Mehr Wasser und Frieden für Afghanistan

Klaus Lohmann verteilt Lebensmittel an afghanische Familien.
Klaus Lohmann verteilt Lebensmittel an afghanische Familien.

Gegen alte Klischees von Bomben und Burkas in Afghanistan ankämpfen… Nun bin schon zum dritten Mal in Afghanistan und sehe, was sich alles getan hat in den vergangenen Jahren in diesem kriegsgebeutelten Land am Hindukusch. Gerade bin ich in ein neues Haus umgezogen. Das ist meine Oase inmitten der staubigen Fünf-Millionen-Stadt Kabul. Wenn ich einmal abschalten möchte, gehe ich ins Schwimmbad oder koche gemeinsam mit Freunden, spiele Volleyball oder bowle. Für mich ist es wichtig, auch in der afghanischen Hauptstadt eine Art von Normalität zu leben.

Das erste Mal ging ich im Frühjahr 2007 für die Welthungerhilfe nach Afghanistan, um mit fast hundert lokalen Mitarbeitern in den Provinzen Jawzjan/Faryab im Nordwesten des Landes sogenannte Dorfentwicklungsräte aufzubauen. Ein großes Projekt mit Langzeitwirkung – aufgelegt von der Weltbank für ganz Afghanistan. Fast eine kleines Erfolgsmodell – denn dank dieser afghanisch-deutschen Gemeinschaftsanstrengung gibt es heute in fast 500 Projektdörfern transparent arbeitende und von allen Seiten anerkannte Selbstverwaltungen. Investitionsvorhaben werden von ihnen in der Region geplant und umgesetzt. Gute Voraussetzungen, um die Lebensbedingungen der Landbevölkerung Schritt für Schritt zu verbessern.

Nur neun Monate später musste ich dann als Nothelfer in der nordafghanischen Provinz Jawzjan einspringen

Ein Wintereinbruch zum Jahresbeginn 2008, mit Temperaturen bis zu minus 25 Grad über drei Wochen lang hatte die Ärmsten in entfernten Bergdörfern völlig überraschend getroffen. Wir verteilten rund um die Uhr Lebensmittel, Brennholz, Decken, Stiefel und Socken, die von Spenden aus Deutschland gekauft wurden. Den Ausdruck in den Augen der total erschöpften Kinder und Erwachsenen konnte ich lange nicht vergessen. Ich kenne hier beide Seiten der Medaille, die guten Dinge, die sich in verschiedenen Regionen Afghanistans getan haben und ebenso die Rückschläge, die das Land immer wieder einstecken muss.

Nach überstandener Winterkrise und einem Projekt der Welthungerhilfe in Myanmar kehrte ich 2009 wieder nach Afghanistan zurück, dieses Mal für die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit. Und heute baue mit unserem Team in der kargen Bergregion im nördlichen Samangan ein System für die Trinkwasserversorgung sowie zur Bewässerung von landwirtschaftlich genutzten Flächen auf.

 

Oft werde ich gefragt, wie Afghanistan friedlicher werden könnte

Das ist natürlich nicht leicht zu beantworten. Ich glaube aber, gäbe es mehr Wasser für die Trinkwasserversorgung und die Landwirtschaft, dann gäbe es auch mehr Stabilität in Afghanistan, weniger Kämpfe, mehr Einkommen, mehr Lebensmittel. Denn wenn künstliche Bewässerung möglich wird, können sich die Bauern neue Erwerbsquellen erschließen, zum Beispiel durch Gemüse- und Kartoffelanbau oder durch Erträge aus Obstbaumplantagen.

Gerade auch nach dem Abzug der Bundeswehr ist es meiner Meinung nach ein Muss, Geld in die Hand zu nehmen und gemeinsam mit NGOs weiter an der Seite der Afghanen, vor allem in den ländlichen Provinzen zu stehen, damit sich die Dorfbewohner selbst besser mit Nahrungsmitteln versorgen können.

Oft ist es hier noch so, dass Feldbau mit Getreide in der Regenzeit betrieben wird und die Bauern in ständiger Sorge sind, ob es von November bis März genug Niederschlag gibt. Aber in manchen Jahren blieb der Regen schon mal komplett aus und die Ernte war zerstört. Mithilfe von Bewässerungsanlagen sind Bauern nicht mehr abhängig von Niederschlägen. Und durch das Trinkwasser und Futter auf den Feldern kann auch der traditionellen Viehzucht besser nachgegangen werden.

Ich bleibe noch bis 2015, um die Wasserprojekte voran zu bringen, aber auch um in Kabul Landflüchtlingen aus ganz Afghanistan zu unterstützen, ehemaligen Opiumbauern eine Rosenölproduktion endgültig in Eigenregie zu übergeben und um vielleicht eines Tages sogar in den Bergen rund um Kabul wandern zu gehen!

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