Südsudan: Wir kehren zurück, sobald der Krieg vorbei ist

Menschenschlange vor der Essensausgabe im Camp Nyu Masaka.
Menschenschlange vor der Essensausgabe im Camp Nyu Masaka.

Im Südsudan treiben Krieg und Hunger die Menschen in die Flucht. Viele bleiben als Binnenflüchtlinge im eigenen Land oder sie nehmen die gefährliche Reise in die Nachbarländer Sudan, Kenia, Äthiopien und Uganda auf sich. Ich bin als weltwärts-Freiwilliger für die Welthungerhilfe in Uganda. In einigen der Camps hier habe ich Flüchtlinge aus dem Südsudan getroffen.

Wir sind Nyu Masaka, eines von mehreren ugandischen Übergangslagern an der Grenze zum Südsudan. Es ist 18 Uhr abends. Mitarbeiter des United Nations High Commissioner for Refugees (UNHCR) kochen Essen für 4296 Südsudanesen. Die Menschen stehen in langen Schlangen vor der Essensausgabe. Jeder bekommt eine warme Mahlzeit. Später sitzen die Familien im Kreis um einen Topf mit Posho und Bohnen, einige lachen und scherzen. Alle haben eine lange Reise hinter sich, eine Flucht vor Krieg und Hunger.

Unter den Flüchtlingen sind viele Minderjährige

Wer in Nyu Masaka angekommen ist, wartet darauf, vom Büro der ugandische Regierung, dem Office of Prime Minister, ein kleines Stück Land in einem der 16 Flüchtlingslager im Distrikt Adjumani zugewiesen zu bekommen. „Es sind vor allem Kinder, Frauen und ältere Menschen hier, 70 Prozent  sind Minderjährige“, erklärt mir Julius und zeigt mir die Aufnahmelisten. Es werden immer mehr Menschen, das Camp, ausgelegt für 3.100 Menschen, ist seit mehreren Tagen komplett überfüllt.

Ein Mitarbeiter des UNHCR liefert Schubkarrenweise Essen für fast 4300 Flüchtlinge.

Ein Mitarbeiter des UNHCR liefert Schubkarrenweise Essen für fast 4300 Flüchtlinge.

Die Neuankömmlinge im Camp berichten von neuen Kämpfen in Wau, der zweitgrößten Stadt im Südsudan. Seit 2013 kommt es im Südsudan immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Regierungs- und Rebellentruppen. Grund dafür ist der Kampf um die Vorherrschaft im Südsudan und damit verbunden die Macht über riesige Ölvorkommen.

Ein paar Kilometer außerhalb des Übergangslagers Nyu Masaka befinden sich die Flüchtlingssiedlungen, 16 insgesamt im Distrikt Adjumani. In diesen leben zurzeit  circa 150.000 Menschen. Jedem Haushalt ist ein 600m² großes Stück Land zugewiesen. Nach dem Vorbild einer amerikanischen Vorstadt sind hier Häuser, Weiden und Äcker im Schachbrettmuster angeordnet. Gemeinsam mit zahlreichen nationalen und internationalem Hilfsorganisationen ist hier auch die Welthungerhilfe aktiv.

Schulung im Camp: Wie baue ich Tomaten an?

Ich bin unterwegs mit Patrick, einem Mitarbeiter der Welthungerhilfe. Zusammen mit zwei Kollegen betreibt Patrick in den Flüchtlingssiedlungen 24 sogenannte Farmer Field Schools mit jeweils 30 Mitgliedern. Ausgebildete Spezialisten erklären den Mitgliedern, wie  sie Tomaten, Paprika, Erdnüsse und andere Nutzpflanzen effektiv anbauen können.

Gegärtnert wird im Kollektiv. Einmal pro Woche trifft sich die Gruppe, tauscht Erfahrungen aus, berät sich. Begleitend zur landwirtschaftlichen Ausbildung wurde in den jeweiligen Gruppen eine Spargruppe eingerichtet. Die Spargruppe soll wöchentlichen einen kleinen Betrag in einen gemeinsamen Fond einsparen. Aus diesem werden dann Kleinkredite an die Mitglieder vergeben, die darauf erhobenen Zinsen kommen der Gemeinschaft zu Gute.

Was ist mit seinen Angehörigen passiert?

"Ich schaue nicht zurück." Flüchtling Taban in seinem Garten.

„Ich schaue nicht zurück.“ Flüchtling Taban in seinem Garten.

In Ayilo 1, einer der größeren Flüchtlingssiedlungen, treffe ich Taban, einen alleinstehenden Mann mittleren Alters. „Wo sind deinen Angehörigen?“, frage ich ihn. Mit einem Lächeln antwortet er: „Ich schaue nicht zurück.“ Taban sagt diesen Satz ruhig und bestimmt. Er wirkt nicht verbittert von den vielen Strapazen, die hinter ihm liegen. Eher hoffnungsvoll.

So wie auch viele andere Bewohner der Siedlungen. „Wir kehren zurück zu unseren Familien, sobald der Krieg vorbei ist und wir wieder ein Leben in Würde führen können“, sagen sie. Aber bis dahin werden wohl noch viele Monate vergehen – befürchte ich.

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