Alles Käse, oder was? Ohne die Käseproduktion seiner Mutter könnte Abdías (7) nicht zur Schule gehen

Abdías umringt von seinen
Geschwistern. © Kessler
Also, Chef einer Käserei will Abdías schon mal nicht werden. Lastwagen, Angestellte, ein gutes Gehalt, das lockt ihn alles nicht - noch nicht. Ja, und was sonst? "Ich werd’ mal Schreiner, ich will Tische und Stühle herstellen", sagt er ziemlich entschieden.
Abdías’ Familie lebt im Millenniumsdorf Cañadón Peñas in Bolivien in 4.000 Meter Höhe. 40 Prozent der Bolivianer können nicht lesen und schreiben. Doch die Situation bessert sich. Heute gehen fast alle bolivianischen Kinder in die Schule. Ein Problem ist dabei jedoch die schlechte Unterrichtsqualität, denn häufig sind Lehrer nur unzureichend ausgebildet. Zudem verlassen zahlreiche Kinder frühzeitig die Schule, weil ihre Familien auf ihre Arbeitskraft angewiesen sind.
Abdías besucht die zweite Klasse. Schule mache ihm schon Spaß, sagt er, allerdings ohne überschäumende Begeisterung. Denn das Herumtoben scheint für ihn attraktiver zu sein: Geschickt klettert er in der Scheune die Leiter hoch und lässt sich begeistert auf das Heu herunterfallen, welches eigentlich für das Vieh gedacht ist. Vier Kühe, ein Kalb, acht Schafe und ein paar Lämmer besitzt die Familie von Abdías.

Nemecio und seine Mutter
in der Käserei. © Kessler
Mehr Einnahmen durch Käseverkauf
"Wo wären wir ohne den Käse", grübelt die Abdías Mutter. Ohne die Einnahmen aus der Käseproduktion würde es ihrer Familie viel schlechter gehen. Denn dafür, dass sie für die örtliche Telefongesellschaft auf ihrem Hof Platz für eine Satellitenschüssel geschafft hat, bekommt sie kein Geld. Sie tut es für die Gemeinde, denn irgendjemand muss es ja machen, sagt sie. Die blitzende Metallkonstruktion mag den Fortschritt symbolisieren – da sind sie nun an die Welt angeschlossen. Aber wichtiger ist, dass der Omnibus, der früher zweimal die Woche in das Tal von Challguamayu kam, heute jeden Tag fährt. Durch die verbesserte Infrastruktur sind die Produktion von Käse sowie dessen Vermarktung viel wirksamer und nachhaltiger. Und hat das Dorf enger mit der Welt verbunden als das Telefon.
Im Überfluss ist das Geld nicht da. Abdías und seine Geschwister dürfen vom Käse der Mutter nur selten kosten. Denn für alle reicht er nicht. Und ausweiten kann man das Geschäft kaum: Für mehr Käse bräuchte man mehr Kühe, für mehr Kühe mehr Futter, für mehr Futter mehr Land – und das haben sie nicht.
Lohnende Weiterbildung
Fünf Geschwister hat Abdías. Drei von ihnen sind schon groß und leben in der Stadt. "Meine Älteste ist 22, die macht gerade eine Ausbildung zur Krankenschwester", erzählt die Mutter stolz. "Wir bezahlen das selber. Aus den Einnahmen mit dem Käse." Es hat sich gelohnt, dass sie die Weiterbildungskurse der Welthungerhilfe besucht hat, sagt sie. Dort lernte sie viel über Tierhaltung, über Tiergesundheit und über Hygiene.
Im Überfluss ist das Geld nicht da. Abdías und seine Geschwister dürfen vom Käse der Mutter nur selten kosten. Denn für alle reicht er nicht. Und ausweiten kann man das Geschäft kaum: Für mehr Käse bräuchte man mehr Kühe, für mehr Kühe mehr Futter, für mehr Futter mehr Land – und das haben sie nicht.
Bankverbindung der
Welthungerhilfe
Weitere Informationen:
Millenniumsdorf Cañadón Peñas in Bolivien: Die ländliche Bevölkerung nimmt ihr Leben in die Hand
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Galerie: Bilder aus dem Millenniumsdorf Cañadón Peñas in Bolivien
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Porträts:
Menschen aus dem Millenniumsdorf Cañadón Peñas in Bolivien


