„Sie kamen und haben auf uns geschossen.“

"Wir hatten ein gutes Leben und konnten uns nicht beklagen. Doch auf einmal änderte sich alles.! Hamida ist mit ihrer Familie vor der Gewalt auf die Rohingya in Myanmar nach Bangladesch geflohen. © Disha Uppal/Welthungerhilfe
"Wir hatten ein gutes Leben und konnten uns nicht beklagen. Doch auf einmal änderte sich alles.! Hamida ist mit ihrer Familie vor der Gewalt auf die Rohingya in Myanmar nach Bangladesch geflohen. © Disha Uppal/Welthungerhilfe

Im mehrheitlich buddhistisch geprägten Myanmar wird die muslimische Bevölkerungsgruppe Rohingya seit Jahrzehnten verfolgt. Seit August sind Tausende vor der Gewalt nach Bangladesch geflohen. Welthungerhilfe-Mitarbeiterin Disha Uppal besuchte das Flüchtlingscamp Bhalu Khali in Cox’s Bazar, wo derzeit über 615.000 Rohingya Schutz suchen.

„Mein Mann und ich wohnten mit unseren drei Kindern in Dakhin Merulla in der myanmarischen Stadt Maungdaw. Er war ein Maulvi, ein islamischer Gelehrter. Wir hatten ein gutes Leben und konnte uns nicht beklagen“, berichtet Hamida, während sie versucht ihre Tränen zurückzuhalten.

„Doch auf einmal änderte sich alles.“

Ihr Ehemann starb im willkürlichen Feuer, welches, laut Hamida, Myanmars Soldaten eröffnet haben sollen. „Sie kamen und haben auf uns geschossen. Wir rannten um unser Leben. Plötzlich wurde mein Mann von einer Kugel in den Rücken getroffen. Er starb, innerhalb von Sekunden vor unseren Augen. Ratlos stand ich mit meinen Kindern da, bis meine Schwester zu uns eilte und uns aufforderte zu rennen“, erinnert sich Hamida.

Der einzige Ausweg: Die Flucht

Die Familie rannte und versteckte sich gemeinsam mit anderen im Gebüsch. „Am nächsten Morgen begannen die anderen Leute weiterzuziehen. Gemeinsam mit meiner Familie und der Familie meiner Schwester folgten wir ihnen“, berichtet sie.

Sie liefen fünf Tage lang, bis sie hungrig und müde den Fluss Naaf, der zwischen Myanmar und Bangladesch fließt, erreichten. „Mein Schwager bezahlte den Bootsführer für unsere Überfahrt. Irgendwie haben wir dann Bangladesch erreicht.”

Das Zelt, in dem Hamida nun mit ihren Kindern und der Familie ihrer Schwester lebt, haben sie selbst gebaut. © Disha Uppal/Welthungerhilfe

Das Zelt, in dem Hamida nun mit ihren Kindern und der Familie ihrer Schwester lebt, haben sie selbst gebaut. © Disha Uppal/Welthungerhilfe

Nach Ankunft in Bangladesch folgten Hamida und ihre Schwester weiterhin der Menschenmenge und landeten so im Auffanglager in Balu Khali. Nun leben sie auf einem abgelegenen Hügel im Camp in einem Zelt, das sie gemeinsam mit ihrer Schwester und ihrem Schwager errichtet hat.

Es fehlt an Nahrung und medizinischer Versorgung

Rohingya, die schon früher das Auffanglager erreicht haben, siedeln in der Nähe der Hauptstraße. Die Neuankömmlinge können jedoch nur noch auf den Hügeln siedeln, die weit von der Straße entfernt sind. Das heißt, dass sie lange Wege zurück legen müssen, um Hilfsgüter und medizinische Hilfe zu bekommen.

Immer noch unter dem Einfluss von Schock und Trauer konnte Hamida ihre Rationen nicht abholen. Ihre Schwester versorgt sie mit etwas Reis und Linsen, die sie von Hilfsorganisationen bekommen hat.

Ihr Sohn hat sich eine Hautinfektion zugezogen und hat Fieber. Hamidas Schwester brachte den Jungen zu einem Arzt im Camp. Trotz Medikamente hat sich der Gesundheitszustand des Kindes noch nicht verbessert.

Der Gesundheitszustand von Hamidas Sohn ist kritisch. Er hat sich eine Hautinfektion mit Fieber zugezogen. © Disha Uppal/Welthungerhilfe

Der Gesundheitszustand von Hamidas Sohn ist kritisch. Er hat sich eine Hautinfektion mit Fieber zugezogen. © Disha Uppal/Welthungerhilfe

Wenn die Kinder weinen und nach ihrem Vater fragen, sagt Hamida ihnen „Schaut euch um, all diese Leute hier haben ihr Zuhause verlassen, weil es dort nicht mehr sicher ist. Wir müssen nun für eine Weile hier leben.“

Über ihre langjährige, einheimische Partnerorganisation Anando versorgt die Welthungerhilfe im Distrikt Cox’s Bazar 2.600 Familien mit Nahrungsmitteln. Ein Experte des Nothilfe-Teams der Welthungerhilfe unterstützt die Partner, um die Aufstockung der Hilfe zu organisieren.

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