“Warum macht ihr den Job überhaupt?”

Große Motivation für die Arbeit: Wenn Hilfe zur Selbsthilfe funktioniert und sich die Lebensbedinungen der Menschen langfristig bessern. © Ohlenbostel
Große Motivation für die Arbeit: Wenn Hilfe zur Selbsthilfe funktioniert und sich die Lebensbedinungen der Menschen langfristig bessern. © Ohlenbostel

Gestern hatte ich Besuch – kein Kaffeekränzchen, oh nein, sondern diskutierfreudige Schülerinnen und Schüler eines Leistungskurses und eines Grundkurses Erdkunde. Sie wollten die Welthungerhilfe kennen lernen und haben uns hier in Bonn-Bad Godesberg besucht. Vorträge vor Besuchergruppen halten, das gehört zu meinen Aufgaben als Referentin der Zentralen Informationsstelle. Ich bin unter anderem verantwortlich für die Erstellung und Verbreitung von Informationen und Materialien über die Welthungerhilfe: wer wir sind, was unsere Geschichte ist, wo und wie wir warum arbeiten.

So haben wir uns einen Film über unser Millenniumsdorf Veshab in Tadschikistan angeschaut und anschließend diskutiert. Und das hat echt gut getan! Für mich war dieser Besuch wirklich spannend und so, dass ich am liebsten noch stundenlang weiterdiskutiert hätte. Da kamen endlich mal wieder solche Fragen wie: „Wieso ändert sich denn nichts in den Entwicklungsländern?“, „Warum macht Ihr überhaupt den Job, wenn Ihr doch nur wenig bewirkt?“, „Wieso ändern die Menschen in den armen Ländern denn nicht ihr Verhalten?“, „Wieso strengen die sich nicht an und passen sich einfach mehr an?“, „Wieso bleiben die denn in ihrem Glauben verhaftet, der sie so einschränkt?“, „Wieso geht Ihr nicht hin und sagt denen nicht einfach, wie es besser wäre?“– Tja, und da fragt man sich auf einmal wieder. Bewirken wir wirklich nur wenig? Warum mache ich den Job eigentlich? Verstehe ich die anderen Kulturen wirklich immer?

Sehr spannend – interessant und provozierend zugleich. Aber genau das sind ja die Fragen, auf die bestimmt viele junge Menschen eine Antwort suchen. Fragen, die mir bestätigt haben, wie wichtig es doch ist, sich immer wieder auf andere Kulturen einzulassen. Zu lernen, warum es im Süden eben nicht alles so schnell geht wie im Norden. Fragen, die ich mir in meinem Arbeitsalltag gar nicht mehr stelle, weil es doch selbstverständlich ist, dass ich meinen Job hier mache.

Aber wie belebend es ist, sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen, noch einmal zu überdenken, auf welchem Weg gehen wir eigentlich – das durfte ich bei diesem Besuch der Schüler wieder erfahren. Und ich hoffe auch, dass die Gruppe etwas von hier mitgenommen hat, zum Beispiel, dass „die in den ärmeren Ländern“ ein Recht auf eine eigene Kultur, ein Recht auf ein selbstbestimmtes Leben, ein Recht auf Religionsfreiheit und ein Recht auf Lebensqualität nach eigenen Vorstellungen haben. Über solche Diskussionen wie mit dieser Schülergruppe freue ich mich sehr und ich hoffe doch, es war nicht die letzte! Dankeschön dafür!

Bis zum nächsten Mal,

Ihre Kerstin Bandsom

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2 Kommentare

  • Erwachsene 2.0 sagt:

    Ich denke, so etwas fragen sich nicht nur Schüler. Auch mich würden Ihre Antworten sehr interessieren!

  • Liebe/r „BloggerIn“,
    vielen Dank für Ihren Kommentar. Es freut mich sehr, dass nicht nur Schülerinnen und Schüler sich mit den aufgeworfenen Fragen beschäftigen. Natürlich lassen sich nicht auf alle Fragen kurze und knackige Antworten finden. Aber genau das war ja gerade das Interessante an dem Besuch der Schülergruppe – dass wir ins Gespräch kamen und diskutieren konnten.
    Warum in Entwicklungsländern viele Dinge oft nur langsam in Gang kommen, ist doch sehr vielseitig und nicht pauschal für jedes Land gleich zu erklären. Da müssen Wirtschaftsinteressen und politische Bestrebungen beleuchtet werden. Da sind Klima-Probleme, Kriege und Naturkatastrophen, die eine positive Entwicklung hemmen oder auch wieder zurückwerfen können.
    In unseren Berichten zur Projektarbeit auf unserer Homepage finden Sie viele Beschreibungen der geografischen, klimatischen, wirtschaftlichen und politischen Lebensumstände, unter denen Menschen versuchen, ein selbstbestimmtes Leben aufzubauen. Vielleicht schauen Sie einfach mal in den ein oder anderen Bericht rein. Oder leihen Sie sich kostenlos mal einen Projektfilm aus unserer Infothek aus. Unsere Materialien vermitteln einen sehr anschaulichen Eindruck von den Gegebenheiten in unseren Projektländern.
    Eine Frage kann ich Ihnen aber sehr deutlich beantworten: Warum ich den Job mache? Weil ich davon überzeugt bin, dass ein steter Tropfen den Stein höhlt. Und weil ich der Meinung bin, dass mit dem Ansatz „Hilfe zur Selbsthilfe“ Entwicklung nachhaltig funktionieren kann. Wenn wir dann auch noch aus den Projektländern Rückmeldungen bekommen, dass etwas gut gelungen ist, dass eine Schule fertiggestellt und mit Leben gefüllt wurde, dass Menschen wieder selbst für ihr Einkommen sorgen können, dann ist das eine sehr schöne Bestätigung, auf dem richtigen Weg zu sein. Und es macht mir Spaß, mit Leuten zu arbeiten, die genauso denken!
    Ich hoffe, ich konnte Ihnen zumindest ein paar Antworten liefern.

    Freundliche Grüße

    Kerstin Bandsom

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