App aufs Feld: eine Smartphone-Anwendung für Kleinbauern

Ausprobieren der Smartphone App Kurima Mari.
Ausprobieren der Smartphone App Kurima Mari.

„Als Kleinbauer im ländlichen Simbabwe möchte ich so schnell wie möglich von Bedrohungen erfahren – etwa von starken Regenfällen oder einem Ausbruch der Maul- und Klauenseuche.“

Ob Kleinbauern, Welthungerhilfe Team, Partnerorganisationen oder Mitarbeiter der lokalen Regierung: Alle Beteiligten in unseren Projekten sind auf einen effektiven Informationsfluss angewiesen. Dieser ist jedoch nicht immer gegeben, insbesondere in Ländern mit schwacher Infrastruktur. In Simbabwe soll die Smartphone App Kurima Mari dies ändern.

Die App löst ein großes Problem für unsere Projektbeteiligten rund um die Stadt Gokwe: Alle müssen hier weite Strecken zurücklegen, Informationen kommen darum nur langsam bei den Kleinbauern an und Workshops zum Anbau bestimmter Pflanzen oder zur Viehzucht finden in den Dörfern nur selten statt.

Das Smartphone als mobiler Berater

Die App ist in den Sprachen Shona, Ndebele und Englisch verfügbar und enthält viele nützliche Features:

  • Speziell auf die Gegend abgestimmte Handbücher und Videos zu Anbaumethoden und Viehzucht, inklusive Mustern für Finanzpläne, Informationen zu Wetter, Preisentwicklungen etc.
  • Kontaktdaten von lokalen Großhändlern, Tierärzten, Regierungs- und Welthungerhilfe-Mitarbeitern – und die Möglichkeit, alle direkt aus der App heraus per WhatsApp, SMS oder Telefon zu erreichen
  • Praktische Tips zur Verbesserung von Nährstoffversorgung, Hygiene und Zusammenarbeit im Familienbetrieb

Kurima Mari bedeutet übersetzt etwa „mit Landwirtschaft Geld verdienen“ – und genau das ist das Ziel des Welthungerhilfe Projekts EXTRA (Extension and Training for Rural Agriculture). Die Kleinbauern betreiben zum größten Teil Subsistenzwirtschaft, den Überschuss ihrer Produktion verkaufen sie. Die meisten verdienen damit unter 500 US-Dollar pro Jahr. EXTRA bietet Bildung und praktische Unterstützung in den Bereichen Anbau, Viehzucht, Marketing, Finanzen, Ernährung und Management mit dem Ziel, das Einkommen der Kleinbauern zu vergrößern.

Mit der App zeigt die Welthungerhilfe, dass sie verstanden hat, dass Digitalisierung wirklich alle Aspekte des Lebens überall auf der Welt verändert und in Zukunft noch rasanter und tiefgreifender verändern wird. Lokal wird diese Entwicklung vor allem von Tawanda Hove, dem Senior ICT Manager, vorangetrieben. Er arbeitet mit dem Team von C2 Media in Harare unermüdlich daran, das auf dem Land gesammelte User Feedback in Funktionen der App zu übersetzen.

Tawanda Hove, ICT Manager der Welthungerhilfe in Zimbabwe

Tawanda Hove, ICT Manager der Welthungerhilfe in Simbabwe.

Kleinbauern werden zu Power Usern

Momentan ist die Internet-Abdeckung in der ländlichen Region um Gokwe schlecht, und nur etwa 20 Prozent aller Kleinbauern besitzen Smartphones. Doch das wird sich sehr bald sehr schnell ändern, darauf drängt eine wachsende und lokal, national und international vernetzte Szene von Programmierern, Designern, Start-up-Gründern und anderen Wissensarbeitern in der Hauptstadt Harare. Zu ihnen gehören auch junge Kleinbauern, die Anbau in stadtnahen Gebieten betreiben und Power User ihrer Smartphones sind.

Bis es soweit ist, dass auch in Gokwe alle per Smartphone auf das Internet zugreifen können, zeigen die ländlichen Nutzer der App, wie Technologie und soziale Praktiken gemeinsam Probleme lösen: Die Kleinbauern organisieren sich traditionell in Gemeinschaften von etwa zehn Mitgliedern, die gemeinsam Geld ansparen und Investitionen tätigen. In diesen Gemeinschaften teilen die Farmer, die ein Smartphone besitzen, jetzt auch die Informationen der App mit ihren Nachbarn und Freunden. Sharing – im traditionellen Sinne. 

Nach einer erfolgreichen Pilotphase, in der die Welthungerhilfe viel gelernt und die App kontinuierlich verbessert hat, steht nun die flächendeckende Einführung von Kurima Mari an. Auch hier nutzt die Welthungerhilfe bestehende soziale Praktiken und präsentiert die App – mit Hilfe eines Videos – bei Erntedankfesten, den sogenannten Field Days, bei denen alle Kleinbauern einer Gemeinde zusammenkommen.

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