UN-Klimakonferenz in Cancún: Nicht genug für effektiven Klimaschutz und Armutsbekämpfung

Monate ohne Regen verwandeln Wasserstellen in Matschlöcher. © Maedje
Monate ohne Regen verwandeln Wasserstellen in Matschlöcher. © Maedje

Seit mehr als einer Woche verhandeln Delegierte aus der ganzen Welt im mexikanischen Cancún über Klimaschutzfragen. Eines steht schon jetzt fest: Eine internationale Einigung auf verbindliche Klimaschutzziele wird auch bei dieser UN-Konferenz nicht zustande kommen. Dabei ist dies dringend notwendig, denn ein Anstieg der Weltdurchschnittstemperatur um mehr als zwei Grad wird desaströse Folgen für das Ökosystem und die Nahrungsmittelproduktion haben. Die Ernährungssicherheit und der Zugang zu Trinkwasser werden so weltweit gefährdet. Um das zu verhindern, so die Wissenschaft, müssten bis 2050 die Treibhausgasemissionen halbiert worden sein – das bedeutet für die Industriestaaten eine Reduzierung um 85 Prozent und als Zwischenschritt bis 2020 um 25-40 Prozent.

Doch derzeit ist der Trend gegenläufig: Eine aktuelle Studie des UN-Umweltprogramms UNEP zeigt, dass die freiwilligen Reduktionsverpflichtungen von Industriestaaten bei weitem nicht ausreichen. Zudem haben die Emissionen anderer großer Länder zwischen 1990 und 2007  massiv zugenommen. So können Entwicklungs- und Schwellenländer kaum davon überzeugt werden, ihrerseits ernste Anstrengungen zur Emissionsreduktion zu unternehmen. Zumal sie am meisten unter den Folgen des Klimawandels leiden, das haben die schweren Naturkatastrophen im Jahr 2010 deutlich belegt. Je länger es also dauert, bis wir uns auf eine angemessene Verringerung der Treibhausgase einigen, desto wichtiger wird die Anpassung an den Klimawandel, vor allem in den Entwicklungsländern.

Anpassung, Entwicklung und Armutsbekämpfung

Immerhin: Die Verhandlungsparteien sind sich inzwischen einig, dass Anpassung, Entwicklung und Armutsbekämpfung im Zusammenhang betrachtet werden müssen. Wie die dringend notwendigen Maßnahmen finanziert werden, bleibt jedoch gerade aus Sicht der Entwicklungsländer ein ungelöstes Problem. Zudem gehen die Meinungen, welche Aspekte in die Verhandlungen einbezogen werden sollen, zum Teil weit auseinander. Das zeigt sich unter anderem an der Diskussion über Vulnerabilität, also über die Verwundbarkeit von Ökosystemen gegenüber sich wandelnden Umweltbedingungen. Während die EU nur direkte Auswirkungen durch den Klimawandel berücksichtigen will, fordern Saudi Arabien und Teile Lateinamerikas einen Ausgleich für ihre Gewinneinbußen, wenn sie aus Klimaschutzgründen die Ölproduktion drosseln. Das hat Saudi Arabien den vom Climate Action Netzwerk täglich neu verliehenen „Fossil of the day“ Preis eingebracht.

Kosten der Klimaanpassung

Ob die Frage nach dem Vulnerabilitätsbegriff in Cancún geklärt werden kann, ist ungewiss. Das ist aber wichtig, denn sie ist zentral  für die Zuteilung von Geldern für Anpassungsmaßnahmen. Selbst die Schätzungen der Kosten gehen weit auseinander und bewegen sich zwischen zehn und 86 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Bei der Klimakonferenz in Kopenhagen wurden Ausgaben von 100 Milliarden US Dollar pro Jahr bis 2020 angepeilt. Ein grüner Klimafonds zur Verwaltung des Hauptteils der Gelder soll eingerichtet werden. Doch bevor darüber in Cacún beschlosen wird, sind auch an diesem Punkt noch viele offene Fragen zu klären – z.B. nach welchen Kriterien der Bedarf ermittelt wird und wie die Konditionen für die Vergabe der Gelder gestaltet werden.
So steht in den restlichen Verhandlungstagen die Klärung vieler offener Fragen an. Ob die Umweltminister der teilnehmenden Länder den Verhandlungen neuen Biss geben und bei der Moderation der ausstehenden Fragen helfen können, wird am Ende der Woche zu beurteilen sein. In Kopenhagen kam kein Abkommen zustande, weil sich die Delegierten über viele Fragen zerstritten. In Cancún ist man sich zwar über viele Themen einig, dennoch kann davon ausgegangen werden, dass kein verbindliches Abkommen zustande kommt, das eine tatsächliche Verbesserung bringt. Die Klimaverhandlungen sind vor allem für die besonders betroffenen Entwicklungsländer ein ineffektiver und langsamer Prozess. Ein Klimaschutzabkommen irgendwann in der Zukunft kommt für die meisten von ihnen mit Sicherheit zu spät.

Was denken Sie über die aktuellen Klimaverhandlungen? Schreiben Sie mir Ihre Meinung! Wenn Sie mehr über unsere Position zum Klimagipfel erfahren wollen, lesen Sie unseren aktuellen Brennpunkt.

Viele Grüße aus Cancún

Michael Kühn

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