Warten in dänischer Kälte: Hilfsorganisationen wurden ausgebremst bei ihrer hoffnungsvollen Suche nach dem Klima-Dialog

Opfer von Dürre, Fluten, extremen Wetterereignissen: Für diese Menschen gingen Vertreter von Nichtregierungsorganisationen zum Klimagipfel in Dänemark.
Opfer von Dürre, Fluten, extremen Wetterereignissen: Für diese Menschen gingen Vertreter von Nichtregierungsorganisationen zum Klimagipfel in Dänemark.

Es ist kein schönes Symbol für eine der wichtigsten globalen Konferenzen zu Beginn des 21. Jahrhunderts: Die Mächtigen dieser Welt tagen im abgeschirmten Konferenzzentrum, dem „Bella Center“. Die vielen großen und kleinen Nichtregierungsorganisationen, die den Bürgern der Welt eine Stimme geben wollen, protestieren vor der Tür in der Kälte.

Weit entfernt vom „Bella Center“, in einer Mehrzweckhalle für Veranstaltungen aller Art, haben die dänischen Organisatoren den Nichtregierungsorganisationen eine Ausweichstätte organisiert. Dort ist gut eingeheizt, es gibt einen Stand mit Hot Dogs und Getränken, und man sieht die Staatschefs auf zwei riesigen Monitoren ihre Reden halten.

Doch für die Vertreter von Nichtregierungsorganisationen aus aller Welt ist das keine ernsthafte Alternative. In jedem x-beliebigen Internetcafé kann man per Livestream die Reden verfolgen. Was also sollen sie hier?

Die riesige Halle ist komplett bestuhlt, tausend Leute passen hinein. Aber die Stuhlreihen sind fast komplett leer, vielleicht zwanzig sitzen da. Ganz hinten gibt es ein paar Tische, hier haben sich ein paar Grüppchen von insgesamt vielleicht fünfzig Leuten versammelt, die eifrig in ihre Laptops tippen.

Kein Wunder. Die meist jungen Menschen sind nicht um die halbe Welt gereist, um fernzusehen. Sie sind gekommen, um in den Dialog zu treten. Zum Beispiel Ebrima Dem, 29 Jahre alt, aus Gambia. Seine Organisation führt Klimaschutzprojekte mit Studenten durch, sie machen Aufklärungsseminare und pflanzen Bäume. „Klimaschutz beginnt mit mir!“ lautet ihr Slogan.

Ebrima erzählt mir, dass seine Regierung in Gambia glaubt, Klimaschutz sei nur eine politische Frage. Doch er ist der Ansicht, es sei eine ganz praktische Frage. Jeder könne etwas tun. Und es sei wichtig, die Jugendlichen zu erreichen. Umso enttäuschter ist er vom Verlauf des Gipfeltreffens. Wie viele stand er endlos in der Schlange, um überhaupt eine Registrierung zu bekommen. Und selbst diese Registrierung gilt an den letzten beiden Tagen nicht mehr.

Wie kam es dazu? Etwa 15.000 bis maximal 20.000 Menschen kann das „Bella Center“ fassen, 45.000 wurden registriert. Nun kommen längst nicht alle, die sich registrieren ließen, aber der Prozess lief aus dem Ruder. Es kamen viel mehr als erwartet, und die UN-Organisatoren reagierten nicht rechtzeitig.

Das Unheil begann in der zweiten Gipfelwoche am Montag. Es bildeten sich Schlangen, die sich nicht mehr abbauen ließen. Delegationen aus Ländern wie Sri Lanka standen vor dem „Bella Center“ bei Temperaturen um die Null Grad. Frauen in Tuniken und dünnen Schuhen bibberten. Das Rote Kreuz verteilte Tee und Kaffee wie bei einem Stau auf der Autobahn.

Auch ich stand am Dienstag von 14 Uhr an erst zwei Stunden draußen, dann weitere drei Stunden drinnen zusammen mit anderen Vertretern von Nichtregierungsorganisationen, die zum Teil schon seit 10 Uhr ausharrten. Es hob die Laune nicht, dass immer wieder Pressevertreter und Mitglieder der offiziellen Delegationen herausgeholt und vorbeigelassen wurden. Zum Teil mussten aber auch ranghohe Mitglieder immer noch mindestens eine Stunde warten.

Der begehrte „Badge“, der Fotoausweis am Bändchen um den Hals, half aber dann nur noch bis Mittwoch. An diesem Tag machte das Gerücht die Runde, am folgenden Tag, wenn die Staatschefs mit ihrer Entourage anreisen, würden nur noch tausend Nichtregierungsvertreter eingelassen – nicht zusätzlich, sondern nur tausend von den bereits Registrierten. Es blieb aber bis zuletzt komplett unklar, wie diese tausend Plätze vergeben werden sollen.

Mittwoch abend gegen 20 Uhr hatten wir dann immer noch keine Information. Die NRO-Vertreter organisieren sich selbst und notieren Namen in der Reihenfolge ihres Eintreffens. Wenn es schon sonst keine Kriterien gibt, sollen wenigstens nicht die benachteiligt werden, die am längsten gewartet haben.

Gegen 21.30 Uhr erläutert uns dann kompliziert und ausführlich eine Mitarbeiterin des Klimasekretariats mit Ringen unter den Augen, was alle schon ahnen: Es gibt keine Plätze mehr. Es hat wohl ein limitiertes Kontingent gegeben. Wer, warum, wie viele – keiner weiß es.

Für die aus aller Welt angereisten Mitglieder von Nichtregierungsorganisationen ist der Gipfel beendet, bevor er in die entscheidende Phase getreten ist. Es hat angefangen zu schneien. Kopenhagen wird nach und nach von einer weißen Schicht bedeckt. Vielleicht ist es ein Trost für manche Menschen aus südlichen Ländern, dass sie zum ersten Mal in ihrem Leben Schnee sehen. Schnee, von dem es immer weniger geben wird, wenn sich die Erde weiter erwärmt.

Beste Grüße aus Kopenhagen

Marion Aberle

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