obwohl die Menschen in Haiti auch noch Hilfe brauchen. Fritz Möller

  • Markus sagt:

    Ich sehe das nur dürre Männer schuften…wo sind denn die wohlgenährten Frauen?

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