Hauptsache Energiesicherheit? Biokraftstoffe im Konflikt mit der Produktion von Nahrungsmitteln

Produktion von Biokraftstoffen aus der Purgiernuss in Peru. © DWHH
Produktion von Biokraftstoffen aus der
Purgiernuss in Peru. © DWHH
854 Millionen Menschen hungern weltweit, und es werden immer mehr: Die Welternährungsorganisation FAO rechnet mit einem Anstieg auf über 861 Millionen (FAOSTAT). Die globale Hungerkrise wird sich weiter verschärfen, weil immer mehr Landfläche weltweit für den Anbau von Kraftstoffpflanzen für Biosprit und Biodiesel benötigt wird. Dadurch sinkt das Angebot an Lebensmitteln und die Preise für Grundnahrungsmittel wie Mais und Getreide steigen. Politiker in den Industrieländern haben diese Auswirkungen für die Ernährungssicherheit nicht berücksichtigt, als sie entschieden, Agrotreibstoffe massiv einzusetzen. Ihr Beschluss sollte dem Klimaschutz dienen, erhöht jedoch gleichzeitig den weltweiten Hunger und verletzt das Menschenrecht auf Nahrung.

 
 

Schulspeisung im Kongo: die globale Hungerkrise verschärft sich. © Meissner
Schulspeisung im Kongo:
die globale Hungerkrise
verschärft sich. © Meissner
Ernährungssicherheit beim Klimaschutz berücksichtigen!

Doch Klimaschutz muss nicht zu Lasten der Ernährungssicherheit erfolgen. Wirkungsvoller als der massive Einsatz von Biokraftstoffen wären konkrete politische Vorgaben zum Einsparen von Energie und zur Effizienzsteigerung. So würde die Innovationsfreudigkeit der Industrienationen gestärkt und die globale Erwärmung tatsächlich gebremst werden. Nicht zuletzt kann so die Landwirtschaft vor langfristigen Einbußen durch den Klimawandel geschützt werden. Um diese Ziele zu erreichen, ist eine verbesserte Kohärenz zwischen Entwicklungs-, Agrar-, Energie- und Umweltpolitik sehr wichtig.

 
 

Haferernte in Ecuador - landwirtschaftliche Reformen sind dringend nötig. © Lohnes
Haferernte in Ecuador -
Investitionen sind
dringend nötig. © Lohnes
Industrie- und Entwicklungsländer tragen die Verantwortung für die Bekämpfung des Hungers

Angesichts der weltweiten Hungerkrise sind Investitionen in die Ernährungslandwirtschaft unerlässlich. Besonders in Afrika wurde in den letzten Jahrzehnten kaum in ländliche Infrastruktur und in die Modernisierung der Landwirtschaft investiert. Die Potenziale zur Selbstversorgung einzelner Staaten und Regionen müssen besser genutzt werden. Dieser Herausforderung müssen sich in erster Linie die betroffenen Länder selbst stellen. Doch auch die Industrieländer müssen als Verursacher der Klimaerwärmung und der Preisexplosion für Nahrungsmittel in die Verantwortung genommen werden: Sie müssen Maßnahmen zur Ernährungsicherheit deutlich stärker als bisher unterstützen und ihre bisherigen Erfahrungen ausbauen. Außerdem ist es notwenig, dass sie ihre Aktivitäten besser mit ihren Partnern koordinieren.

Letzte Änderung an dieser Seite: 11.03.2008
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