1,1 Milliarden Menschen ohne sauberes Wasser


Grafik: 1,1 Milliarden Menschen ohne sauberes
Wasser.

Gut ein Sechstel der Weltbevölkerung hat keinen Zugang zu sauberem Wasser. Vor allem in den ländlichen Regionen Afrikas und Asiens müssen sich hunderte Millionen Menschen aus Flüssen, Seen oder verschmutzten Wasserstellen versorgen. Die Folge sind Infektionen und Parasitenbefall, die oft tödlich enden.

Meist sind es die Frauen, die täglich mehrere Kilometer weit gehen müssen, um wenigstens einige Eimer Wasser zum Kochen und Trinken für die Familie herbei zu schaffen. Über 935 Millionen Menschen auf dem Lande erhalten trotz aller Anstrengungen weniger als 20 Liter Wasser am Tag – zum Vergleich: In den USA werden pro Person durchschnittlich über 700 Liter Trinkwasser für den täglichen häuslichen Bedarf verbraucht.

Probleme in den Städten

Besorgniserregend ist auch die Entwicklung in den Städten. Dort ist die Zahl der Menschen ohne Wasserversorgung binnen 15 Jahren von 113 auf 185 Millionen gestiegen. Die Versorgungseinrichtungen in den Städten halten mit dem raschen Bevölkerungswachstum dort nicht Schritt. Immer mehr Menschen verlassen ihre ländliche Heimat und ziehen in die Städte. Immer mehr Armenviertel entstehen, immer häufiger brechen die ohnehin maroden Leitungssysteme zusammen. Die Vereinten Nationen (UN) warnen schon für die nächsten Jahre vor extremer Wasserknappheit in den meisten Großstädten Asiens und Afrikas.

Besonders schlecht mit Wasser versorgt sind die Menschen in Afrika südlich der Sahara. Dort haben weniger als 60 Prozent Zugang zu sauberem Wasser – etwa 82 Prozent in den Städten und etwa 46 Prozent in den ländlichen Regionen.

 

Ziele der Zukunft

Eines der Milleniumsziele für das Jahr 2015 ist, die Zahl der Menschen ohne Wasserversorgung gegenüber dem Jahr 1990 zu halbieren. Zwischenbilanzen zeigen: Dieses Ziel könnte in Lateinamerika und Südasien erreicht werden. In Ostasien und Afrika bleibt die Entwicklung der Wasserversorgung aber weit hinter dem angestrebten Ziel zurück.

 

Privatisierung notwendig?

Weltweit müssten jährlich fast 200 Milliarden Dollar in den Wassersektor investiert werden, um ausreichend neue Versorgungssysteme zu schaffen und die bestehenden zu sanieren. In diesen Markt drängen zunehmend auch private Firmen. Töchter großer internationaler Konzerne wie Ondeo, Vivendi aber auch der deutschen RWE haben bereits die Wasserversorgung zahlreicher Groß- und Millionenstädte in den Entwicklungsländern übernommen. Meist hat das zu einer besseren Versorgung in den wohlhabenden Stadtvierteln und zu höheren Wasserpreisen für alle geführt. Entwicklungsfachleute in aller Welt sehen deshalb die Privatisierung des Wassermarktes kritisch.

Mittlerweile haben sich andere Firmen wie Nestlé oder Coca Cola die Nutzungsrechte an Trinkwasserressourcen gesichert und verkaufen Wasser in Flaschen – bis zu vierzigmal teurer als Leitungswasser.

 

(Karl-Albrecht Immel; Stand: Jan/Feb. 2006)

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