Keine blühenden Aussichten: Rückläufige Blumenexporte schüren Zukunftsängste in Afrika

Von Marc Engelhardt


Blumenhändler in Burundi: In Afrika sind die Blumenexporte dramatisch rückläufig und bedrohen die Existenz vieler Menschen. © Grüter
Die Blumenexporte sind dramatisch rückläufig
und bedrohen die Existenz vieler Menschen in
Afrika. © Grüter
John Nguye gehört zu denen, die in Naivasha ihr kleines Glück gemacht haben. In der Kleinstadt im kenianischen Rift Valley, gelegen am gleichnamigen See, arbeitet Nguye auf einer der ungezählten Farmen, die Europa mit Blumen versorgen. Von morgens um sieben bis abends um sechs steht Nguye in einem der Gewächshäuser um Blumen zu pflücken, die Wasserzufuhr zu kontrollieren oder den Zustand der Blumen zu kontrollieren. Trotz der politischen Unruhen, die Naivasha besonders heftig erschütterten, verzeichneten die Blumenfarmen im vergangenen Jahr ein Absatzwachstum von 29 Prozent. Der befürchtete Einbruch in Kenias wichtigstem Exportsektor blieb aus.

 

Keine Blumen zum Valentinstag

Doch was die Unruhen nicht geschafft haben, droht jetzt die Weltwirtschaftskrise anzurichten. Männer wie John Nguye fürchten um ihren Job, seit der Blumenexport im ersten Quartal um ein Drittel eingebrochen ist. Vor allem Händler in Großbritannien, wo bislang jede vierte kenianische Blume landete, ordern kaum noch. Selbst zu traditionellen Hochzeiten wie Ostern und dem Valentinstag blieben die Bestellungen aus. "Die Farmen werden 500.000 Arbeiter entlassen müssen, wenn sich die Lage nicht grundsätzlich ändert", droht bereits der Chef des Arbeitgeberverbandes, Hashit Shah. "Das ist jeder dritte Angestellte."

 

Schwierigste Zeit in der Geschichte

Doch selbst wenn die befürchtete Zahl von 500.000 nicht erreicht wird: Um Entlassungen wird Naivasha kaum herumkommen. Zwei größere Farmen haben bereits mehr als 750 Mitarbeiter freigesetzt, andere wollen nachziehen. "Wir haben die schwerste Periode unserer Geschichte vor uns, und wir können nur hoffen, dass es zum Jahresende hin besser wird", sagt Jane Ngige, Geschäftsführerin des Kenianischen 'Flower Councils', in dem die Farmer zusammengeschlossen sind. Ngige hat Angst, dass sich die Blumenfarmer langfristig auf Verluste einstellen müssen. "Wenn die Kunden in Europa sich erstmal daran gewöhnt haben, ohne Blumen auszukommen, könnte es sein, dass sie auch in besseren Zeiten keine mehr kaufen."

 

Erst Kaffee, dann Blumen

Bislang galt die Blumenindustrie als privilegiert: Anders als auf Kaffee- oder Teefarmen sind die Arbeitgeber nicht von Zuweisungen staatlicher Agenturen abhängig, die den Verkauf kontrollieren. Weil diese manchmal monatelang nicht zahlen, haben auch viele kleine und mittlere Farmer auf Blumen umgestellt - sie sind die ersten, die jetzt schließen müssen. Die Krise trifft die Schwächsten zuerst: In Äthiopien, wo die Blumenindustrie noch jung ist, hat jede vierte Blumenfarm bereits dicht machen müssen. Ähnlich sieht es in Tansania aus.

 

Neue Richtung: Luxus

In Kenia versuchen die Farmer unterdessen, die Krise als Chance zu nutzen. "Wir verhandeln mit Züchtern, uns Luxusvarianten vor allem von Rosen kostengünstig zu überlassen", erklärt der Vorsitzende des Flower-Councils, Kabuya Mwito. "Damit wollen wir uns das Luxussegment erschließen, in dem es immer noch genügend Käufer gibt." So hoffen die Arbeitgeber wie auch John Nguye, dass es weitergeht. "Vielleicht ist die Krise ja auch bald vorbei, genau sagen kann das ja niemand."

 

Autor

Marc Engelhardt ist freier Journalist in Kenia.

Lesen Sie den vollständigen Artikel in der Welternährung II/2009.

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