Von Chaos keine Spur bei den Wasserverteilungen in Haitis Hauptstadt

Welthungerhilfe verteilt Trinkwasser an Erdbebenopfer in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince. © Castritius
Welthungerhilfe verteilt Trinkwasser an Erdbebenopfer in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince. © Castritius

Über eine Woche ist seit dem Erdbeben vergangen. Die Hilfslieferungen in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince konnten vor ein paar Tagen endlich anlaufen und haben sich mittlerweile gut eingespielt. Das ist beruhigend. Bei der ersten Verteilung von Wasser am Montag war ich selbst dabei. Fast 5000 Frauen, Männer und Kinder warteten auf dem ersten Platz. Alle hatten Kanister, Flaschen und sonstige Behälter dabei.

Eigentlich hatte ich erwartet, dass uns großes Chaos und drängelnde Menschenmassen erwarten würden. Da hatte ich mich jedoch getäuscht – die Menschen waren sehr ruhig und diszipliniert. Fast schon beängstigend angesichts der Situation, dass die Menschen so verzweifelt auf Wasser und Nahrungsmittelhilfe warten. Trotzdem standen alle in Reih und Glied – fast wie an einer Bushaltestelle in England. Die Wasserverteilung konnte deshalb zügig und ohne Probleme erfolgen. Das war für uns natürlich toll, denn so konnten wir schnell noch zwei weitere Male mit dem Tankwagen rausfahren. Für uns steht fest: Wir werden solange täglich Wasser verteilen, wie es nötig ist.

Meine Kollegen und ich haben festgestellt, dassdie Menschen in ihren provisorischen Camps anfangen sich selbst zu organisieren. Sie gründen so etwas wie Komitees und benennen eine Person als Sprecher. Diese Sprecher haben bei der Wasserverteilung dafür gesorgt, dass jeder an die Reihe kam und es kein Chaos gab. So etwas ist für uns natürlich sehr hilfreich.

Unsere Arbeitstage sind lang und ein Termin reiht sich an den nächsten. Zum Ausruhen kommen wir kaum und geschlafen wird nur ab und zu ein paar Stunden. Wir wissen: Es ist jetzt wichtig, dass wir jetzt schnell mit den Verteilungen der Nahrungsmittel beginnen können. Eine Nothilfeaktion ist eine logistische Herausforderung, das hört man ja auch immer in den Medien. Und ich kann das hier aus unserer Perspektive nur bestätigen. So vieles muss bedacht, organisiert und koordiniert werden, damit die Hilfe schnell und am richtigen Ort ankommt.

Spätestens morgen können wie endlich auch mit der Verteilung der Nahrungsmitteln in Port-au-Prince beginnen. Die Lastwagen mit Reis, Bohnen, Speiseöl, Salz und anderen Hilfsgütern sind schon unterwegs. Als erstes werden wir 26 Pakete mit Lebensmitteln in einem Kinderheim verteilen. Davon können sich die fast 130 dort lebenden Kinder und Betreuer 15 Tage ernähren. Auch ein Krankenhaus mit 200 Verletzten wird 40 Pakete erhalten. In kleinen Schritten geht es voran.

Die letzten Tage haben wir einen sicheren Stellplatz für die Autos mit den Nahrungsmitteln zu finden. Das klingt nicht spektakulär, ist aber enorm wichtig und gar nicht so einfach in einer Stadt in der kaum mehr ein Stein auf dem anderen steht. Schließlich wollen wir ja nicht, dass die Autos ausgeraubt werden. Viel Zeit muss in die strategische Überlegungen investiert werden, wie z.B. die Planung der Nahrungsmittelverteilung. Wo sollen wir verteilen? Wie garantieren wir, dass auch die Benachteiligten, Alte und Schwache berücksichtigt werden? Wir haben überlegt, mit den Sprechern zusammenzuarbeiten. Sie kennen die Menschen und können uns die Bedürftigsten zeigen. Wir müssen sehen, dass wir die Nahrungsmittel gleichmäßig verteilen, damit sich nicht manche Leute mehrmals anstellen und andere leer ausgehen. Ich hoffe, dass die Verteilung der Nahrungsmittel genauso zügig und problemlos vonstattengeht, wie die Wasserverteilung.

Herzliche Grüße aus Haiti
Ihre Simone Pott

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6 Kommentare

  • nini sagt:

    danke , dass ihr euch trotz der vielen arbeit noch die zeit nehmt uns hier zu informieren . ich hoffe , das nachbeben war nicht ganz so schlimm . viel kraft und erfolg und die besten wünsche von nini

  • Simone Pott sagt:

    Liebe Nini,

    vielen Dank für die guten Wünsche. Das Nachbeben hat uns zwar sehr erschreckt, aber es ist im Büro zum Glück nichts passiert.

    Herzliche Grüße, Simone Pott

  • Miriam sagt:

    Ich möchte allen Helfern vor Ort meine große Bewunderung und Wertschätzung aussprechen. Man fühlt sich so hilflos hier in Deutschland und sieht das ganze Leid der Menschen, insbesondere der Kinder. Da sind diese Berichte der Lage auch immer ein kleiner Hoffnungschimmer!
    Ich wünsche jedem Helfer, dass er über seine Kräfte hinauswächst!
    Vielen Dank

  • Kaspar Portz sagt:

    Wir wünschen euch weiterhin Kraft, Ausdauer und Erfolg bei Eurer Arbeit und werden versuchen bei uns viele Spender zu finden. So werden zum Beispiel viele Sportler aus unserer Region am 30. Januar mit einem gemeinsamen Spendenlauf ein Zeichen setzen.
    Die Tourschüler, die seit Jahren für die Welthungerhilfe an einer Radtour rund um Rheinland-Pfalz teilnehmen, werden sich an der Aktion „Einen Fünfer für Haiti“ beteiligen.
    Soweit unser kleiner Beitrag zur Unterstützung eurer so immens schweren Arbeit.
    Grüße aus Bekond
    Kaspar

  • Danke für eueren Einsatz, Engagement und unendlich wichtige Hilfe. Wir konnten bereits über Facebook erfolgreich Spenden motivieren, und werden weiter versuchen zu helfen!

  • F. Parken sagt:

    Ich kenne Haiti selber von einem vergangenen Urlaub. Schade, dass es ausgerechnet die Ärmsten getroffen hat mit dieser Naturkatastrophe. Toll, dass es Organisationen wie euch gibt! Meine Unterstützung ist euch sicher!

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