Sierra Leone Teil II: Bauern zwischen Weltmarkt und Nachbarschaftshilfe

Zusammen sind sie stark: Kooperativen wie „Millennium“ sind gegenüber einzelnen Bauern klar im Vorteil, weil sie besser produzieren und ihre Ware direkt am Weltmarkt anbieten können. ©Rosenthal
Zusammen sind sie stark: Kooperativen wie „Millennium“ sind gegenüber einzelnen Bauern klar im Vorteil, weil sie besser produzieren und ihre Ware direkt am Weltmarkt anbieten können. ©Rosenthal

Liebe Leserinnen, liebe Leser

Eine Woche waren wir, die Sängerin Annett Louisan, der Generalsekretär von TransFair Dieter Overath, und ich, im westafrikanischen Sierra Leone unterwegs. Vor einigen Tagen habe ich in diesem Blog bereits von den Kakaobauern in Kenema erzählt, von Bockarie Vande, der nach dem schrecklichen Bürgerkrieg seine Kakaopflanzen erst wieder aufpäppeln musste, und der Kooperative EFMCA, in der Bauern gemeinsam für eine bessere Zukunft arbeiten.

Heute, wieder zu Hause, lasse ich den Rest der Reise noch einmal Revue passieren, auf der wir so viel über Kakao und die Situation der Bauern vor Ort gelernt haben. Und so wundert es mich nicht mehr, dass die aktuell weltweit steigenden Nahrungsmittelpreise keine Verbesserung für die Kleinbauern Sierra Leones bedeuten. Häufig muss der Roh-Kakao gleich nach der Ernte an Zwischenhändler verkauft werden, weil Schulden für das Saatgut beglichen werden müssen, weil das Schulgeld fällig ist, oder weil es an Lagerstätten fehlt. Aber zur Erntezeit sind die Preise natürlich besonders niedrig. Das ist auch der Grund, warum der Zusammenschluss der Bauern zu Kooperativen so wichtig ist: Als Gemeinschaft können sie besser produzieren und ihre Ware direkt vermarkten.

Die Kooperative „Millennium“ ist ein echtes Erfolgsmodell und bereits seit zwei Jahren von Fairtrade zertifiziert. Dieses Jahr wird sie vier Container Kakao exportieren, ohne auf Zwischenhändler angewiesen zu sein. Das ist ein großer Vorteil, da Kakaobohnen mit dem Produktionsort Sierra Leone mit bis zu 300 US-Dollar Preisabzug auf dem Weltmarkt belangt werden – egal wie qualitativ hochwertig der einzelne Farmer produziert. Gut verarbeitet und Fairtrade zertifiziert hingegen, lassen sich in einer direkten Vermarktung Preise auf Weltmarktniveau erreichen. Davon profitieren dann auch die Kleinbauern.

Kumba Kanda, deren Gesicht von den Projektbroschüren der Welthungerhilfe strahlt, ist das einzige weibliche Mitglied im Vorstand der Kooperative. Ich frage sie, wie ihr Traum von einer besseren Zukunft aussieht. Sie lächelt und sagt: „Bei eurem nächsten Besuch sind alle Kakaobauern in Sierra Leone in unserer Kooperative vereint! Das würde unserem Land so gut tun.“ Jetzt, nach unserer Rückkehr, wollen wir zusammen mit TransFair Kumba Kandas Botschaft zu den Schokoladenproduzenten in Deutschland tragen und sie davon überzeugen, Kakao aus der Millenniumskooperative auch in unseren Schokoladentafeln zu verarbeitet.

Neben Kakao, der eines der wichtigsten Exportgüter Sierra Leones ist, unterstützt die Welthungerhilfe noch andere Projekte im Land. Auf unserem Weg zurück nach Freetown besuchten wir junge Männer in Bo, die Sumpfland in fruchtbares Ackerland verwandeln, um Nassreis anzubauen. Sie schuften hart für die kleinen Ackerflächen, die ihnen ein Einkommen erwirtschaften sollen. Der Landbesitzer Osman Jelloh ist nach eigenen Angaben 82 Jahre alt und kann die 20 Hektar schon lange nicht mehr selbst bewirtschaften. Er freut sich, dass er den jungen Bauern nun eine Perspektive geben kann.

Kurz packt mich die Vorstellung, wie noch vor zehn Jahren junge Männer marodierend durch das Land zogen und Angst und Schrecken verbreiteten. Ich kann es kaum glauben, mit welch positiver Energie sie nun am Aufbau Sierra Leones mitarbeiten. Die Männer und Frauen, die wir auf unserer Reise getroffen haben, ja das ganze Land, haben diese neue Chance verdient. Ich hoffe, sie werden sie nutzen.

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