Starke Frauen braucht das Land. Epifania (33) hat Vorbildfunktion – und Geschäftssinn

 

Epifania, eine der neuen, starken Frauen Boliviens. © Kessler
Epifania, eine der neuen,
starken Frauen Boliviens. ©
Kessler

So eine Frau wie Epifania Alaya Humeroz hatten die Staats- und Regierungschefs der UN-Mitgliedsstaaten vor sechs Jahren wohl als Ideal vor Augen gehabt. Zu dem Zeitpunkt schrieben sie die Stärkung der Rolle der Frau als eines der acht Millenniumsziele fest. Epifania, 33 Jahre alt, ist eine starke Frau. Darum hat man sie auch zur Sprecherin  einer Vereinigung von kleinen Milchbauern im Hochland Boliviens ernannt. 

 

Gemeinsamkeit ist wichtig

Zugleich ist sie einsichtsvoll genug um zu sehen, woran es den Mitgliedern noch fehlt. An Gemeinsamkeit zum Beispiel. "Wir sind gerade erst dabei zu organisieren, dass eine Frau auf den Markt fährt und auch den Käse für zwei, drei oder vier Nachbarinnen mitnimmt und verkauft", fragt sie sich. Warum soll man den niedrigen Käse-Preis in Kauf nehmen, den die Einkäufer zahlen, wenn man den Zwischenhandel doch eigentlich auch ausschalten könnte?

 

Milch und Käse für ein sicheres Einkommen

San Marcos heißt die Gemeinde, in der sie lebt. Eine Anzahl Gehöfte, die willkürlich in das weite, trockene Andental namens Cañadón Peñas gestreut scheinen. "Fast alle hier haben auf Viehzucht umgestellt", sagt sie, denn die Milch und der Käse versprechen mehr und vor allem sicheres Einkommen. Wenn ihre Nachbarn heute, das Transistorradio über die Schulter gehängt, auf dem Feld arbeiten, dann kümmern sie sich meist um Alfalfa, eine kälteresistente Futterpflanze, die hier eingeführt wurde. Weizen oder Saubohne wird heute nur noch zum Eigenbedarf angebaut.
 


Jeder Käse ist von Hand gemacht. © Kessler
Jeder Käse ist von Hand
gemacht. © Kessler
Eine Frau mit wirtschaftlichem Gespür

Epifania ist eine "lidereza", also eine weibliche Führungspersönlichkeit, ein Vorbild, auch unter kommerziellen Gesichtspunkten. "Mein Mann macht den Käse und kümmert sich ums Vieh", sagt sie resolut. "Der verkauft nicht gern, deshalb mache ich das." Und das Verkaufen kann sie offenbar gut. Denn sie macht nicht nur Käse, sondern – was man von einer bolivianischen Bäuerin vielleicht erstmal nicht erwartet – sie hat eine Marke geschaffen.

Ein großes Wort, aber es trifft den Kern der Sache. Ihr Mann hat ihr in eine gelbe, runde Plastikscheibe den Schriftzug "Producto APAC Peñas" hineingeschnitten. APAC ist das Kürzel der Bauernvereinigung. Diese Schablone drückt Epifania auf einen Teil ihrer Käselaibe, so dass sich die Schrift im Käse abbildet. "Ich finde es ja ein bisschen lächerlich", sagt sie mit einem listigen Lachen, "aber die Leute sagen mir, der Käse ohne Schrift, das ist doch nicht deiner. Dabei ist es haargenau der gleiche Käse!"

Der einzige Unterschied: Für den 250-Gramm-Laib mit dem Siegel kann sie drei Bolivianos verlangen, etwa 30 Cent, aber für den ohne Aufschrift nur 2,80 Bolivianos. "Und dabei gehen die mit dem Siegel weg wie die warmen Semmeln", freut sie sich. "Die verkaufe ich bis nach La Paz, da zahlen die Leute sieben Bolivianos dafür." Der Grund: Die Kunden denken, der gekennzeichnete Käse sei etwas Besseres.

 

Der Käse wird in der Stadt Oruru Verkauft. ©
Der Käse wird in der Stadt
Oruru verkauft. © Kessler

Kein Ende des Tatendrangs in Sicht

Dabei wird der Eine wie der Andere in der kleinen, blitzsauberen Käserei hergestellt, die neben dem Wohnhaus von Epifania steht. Wie übrigens auch der Joghurt, den sie in kleinen, zugeschweißten Plastiksäckchen im Dorf verkauft. Und zwar in den Geschmacksnoten Pfirsich, Banane und Erdbeere. Für die Pülverchen, die sie dafür braucht, hat sie eine Bezugsquelle in Cochabamba aufgetan. In Oruro, der nächsten Großstadt, gab es die nicht – aber seit kurzem gibt es in Oruro Epifanias Fruchtjoghurt, das sie einmal die Woche dort hintransportiert und verkauft.

Und demnächst will sie es sogar bis nach La Paz exportieren. 

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