Überschwemmung in Nordkorea: 100.000 brauchen Unterstützung

Heftige Regenfälle haben in den letzten Tagen in Nordkorea schwere Überflutungen verursacht. Die Wassermassen zerstörten Dörfer und Städte und rissen 130 Menschen in den Tod.
Heftige Regenfälle haben in den letzten Tagen in Nordkorea schwere Überflutungen verursacht. Die Wassermassen zerstörten Dörfer und Städte und rissen 130 Menschen in den Tod. Bild: © Lenard Milich/ Welthungerhilfe

Heftige Regenfälle haben in den letzten Tagen in Nordkorea schwere Überflutungen verursacht. Die Wassermassen zerstörten Dörfer und Städte und rissen nach letzten Meldungen 130 Menschen in den Tod. Mehr als 100.000 Menschen sind nun auf humanitäre Hilfe angewiesen. Die Welthungerhilfe arbeitet in dem abgeschotteten Land und unterstützt die Bevölkerung. Deshalb war unser Kollege Lenard Milrich Mitglied eines Teams, das sich einen Überblick über die Schäden der Überschwemmungen und dem Hilfsbedarf gemacht hat. Lesen Sie seine Beobachtungen und Eindrücke.

„Die Flut entstand durch starke Regenfälle, die drei Tage anhielten. So etwas haben wir in den letzten 60 Jahren noch nicht erlebt“, erzählt uns der Vertreter der nordkoreanischen Regierung. Er wird uns die nächsten zwei Tage durch besonders betroffenen Regionen Hoeryong, Musan und Yonsa führen. Wir stehen in einem kleinen Dorf, das aussieht, als wurde es zerbombt. Die Häuser sind nur noch Schutt und alles ist mit einer dicken Schlammschicht überzogen. Unsere Gruppe besteht aus Mitarbeitern mehrerer Hilfsorganisationen, die den Flutopfern so schnell wie möglich helfen wollen, doch das ist gar nicht so einfach: Viele Straßen sind nicht passierbar, einige Gegenden daher nicht erreichbar.

Bild: © Lenard Milich/ Welthungerhilfe

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Viele Menschen haben in den Ruinen ihrer Häuser so gut es geht ein Lager aufgeschlagen. Über offenem Feuer rösten sie den Mais, der von der Flut verschont wurde. Ihre Gärten und Vorräte sind zerstört, das Vieh ist zum größten Teil in den Wassermassen ertrunken. Wir fahren an hektarweise zerstörten oder immer noch überfluteten Feldern vorbei, die kurz vor der Ernte standen. Die Regierung hat zwar begonnen, Essensrationen zu verteilen. Doch in den nächsten Monaten ist mit Engpässen von Nahrungsmitteln zu rechnen.

Bild: © Lenard Milich/ Welthungerhilfe

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Tag 2. Wir stehen an der Kreuzung Richtung zwischen Musan und Yonsa und kommen nicht weiter. Die Straße ist auch acht Tage nach der Flut immer noch nicht passierbar. Hier warten schon Konvois darauf, Hilfsgüter in die bisher unerreichbaren Gegenden zu bringen. Niemand weiß, wie es dort aussieht. Der Abgesandte der Regierung versicherte, dass ein Team zu Fuß unterwegs ist und Funkgeräte zur Kommunikation dabei hat. Doch wenn die Situation ähnlich ist wie in Hoeryong, reichen die Vorräte der Menschen dort nur für knapp drei Tage.

Küchen-Set und Zahnpasta: So hilft die Welthungerhilfe

Die Welthungerhilfe plant konkrete Hilfe in den Regionen Hoeryong und Onsong, wo mehr als 11.000 Menschen betroffen und rund 1.500 Häuser zerstört sind. Mindestens 600 Haushalte erhalten je nach Bedarf ein Küchen-Set mit Reis- und Suppenschalen, Töpfen, Geschirr und Besteck und Essstäbchen, ein Hygiene-Set mit Seife, Toilettenpapier, Zahnbürste, Zahnpasta, Wasserkanister und Tabletten zur Wasseraufbereitung oder ein Set mit Solarlampe, Decke und Schlafmatte.

Familien mit schwangeren oder stillenden Frauen und kleinen Kindern sowie Menschen mit Behinderung stehen bei der Versorgung besonders im Mittelpunkt. Darüber hinaus prüfen wir, wie wir den Wiederaufbau der zerstörten Häuser unterstützen können.

Die zerstörte Infrastruktur macht unseren Nothilfeeinsatz nicht einfach. Doch wir müssen jetzt schnell handeln, denn der Winter steht bevor. In Nordkorea ist dann mit Temperaturen bis zu minus 30 Grad zu rechnen. Und über 100.000 Menschen haben gerade ihre Häuser verloren.

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