Wir konnten viel bewegen – Ein Rückblick auf das Jahr 2010

Flut in Pakistan.
Flut in Pakistan.

Liebe Freundinnen und Freunde der Welthungerhilfe,

ein hartes, intensives Jahr geht zu Ende, in dem – so schien es oft – ein Ereignis das nächste gejagt hat. Stand nicht eben erst Afrika im Zentrum der Aufmerksamkeit, bei einer Vuvuzela-verlärmten Fußball-WM? Und die Flut in Pakistan – ist das Wasser eigentlich schon abgeflossen? Und Haiti? Wirklich schon ein Jahr her, das furchtbare Erdbeben – und gleich danach die Wirbelstürme, die Cholera, die Gewalt. Ein Land, das alleine schon überfordern kann, durch die Vielzahl der schwierigen und schrecklichen Ereignisse. Und ist da nicht auch noch der Sudan, der Kongo, Afghanistan…? Unsere engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in diesem Jahr so manches Mal an die Grenze der Belastung und darüber hinaus gelangt. Aber es hat sich gelohnt, denn wir konnten auch unglaublich viel bewegen.

Die Welt ist näher zusammen gerückt, das ist die gute Nachricht. Trotz der vielen sichtbaren Not und Ungerechtigkeit gibt es eine ungebrochene Solidarität – gerade die Deutschen haben in diesem Jahr Aufmerksamkeit gezeigt und ihre Geldbeutel geöffnet. Dies ist alles andere als selbstverständlich in Zeiten, in denen Wirtschafts- und Finanzkrise auch in diesem Land das Leben härter gemacht haben. Alleine für Haiti wurden rund 200 Millionen Euro gespendet – für Pakistan waren es rund 160 Millionen Euro.

Auch der Hunger und die Armut in der Welt sind vielen sehr bewusst. Das hat der Weltarmutsgipfel in New York gezeigt, der am ambitionierten Ziel der Halbierung der Armut bis zum Jahre 2015 festgehalten hat. Ein wichtiges Signal, das auch beim Klimagipfel in Cancún aufgenommen wurde: Die Folgen des Klimawandels für die ärmsten Weltregionen sollen mit 100 Milliarden US-Dollar jährlich bekämpft werden! Bei aller kritischen Betrachtung haben wir uns gefreut, dass auch die Bundesregierung zu den Vorreitern und nicht zu den Bremsern gehörte.

Das sind Schritte in die richtige Richtung, wenn auch manchmal noch zu langsam und zu klein. Aber das Bewusstsein, dass wir uns in einem globalen Dorf befinden, mit vielen Nachbarn unterschiedlicher Religion und Hautfarbe, setzt sich doch langsam durch – in den Köpfen und Herzen der Menschen. Dies war auch die zentrale Botschaft des Bundespräsidenten Wulff, der als Schirmherr der Welthungerhilfe zu guter internationaler Nachbarschaft aufrief. Und der eine ‚Woche der Welthungerhilfe’ einläutete, in der wir extrem viel Aufmerksamkeit bekamen für unser Kernanliegen, den globalen Kampf gegen den Hunger.

Sie, liebe Leserinnen und Leser sind uns verbunden geblieben, in einer Welt, die nicht nur immer schneller wird sondern auch an ihrer Informationsflut zu ersticken droht. Sie haben bei den erschreckenden Bildern nicht weg gesehen sondern geholfen. Vielleicht waren Sie auch an der einen oder anderen Aktion für die Welthungerhilfe beteiligt – in Schulen, in Freundeskreisen oder in Ihrer Nachbarschaft. Vieles geschieht im Verborgenen, und wird nicht an die große Glocke gehängt. Dafür sind wir unendlich dankbar, denn wir hier bei der Welthungerhilfe, in Bonn, Berlin und den über 30 Regional- und Länderbüros können unsere Arbeit nur tun, weil Sie uns unterstützen. Und nur so bewegen wir die Welt ein Stück in die richtige Richtung – jeder so gut er kann.

Aber ist das ‚gut genug’ wird sich mancher fragen. Sind angesichts der vielen Missstände die Hilfen nicht doch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein? Müssen sich nicht ‚die Verhältnisse’ ändern, die schlechten Regierungen, die Korruption, die unfairen Handelsbedingungen? Da haben Sie Recht, ohne gerechte politische Rahmenbedingungen helfen auch die besten Projekte nichts. Deshalb sind wir ‚Hilfs-‚organisationen schon lange nicht mehr nur noch Helfer, sondern machen in der politischen Debatte Dampf. Hier in Deutschland, in New York und Rom bei der UNO, und bei der Unterstürzung unserer Partner in den Ländern des Südens. Der weltweit beachtete ‚Welthungerindex’ ist dabei unser bestes Argument – jedes Jahr weisen wir auf die Ursachen und die Entwicklungen des Hungers hin und fordern Politikwechsel. Und wir werden Ernst genommen. Nicht nur, weil wir gute Analysen liefern und unsere Erfahrungen aus der praktischen Arbeit beisteuern können, sondern auch weil Sie, liebe Freunde, hinter uns stehen. Hunderttausende Menschen schenken der Welthungerhilfe jedes Jahr ihr Vertrauen in die Wirksamkeit ihrer Spenden, und stärken uns den Rücken bei unbequemen politischen Auseinandersetzungen. Mit Ihrer aktiven Unterstützung sind wir eine starke Stimme der Zivilgesellschaft bei einem Thema, das noch zu selten gehört wird.

Wir werden auch in Zukunft auf Sie bauen – als Spender, Wähler, Steuerzahler, die die Welt (und die Welthungerhilfe) ein bisschen besser machen. Vielleicht werben Sie in den nächsten Wochen einmal in ihren sozialen Netzwerken für unser Tun? Oder Sie beteiligen sich an der Aktion Buy1 Pay2 und verkaufen selbst gebackene Muffins? Oder Sie helfen uns mit einer Dauerspende für die vergessenen Krisen? Auf jeden Fall wünschen wir uns, dass Sie sich mit uns im nächsten Jahr schon auf das übernächste freuen – dann haben wir nämlich 50jähriges Jubiläum! Und auch das wird schneller vor der Tür stehen als erwartet.

Im Namen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Welthungerhilfe, unserer vielen ehrenamtlichen Unterstützer und unserer Partner vor Ort wünschen wir Ihnen und Ihren Familien ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein wunderbares, solidarisches Jahr, in dem wir gute Nachbarn bleiben!

Herzlichst, Ihr
Wolfgang Jamann

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