Expertenrunde zum Thema Energie und Hunger

Podiumsdiskussion zum Thema Energie und Hunger. © Rechenburg
Podiumsdiskussion zum Thema Energie und
Hunger. © Rechenburg
Unter dem Titel "Energiehunger im Norden – Hungersnot im Süden: Wenn der Konsum von Luxusgütern zur Überlebensfrage wird" diskutierten Experten aus Politik und Wissenschaft im Oktober 2008 über die Nahrungsmittelkrise.

 

Preissteigerungen in Burkina Faso

Eine eindrückliche Einführung in das Thema vermittelten Oskar Sawadogo und Barthelemy Savadogo. Die beiden Landwirte arbeiten für ZOOD Noma, eine Partnerorganisation der Welthungerhilfe in Burkina Faso, die im Bereich ländliche Entwicklung tätig ist. In Burkina Faso stiegen die Preise für Nahrungsmittel teilweise um bis zu 65 Prozent. Dabei ist die Ernährungslage in Burkina Faso ohnehin schon prekär. 39 Prozent der Bevölkerung sind chronisch mangelernährt und 14 Prozent der Kinder unter fünf Jahren sind von extremem Untergewicht betroffen.

Jüngste staatliche Preiskontrollen haben nur sehr begrenzt Auswirkungen auf den Märkten gezeigt und die Ernährungssicherheit wird sich wohl weiter verschlechtern. Viele Menschen können sich nun durch die steigenden Nahrungsmittelpreise selbst lebensnotwenige Güter nicht mehr leisten.

 

Was sind die Ursachen der Nahrungsmittelkrise

Auf dieser verheerenden Bilanz aufbauend diskutierte das Expertenforum über die Ursachen der Nahrungsmittelkrise. Auch über die Frage, welche Maßnahmen von Seiten der Politik ergriffen werden müssen, um eine Verschärfung der Nahrungsmittelkrise abzuwenden und langfristig den Hunger in der Welt abzuschaffen.

Deutlich wurde, dass die Nahrungsmittelkrise auf einer Kombination aus unterschiedlichen Faktoren beruht. Dazu gehören neben klimabedingten Missernten auch die steigenden Nahrungsmittelansprüche und der erhöhte Fleischkonsum einer wachsenden Weltbevölkerung. Durch den Energiehunger der Industrie und Schwellenländer, der zunehmend durch die Produktion von Biotreibstoffen gestillt wird und durch Spekulationen an der Börse wird der Preisauftrieb weiter angeheizt.

Auf dem Podium bestand Einigkeit darüber, dass Ansätze, die sich nur einseitig auf eine Ursache der Lebensmittelkrise beziehen, zu kurz greifen. Gleichzeitig wurden einzelne Ansatzpunkte kontrovers diskutiert. So wurde beispielsweise deutlich, dass Biotreibstoffe nicht nur Risiken sondern auch Chancen für Entwicklungsländer bieten.

 

Hans-Joachim Preuß. © Rechenburg
Hans-Joachim Preuß.
© Rechenburg

Keine Abhängigkeit von Konjunkturen

Allerdings warnte Hans Joachim Preuß von der Welthungerhilfe, es sei nicht ratsam, sich von Konjunkturen des Weltmarktes abhängig zu machen. Eine verstärkte Nahrungsmittelproduktion in Entwicklungsländern sei daher unbedingt notwendig.
Zudem müsse sich die deutsche Entwicklungszusammenarbeit wieder stärker auf den ländlichen Raum konzentrieren.

Jenseits von politischen Lösungen wurde in der Diskussion immer wieder deutlich, dass auch jeder Einzelne zur Bewältigung der Nahrungsmittelkrise beitragen kann, beispielsweise durch die Einschränkung des Fleischkonsums oder die bewusste Entscheidung für energiesparende Verkehrsmittel.

 

Letzte Änderung an dieser Seite: 14.10.2008
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