This is Africa – ein Jahr als Freiwillige, ein Jahr voller Erfahrungen

In Uganda habe ich neue Freunde gefunden.
In Uganda habe ich neue Freunde gefunden.

Fast genau ein Jahr bin ich jetzt schon in Lira, Uganda, 6138 km von zu Hause entfernt. Kaum zu glauben, wie schnell die Zeit verflogen ist. Nun sitze ich hier und kann mir nicht vorstellen, dass in zwei Wochen schon alles vorbei sein soll. Aber so wird es kommen. Gedanken wie „Oh, das ist wohl das letzte Mal, das ich hierhin fahre oder diese Person sehe“ kreisen in meinem Kopf.

Jetzt heißt es, trotz letzter Begegnungen mit guten Freunden, trotz ständigen Strom-und Internetausfalls, trotz einiger Störfälle mit meinen technischen Geräten und trotz ständiger Benzinprobleme auf der Arbeit, die Zeit hier noch zu nutzen, Freunde zu treffen, Momente und Erinnerungen aufzusaugen und festzuhalten. Doch auch wenn ich Uganda verlasse, werde ich eines für immer verinnerlicht haben: Den Begriff  „This is Africa“ (T.I.A.) und meine persönliche Interpretation davon.

T.I.A. –  der in Somali geborene und in Canada aufgewachsene Musiker K’naan (inoffizieller WM Song 2010) verwendet diesen Begriff als positives Adjektiv, er möchte damit den Stolz, den harten Kern jedes Afrikaners betonen. Ich habe auch beobachtet, wie der Begriff von den Menschen verwendet wird, wenn sie ausdrücken wollen, dass sie etwas nicht verstehen.

T.I.A.– eine kleine abfällige Bemerkung am Rande, keine weitere Erklärung nötig.

T.I.A.– bekannt ist diese Phrase auch aus dem Film „Blood Diamonds“ mit Leonardo Di Caprio, der sie als all umfassende Begründung für den blutgetränkten Bürgerkrieg in Sierra Leone verwendet, kommentarlos akzeptiert von seiner Begleiterin als Erklärung, warum Kinder Säcke voll mit Diamanten aus den gefährlichen Minen des Kongos tragen. Ein Alltagsgeschehen. Gewalt, Ausbeutung, Hoffnungslosigkeit – ein Rhythmus, der anscheinend wie das Blut so selbstverständlich durch die Adern der Menschen dieses Kontinents fließt.

Afrika, ein Ort – unerklärlich und unvergleichlich. Mit nichts in Bezug zu setzen und nur in seinem eigenen Kontext und unter seinen eigenen Bedingungen zu begreifen. T.I.A. Keine weiteren Erklärungen nötig. T.I.A. – This is Africa.

Ich gebe zu, es ist einfach, diese Denkweisen anzunehmen – auch ich bin manchmal dazu geneigt, Situationen, die ich nicht sofort verstehe, als fragwürdig abzutun. Das waren so Fälle:
  • Warum werden im Abstand von zwei Metern 100 Speed-Bumps hintereinander gebaut?
  • Warum gibt es schon wieder kein Benzin?
  • Warum fängt fast jedes Meeting zu spät an?
  • Und warum ist eigentlich schon wieder Stromausfall?

Was ich gelernt habe…

T.I.A. – Doch anstatt mich über solche – vermeintlich unsinnigen – Sachen aufzuregen, versuche ich seit meiner Zeit hier, sie zu verstehen.

Meist gibt es logische Antworten, die ich nicht auf Anhieb sehe.

So war noch nasser Asphalt übrig, als die Straße gebaut wurde und anstatt ihn wegzuwerfen, wurde ein weiterer Speed-Bump errichtet. So sind nach Regenschauern alle auf den Feldern eifrig damit beschäftigt, diese zu bestellen, anstatt pünktlich zum Meeting zu erscheinen. So musste die (einzige) Stromtrasse nach Norduganda repariert werden, so dass die Hälfte des Landes im Dunkeln sitzt. So ist es dann eben. This Is Africa.

Natürlich gibt es viele Probleme in Afrika. Über die Integrität der Politiker kann man verschiedene Meinungen haben und natürlich gibt es Armut!

Aber was ist mit der Herzlichkeit der Ugander?

Mit der Freude, die in ihren Augen strahlt, wenn man sie grüßt? Mit der Ausgelassenheit, dem Stolz, die bei Tanz und Gesang zum Ausdruck kommen? Die bewundernswerte, inspirierende und unermüdlich positive Lebenseinstellung, die auch nach traurigsten Ereignissen nicht von ihren Herzen weicht? T.I.A. Auch DAS ist Afrika. DAS ist Uganda, wie ich es erleben durfte. Und ich hoffe, dass ich etwas von DEM auch an euch weiter geben konnte. Es ist ein Uganda, das mir sehr ans Herz gewachsen ist und das ich sehr vermissen werde.

 

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