Konflikte um Boliviens Böden: Eliten ignorieren Rückgabepflicht

 


Terrassenanbau im DWHH-Projektgebiet. Geerntet
werden hier Kartoffeln, Bohnen, Mais, Hafer und Oca. 
© WHH

Für die indigene Bevölkerung Boliviens ist der Zugang zu Land eine Existenzfrage. 85 Prozent der landwirtschaftlich nutzbaren Flächen sind in den Händen von Großgrundbesitzern. Seit der Agrarreform von 1953, die größtenteils unter diktatorischen Regimes durchgeführt wurden, sind nahezu alle Agrarflächen im ressourcenreichen Tiefland verteilt. Die autoritäre Regierung von General Hugo Bánzer vergab in den 70er Jahren fast zwölf Millionen Hektar Land umsonst - häufig willkürlich an bolivianische und ausländische Interessenten aus dem Dunstkreis des Präsidenten.

 


Eine Kleinbäuerin erntet ihre
selbstgezüchteten Tomaten.
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Versuch einer Reform

1996 verabschiedete das bolivianische Parlament ein Agrarreformgesetz, das die Eigentums- und Besitzverhältnisse neu regeln soll. Es zielt besonders auf die von großen, häufig brach liegenden Agrarflächen der dominierten Tieflandregion ab. Illegale Ländereien, die nicht produktiv genutzt werden, müssen laut Gesetz an den Staat zurückgegeben werden. Dieser soll sie an die meist indigenen Kleinbauerfamilien verteilen. Zur Umsetzung hat Bolivien bisher fast 70 Millionen US-Dollar internationaler Entwicklungshilfe erhalten. Zahlreiche Agrarflächen wurden bereits identifiziert, die an den Staat zurückgegeben werden müssen

 


Mehrheit der indigenen
Bevölkerung lebt in Armut.
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Ignoranz der Elite

Doch die Großgrundbesitzer sind häufig einflussreiche Politiker und regionale Führer, die sich der Rückgabepflicht vehement widersetzen. Die Elite fordert Selbstbestimmung über die Nutzungsrechte der Rohstoffe in der Region.

So stehen sich auf der einen Seite die weißen Wirtschaftseliten der Tieflandsmetropole Santa Cruz, auf der anderen Seite die indianischen Hochlandbewohner gegenüber. Die Mehrheit der indigenen Bevölkerung lebt in Armut. Bis vor wenigen Jahren war sie von politischen Entscheidungsprozessen ausgeschlossen.

 


Evo Morales.
Neue Hoffnung

Um so bemerkenswerte ist es, dass nun seit Dezember 2005 erstmals in der Geschichte Boliviens der indigene Bauernführer Evo Morales von der Movimiento al Socialismo (MAS) zum Staatsoberhaupt gewählt wurde. Die neue Regierung kündigte die Umsetzung der Agrarreform, staatliche Programme zur Förderung von Kleinbauern sowie von Klein- und Kleinstproduzenten an. Inwieweit der Wahlsieger letztlich in der Lage ist, die Bedürfnisse der Bevölkerung aufzunehmen und Entwicklungsmaßnahmen zu ihren Gunsten anzustoßen, wird sich zeigen müssen.

(Stand: Juni 2006)

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