Irren ist menschlich – und bringt uns weiter

Matthias Mogge bei einem Projektbesuch in Ruanda. © Welthungerhilfe
Matthias Mogge bei einem Projektbesuch in Ruanda. © Welthungerhilfe

Durch seine jahrzehntelange Arbeit für die Welthungerhilfe kennt Programmvorstand Mathias Mogge die Organisation in- und auswendig. Ihre Stärke besteht für ihn unter anderem darin, Probleme und Fehler nicht unter den Teppich zu kehren, sondern als Chance für Veränderung zu nutzen.

Bestmögliche Nothilfe – gar nicht so einfach

Die Welthungerhilfe ist schon 55 Jahre alt, doch sie lernt immer noch dazu. Insbesondere aus Fehlern, die einmal passieren und sich nicht wiederholen sollen. So haben wir uns zum Beispiel viele Jahre lang auf unsere Kolleginnen und Kollegen vor Ort verlassen, wenn das Land durch einen Krieg oder ein Naturereignis plötzlich in eine Krise stürzte. Diese Mitarbeiter sind ja schon da und kennen sich aus, dachten wir.

Falsch gedacht. Denn eine Katastrophe kann ein Land schlagartig verändern. Eine gute Mitarbeiterin in einem langjährigen Projekt der Entwicklungszusammenarbeit ist selten auch eine gute Nothelferin. Sie kann nachhaltige Strukturen aufbauen und die Bevölkerung einbinden – aber kann sie das alles für einen Moment ausblenden und stattdessen zupacken, die Logistik von Hilfsgütern abwickeln und wütenden Menschen erklären, warum sie noch keine Decken und Lebensmittel bekommen haben? Wir haben aus den Fehlern gelernt und unser Nothilfeteam neu aufgestellt, so dass es nach einer Katastrophe die Leitung übernimmt und möglichst schnell und effizient Hilfe leisten kann.

Austausch über Kontinente hinweg

Ein hausgemachtes Problem, das sich leicht lösen ließ. Doch die meisten Schwierigkeiten entstehen in restriktiven Staaten, wo uns Regierungen Steine in den Weg legen, indem sie den gesetzlichen Rahmen unserer Arbeit ständig ändern oder unsere Mobilität einschränken. In solchen Ländern wechseln auch die Mitarbeiter häufig, so dass Wissen wieder verloren geht. Wieder andere Probleme entstehen schon bei der Projektplanung, wenn Geber eine Förderung sehr kurzfristig ausschreiben und wir in großer Eile ein Projekt entwerfen. Das führt schnell zu unstimmigen Details; wenn die nicht nachgearbeitet werden, startet das Projekt mit falschen Annahmen.

Wir ermutigen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sich über Kontinente hinweg auszutauschen statt auf Anweisungen und Expertenmeinungen aus dem Bonner Büro zu warten. Über unser Intranet können sie sich in virtuellen Lernräumen vernetzen, an jährlichen Sektorkonferenzen oder am Süd-Süd-Austausch unterschiedlicher Arbeitsgruppen teilnehmen.

„Auch wir müssen uns in die Karten schauen lassen.“

Trotz aller guten Absichten sind Nichtregierungsorganisationen nicht per se gut; auch wir müssen uns in die Karten schauen lassen – von unseren Spendern und Gebern, aber auch von unseren Projektteilnehmern. Alle Menschen vor Ort haben ein Recht darauf, die Projekte mitzugestalten und zu begreifen, was ihnen zusteht. Daher hat sich die Welthungerhilfe einem neuen internationalen Qualitätsstandard angeschlossen, dem sogenannten „Core Humanitarian Standard (CHS)“; damit verpflichten wir uns, Projektbeteiligten gegenüber über das bisherige Maß hinaus Rechenschaft abzulegen und zum Beispiel verbindliche Beschwerdemechanismen einzuführen.

Die Welthungerhilfe war immer schon eher selbstkritisch. Das liegt wohl daran, dass wir immer wieder Spender und Geber von unserer Arbeit überzeugen müssen und uns auf Erreichtem nicht ausruhen können und dürfen. Aber auch einzelne Mitarbeiter sind zunehmend bereit, von Missständen und Problemen zu berichten, damit ihre Kollegen nicht die gleichen Fehler wiederholen. In einigen Projektländern ist die Bereitschaft, offen über Misserfolge zu sprechen, geringer ausgeprägt – sei es aus Angst oder aus Höflichkeit. Eine wichtige Botschaft ist daher:

„Bitte erzählt uns offen, wenn etwas nicht läuft. Wenn wir Fehler nicht erkennen, kommen wir nicht weiter.“

Kontakt: Welthungerhilfe

Mehr Infos über die Arbeit der Welthungerhilfe:

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