Wieder in Pakistan: „Wir können uns noch lange nicht zurücklehnen“

Verteilungen in Pakistan.
Verteilungen in Pakistan.

Vergangene Woche bin ich ins Katastrophengebiet in die Provinz Punjab zurückgekehrt. Im September war ich das letzte Mal als Nothelfer in Pakistan. Seitdem hat sich die Situation komplett verändert. Ich kann kaum glauben, dass hier vor kurzem noch alles unter Wasser stand und wir mit der Nahrungsmittelhilfe begonnen haben. Lediglich in der Provinz Sindh sind nach wie vor riesige Gebiete überflutet. Hier in Punjab hingegen ist das Wasser fast verschwunden. Nur ein paar Pfützen deuten darauf hin, dass vor kurzem noch Straßen und Häuser überschwemmt waren.

Die Camps, in denen die Opfer der Flutkatastrophe leben mussten, sind fast alle wie leergefegt. Die meisten Menschen konnten in ihre Dörfer zurückkehren, viele von ihnen wohnen schon wieder in ihren Häusern. Familien, deren Häuser durch die Überschwemmungen zerstört worden sind, sind bei Nachbarn oder Angehörigen unterkommen. Das ist zwar eng, aber eine deutliche Verbesserung zum Leben im Camp. Nun beginnen die Menschen ihren Alltag neu zu organisieren: Die beschädigten Häuser, Straßen, Brücken und Brunnen müssen ausgebessert oder neu aufgebaut werden, Felder und Weideflächen wieder nutzbar gemacht werden. Es bleibt viel zu tun für die Menschen. Die Welthungerhilfe unterstützt sie dabei.

Heute haben wir gemeinsam mit unserer pakistanischen Partnerorganisation „Halima Development Organisation“ in Sanawan Erbsen, Mehl und Speiseöl verteilt. In den nächsten zwei Wochen wollen wir 20.000 Familien – das sind etwa 150.000 Menschen – mit einer Monatsration Nahrungsmittel versorgen. Diese Unterstützung ist dringend nötig, denn Vorräte und Ernten wurden durch die Fluten größtenteils zerstört. Bis zur nächsten Ernte im März kommenden Jahres sind die Bewohner der Katastrophengebiete noch auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen, dann können sie hoffentlich wieder von dem leben, was sie selbst anbauen. Um das zu gewährleisten wollen wir sobald wie möglich mit der Verteilung von Saatgut beginnen.

Die Verteilungen laufen jetzt anders ab als noch vor einem Monat: Die Stimmung ist viel ruhiger  geworden – auch meine Kollegen von der Alliance2015 und ich stehen nicht mehr so sehr unter Strom wie in der Anfangszeit. Das Team ist jetzt eingespielt, die Menschen sind an die  Prozesse gewöhnt und die Verteilungen laufen routinierter ab. Die Bedürftigen haben einen Coupon erhalten, der ihnen ihre Ration Lebensmittel garantiert. Dadurch müssen sie nicht mehr fürchten bei den Verteilungen leer auszugehen und ihre Familien nicht ernähren zu können.

Auch wenn die Situation viel besser ist als noch vor zwei Monaten – wir können uns noch lange nicht zurücklehnen. Die Menschen hier sind immer noch auf unsere Hilfe angewiesen um das Nötigste zum Überleben – zum Beispiel einen Sack Mehl oder Erbsen – zu bekommen. Wir danken Ihnen für Ihre bisherige Hilfe. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit hier im Flutgebiet auch weiterhin.

Herzliche Grüße aus Pakistan
Ihr Jürgen Mika

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1 Kommentar

  • Georg | Treppenliftdirekt.de sagt:

    Vielen Dank für den guten Beitrag und die Einsichten in den pakistanischen Alltag. Die Hilfe in den ehemaligen Flutgebieten wird sicher noch eine lange Weile notwendig sein. Spenden sind daher nach wie vor erbeten und notwendig. Die angesprochene Verteilung von Saatgut erscheint besonders sinnvoll, ist sie doch zugleich eine Hilfe zur Selbsthilfe.

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