Taifun Haiyan ist erst der Anfang

Am Strand von Roxas: Zerstörte Häuser nach dem Tayfun Haiyan.
Am Strand von Roxas: Zerstörte Häuser nach dem Tayfun Haiyan. © Kigali Films

Drei Tage vor Beginn des Klimagipfels der Vereinten Nationen (UN) traf der Wirbelsturm Haiyan mit 315 Stundenkilometern auf die Philippinen. Ganze Landstriche wurden verwüstet, über vier Millionen Menschen verloren ihr Hab und Gut.

Die Bilder von dort hätten den Delegierten verdeutlichen können, was passiert, wenn wir den Klimawandel nicht aufhalten. Doch am Ende von zwei Verhandlungswochen stand Ernüchterung: selbst die tränenreiche Rede des philippinischen Delegierten Yeb Saño hatte nichts geändert, ebenso wenig sein anschließender Hungerstreik. Mehrere große Umweltverbände hatten bereits am elften Verhandlungstag unter Protest die Konferenz verlassen – so aussichtslos schien Klimaschutz selten.

Klimagipfel in Warschau: Unverbindlich geblieben

Viele Kritiker hatten es geahnt: Die Konferenz stand unter dem Einfluss der Kohleindustrie, die in Polen 90 Prozent der Elektrizität liefert und eine starke Lobby hat. Es war kein Zufall, dass zeitgleich eine große Kohlemesse in Warschau stattfand. Entsprechend unverbindlich blieb das Abschlussdokument:

Abweichend von den zunächst verhandelten Vorschlägen ist nicht mehr von Verpflichtungen, sondern nur noch von Beiträgen zum Klimaschutz die Rede.

Die Staaten sind nun »eingeladen«, ihre Beiträge zu leisten. Dazu passt, dass sich die Europäische Union noch immer weigerte ihre Reduktionsverpflichtungen von 20 auf 30 Prozent zu erhöhen. Bei früheren Gipfeln hatten die Staaten vereinbart, dass ab 2020 jährlich 100 Milliarden US-Dollar für Klimaschutz und Anpassung an seine Folgen zur Verfügung stehen sollen. Wie diese Summe zusammenkommen soll, wurde auch in Warschau nicht geklärt. Denn die Industriestaaten weigerten sich, langfristigen finanziellen Zusagen zuzustimmen. Eine Ausnahme ist der Anpassungsfonds, den unter anderem Schweden, Deutschland und die Schweiz auf 100 Millionen US-Dollar aufstockten.

Taifun auf den Philippinen, Überschwemmungen in Pakistan und China, Dürre im Sahel, Tornados in den USA: Die meisten wissenschaftlichen Studien weisen darauf hin, dass »Extremwetterereignisse« intensiver geworden sind und dass dieser Trend sich fortsetzt. Zwar lässt sich kein direkter Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und einem bestimmten Naturereignis nachweisen, aber eine Zunahme von Extremwetterereignissen ist unumstritten. Durch Treibhausgase erwärmen sich laut Weltklimarat nicht nur die Atmosphäre, sondern auch die Ozeane. Warmes Wasser ist der Treibstoff für Wirbelstürme, die vor allem Küstenländer extrem gefährden.

Es überrascht nicht, dass zu den 15 verwundbarsten Gesellschaften acht Inselstaaten zählen. Im Weltrisikoindex 2013, der die globalen Hotspots mit dem größten Katastrophenrisiko zeigt, liegen die Philippinen an dritter Stelle (siehe Karte).

Weltrisikoindex 2013 - Übersicht

Weltrisikoindex 2013 – Übersicht

In Warschau stand der Umgang mit bereits eingetretenen oder nicht mehr vermeidbaren Schäden im Mittelpunkt. Zwar wurde auf Druck der Entwicklungsländer ein „Warschauer Mechanismus“ vereinbart, der die Katastrophenvorsorge in armen Staaten stärken soll. Es bleibt jedoch unklar, wie mit den unvermeidbaren Schäden umgegangen werden soll und wer dafür zahlt.

Lesen Sie mehr im Brennpunkt No.33 „Warschau 2013: Der Gipfel der Klimasünder“

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