Welthungerhilfe zur Afghanistan-Konferenz: "Rezept Geld" reicht nicht

Brennpunkt Nr. 12: Afghanistan-Knferenz. Beim internationalen Engagement ist ein Paradigmenwechsel nötig

Schuljungen in Afghanistan. © Jungeblodt
Schuljungen in Afghanistan. © Jungeblodt
(25.01.2010) Nach Ansicht der Welthungerhilfe sind Finanzzusagen nicht entscheidend für den Erfolg der internationalen Afghanistan-Konferenz am 28. Januar in London. "Das 'Rezept Geld' allein reicht nicht aus", sagt Dr. Wolfgang Jamann, Generalsekretär der Welthungerhilfe. "In Afghanistan ist vielmehr ein Paradigmenwechsel beim internationalen Engagement nötig. Es kommt nicht auf das 'Wieviel' an, sondern auf das 'Wie', vor allem beim zivilen Aufbau."

Wie die Welthungerhilfe in ihrem aktuellen Brennpunkt darlegt, ist die internationale Gemeinschaft in Afghanistan in eine Falle getappt. Unter dem Druck, möglichst viele Mittel schnell umzusetzen, hat sie sich die Unterstützung zweifelhafter lokaler Machthaber erkauft. Damit hat sie die Glaubwürdigkeit des Westens in den Augen der afghanischen Bevölkerung schwer beschädigt.

Dieser Befund gilt insbesondere für die sogenannten Quick-Impact-Projekte. Dabei handelt es sich um Entwicklungsmaßnahmen, die vor allem von Seiten des Militärs durchgeführt werden, um die 'Herzen' der Bevölkerung zu gewinnen. Die Vereinigten Staaten haben die Mittel für diesen Bereich gerade auf 1,2 Milliarden US-Dollar aufgestockt – das ist so viel wie das Budget der afghanischen Regierung für Bildung und Gesundheit zusammen.

Die Welthungerhilfe fordert, die Entwicklungsmaßnahmen sorgfältig zu planen und zu koordinieren und die afghanische Bevölkerung stärker zu beteiligen. "Die Afghanen müssen bei der Planung über die Zukunft ihres Landes stärker einbezogen werden", sagt Jamann. "Bei der Afghanistankonferenz in London und allen folgenden Prozessen sollen Vertreter der Zivilgesellschaft nicht wie bisher auf Nebenschauplätze verdrängt werden, sondern mit am Verhandlungstisch sitzen. Es muss sichergestellt werden, dass ihre Anliegen von ranghohen Regierungsvertretern angehört werden."

Zu den Vertretern der Zivilgesellschaft gehören zum Beispiel das Afghan-Civil-Society Forum, der "Agency Coordination Body for Afghan Relief" oder das "Afghan NGOs Coordination Bureau", die einen solchen Prozess organisieren und die Interessen der ländlichen Regionen vertreten könnten.

Euro

Spenden

Engagement der Welthungerhilfe in Afghanistan

Die Welthungerhilfe ist seit 1980 in Afghanistan aktiv. Zu den Schwerpunkten zählen seit 2003 der Wiederaufbau der ländlichen und kommunalen Infrastruktur, die Ernährungssicherung, die Stärkung der Zivilgesellschaft sowie der Umwelt- und Erosionsschutz.

SWR-Videobeitrag

Bio-Rosenöl aus Afghanistan

Weitere Informationen

Länderinformationen Afghanistan

Afghanistan - Fakten, Hintergründe und Geschichten

Fachkonzept Ländliche Entwicklung: Leitlinien für die Förderung von Projekten der Ländlichen Entwicklung

Themen-Spezial: Konflikte & Katastrophen - Der Kreislauf von Hunger und Krieg

Karte Afghanistan_235

Projektnummer

AFG-1101

Projektort

- Provinz Nangarhar (Distrikte Dare-Noor, Achin und Nazian)

Projektlaufzeit

seit Juni 2004

Schwerpunkte

- Anbau von Rosen, Destillation zu Rosenöl

© Copyright 2009 Deutsche Welthungerhilfe e.V. – ImpressumKontakt